Autobahn wohl nicht vor 2031 komplett fertig

A44: Heute wird der Abschnitt bis Waldkappel für den Verkehr freigegeben 

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Hier war bislang Schluss: Bei Hessisch Lichtenau-Ost wurde der Verkehr wieder von der A44 auf die B7 geleitet - jetzt geht es weiter bis Waldkappel.

Waldkappel. Freitag der 13. ist in diesem April ein Glückstag für Pendler: Um 10 Uhr wird der A-44-Abschnitt zwischen Hessisch Lichtenau-Ost und Waldkappel für den Verkehr freigegeben.

Los gehen die Feierlichkeiten zur Freigabe um 10 Uhr vor dem Westportal des Tunnels Küchen. Erwartet werden die Staatssekretäre Steffen Bilger (CDU) aus dem Bundesverkehrsministerium und Mathias Samson (Grüne) vom Hessischen Verkehrsministerium sowie Hessen-Mobil-Präsident Burkhard Vieth.

Bevor die neuen Abschnitte für den Verkehr freigegeben werden, können die Gäste der Feier den Tunnel Küchen besichtigen.

Für einige Bewohner des Hessisch Lichtenauer Stadtteils hatte der Bau des Tunnels, der direkt unter dem Dorf verläuft, ein Nachspiel: Einige Häuser bekamen Risse, die Anwohner vermuteten, dass diese durch die Sprengungen für den Tunnel verursacht wurden. 

So verläuft die Trasse der A44 zwischen Küchen und Walkappel.

Freigabe immer wieder verschoben

Insgesamt kann die neue Autobahn 44 dann auf zusätzlichen 10,9 Kilometern von Hessisch Lichtenau bis Waldkappel befahren werden. 

Zunächst war der 28. Februar als Freigabe-Termin der Abschnitte 6 bis 8 bekannt gegeben worden. Obwohl alle Tests an der technischen Ausstattung des Tunnels Küchen abgeschlossen waren, reichte die Zeit nicht mehr für den gesetzlich vorgeschriebenen mehrwöchigen Testbetrieb. Einen genauen Termin nannte Hessen Mobil-Sprecher Horst Sinemus damals nicht, kündigte aber bereits  an, dass es vor Mitte April nicht dazu kommen würde. 

Zuständig für den neuen Autobahnabschnitt sind dann die Straßenmeisterei Meißner für den Winterdienst, denn eine Autobahnmeisterei gibt es noch nicht. Die Zuständigkeit im Bereich der Polizei geht mit der Eröffnung von der Polizeistation Hessisch Lichtenau auf die Autobahnpolizei Baunatal über, die dann für insgesamt 210 Autobahnkilometer zuständig ist und damit Hessens größte Autobahnpolizei. Der Vorschlag der Polizeidirektion Werra-Meißner, die A 44 als Pilotprojekt unter ihrer Regie zu betreuen und dafür zusätzliche Beamte in der Polizeistation Sontra unterzubringen, ist mit dieser Entscheidung von Hessens Innenminister Peter Beuth vom Tisch.

Baustart für die letzten A-44-Abschnitte noch in diesem Jahr

Umstritten: Der Bauabschnitt 2 zwischen Kassel-Ost und Helsa-Ost.

Zwar sollen die Bauarbeiten an den letzten beiden A-44-Abschnitten 11 und 12 bis zum Anschluss an die Autobahn 4 bei Wommen noch in diesem Jahr vorangehen, dennoch wird es noch etliche Jahre dauern, bis die rund 70 Kilometer lange und etwa 1,8 Milliarden teure  Autobahn 44 durchgängig von Kassel bis zur A4 bei Wommen befahrbar ist. 

Experten rechnen damit, dass es mindestens bis zum Jahr 2031 dauern wird. Der Grund dafür ist der umstrittene Abschnitt von Kassel-Ost bis Helsa-Ost, für den es noch immer keinen Planfeststellungsbeschluss gibt.

Fleißig gebaut wird derweil am Abschnitt 9, der von Waldkappel bis Ringgau führt: Der 7,9 Kilometer lange Streckenteil zählt mit seinen beiden Tunneln Trimberg und Spitzenberg sowie der Wehretalbrücke mit zu den beeindruckendsten Bauabschnitten – und mit 262 Millionen Euro Gesamtkosten auch zu den Teuersten. Allein die rund 700 Meter lange Wehretalbrücke, die als lang gezogene Kurve südlich von Reichensachsen das weite Wehretal überspannt, verschlingt gut 60 Millionen Euro - und ist derzeit zur Hälfte fertig.

Viele Gerichtsurteile und Baustopps

Der BUND hat in der Vergangenheit gegen die einzelnen Bauabschnitte der Autobahn 44 geklagt und damit den Baustart immer wieder verzögert. Vor allem den Kammmolch und die Gelbbauchunke sahen die Naturschützer bedroht, aber auch, dass die A44 in  unmittelbarer Nähe von zwei Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Schutzgebieten verlaufe, haben die Schützer immer wieder kritisiert.

Neben den Umweltschutz kam es auch vonseiten der Landwirte zu mehreren Klagen. Zuletzt hatte die Inhaberin eines Milchviehbetriebes bei Sontra-Lindenau erfolgreich den Baustart verhindert. Sie hatte mit ihrer Klage vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof Erfolg, da die im Planfeststellungsverfahren festgeschriebenen Ausgleichsflächen derzeit nicht verfügbar sind. Die Gerichtsentscheidung bestätigt Michael Zarth, Pressesprecher der für den Bau der Autobahn ab Waldkappel zuständigen Deutsche-Einheit-Fernstraßenplanungs- und -baugesellschaft (Deges), er geht aber davon aus, dass in den kommenden Wochen eine Einigung gefunden und sich der Baustart nur geringfügig verzögern werde. 

Einen Baustopp durchbekommen hatte im vergangenen Sommer der Geflügelhof Dorsch bei Sontra-Wichmannshausen. Von Juni bis September 2017 mussten die Arbeiten an der  A-44-Ulfetalbrücke ruhen, bis eine geeignete Ausgleichsfläche für de Geflügelzüchter gefunden wurde.

Insgesamt waren rund um Sontra fünf Landwirte vom Autobahnbau in ihrer Existenz gefährdet und hatten deshalb einen Anspruch auf Ausgleichsflächen. Allerdings hagelte es viel Kritik seitens der Landwirte, die sich eine Flurbereinigung gewünscht hätten.

Für Unmut sorgte auch eine Rodung von mehreren hundert Bäumen bei Herleshausen-Unhausen, die die Deges ohne Erlaubnis des Grundstückseigentümers, das Gelände zu betreten, gefällt hatte.  Das Pikante: Die unangekündigten Rodungsarbeiten hätten für die Arbeiter gefährlich werden können, da zu diesem Zeitpunkt eine Treibjagd in dem Waldstück abgehalten wurde.

Viele weitere Interessante Informationen zur Autobahn 44 gibt es auch auf unserer Themenseite.

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