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Verein will ab Ostern wieder Touren an Museumsbahn Waldkappel anbieten

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Von: Stefanie Salzmann

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Auf und zu: Die Schranke am Bahnwärterhäuschen kurz vor Waldkappel ist voll funktionsfähig.
13 Vereinsmitglieder sind es, die die Museumsbahn zwischen Bischhausen und Waldkappel aufgebaut haben und sie pflegen, betreuen und stetig weiterentwickeln © Stefanie Salzmann

Vereine halten unsere Gesellschaft zusammen. Seit Jahren haben sie mit Problemen zu kämpfen. Und dann kam auch noch Corona. Wir porträtieren besondere Vereine aus unserer Region.

Waldkappel – Ob eisiger Wind bläst, es regnet oder schneit – beinahe täglich ist Horst Dölle am Gleis unterwegs. Der 70-Jährige ist einer von derzeit 13 Vereinsmitgliedern, die die Museumsbahn zwischen Bischhausen und Waldkappel aufgebaut haben und sie pflegen, betreuen und stetig weiterentwickeln. „Ab Ostern dieses Jahres soll es mit unserer Museumsbahn zwischen Bischhausen und Waldkappel wieder losgehen“, sagt der Vorsitzende und Gründer des Vereins, Romano Sawikowsky.

Und dann will der Verein, der sich ursächlich der Erhaltung alter Signaltechnik verschrieben hat, auf der Strecke Fahrten anbieten – wahlweise mit Draisinen oder einem jetzt gerade angeschafften sogenannten Rottenkraftwagen. Mit dem wurde Anfang Februar dieses Jahres das erste Mal seit 30 Jahren die Strecke wieder befahren. Eine Umfrage via Facebook des Vereins unter der Waldkappeler Community ergab: Die Leute wollen beides, Zug und Draisine.

Auf und zu: Die Schranke am Bahnwärterhäuschen kurz vor Waldkappel ist voll funktionsfähig.
Auf und zu: Die Schranke am Bahnwärterhäuschen kurz vor Waldkappel ist voll funktionsfähig. © Stefanie Salzmann

„Den Winter haben wir genutzt, um die Strecke freizuschneiden“, sagt Sawikowsky. Horst Dölle hat entlang der Strecke vier große Vogelhäuser gebaut, die vom Federvieh gut angenommen werden. Nun muss das neue Gefährt noch so umgebaut werden, dass es auch für Kinder sicher ist, und technisch abgenommen werden. „Bisher gehen die Fahrten nur auf eigene Gefahr“, sagt der Vorsitzende.

Seile für die Schranken entlang der Gleise.
Seile für die Schranken entlang der Gleise. © Stefanie Salzmann

Doch die zwei Kilometer Eisenbahnstrecke, Teil der früheren Kanonenbahn zwischen Berlin und dem lothringischen Metz, hat weit mehr zu bieten. Wer sich für alte Fernmeldetechnik begeistert, kann hier fündig werden. Denn der Verein hat längs der Gleise im Abstand von 50 Metern originalgetreu Fernmeldemasten nachbauen lassen, die Isolatoren haben die Mitglieder gesammelt. „Die liegen überall entlang von Bahnstrecken rum, die braucht keiner mehr“, sagt Sawikowsky.

Rüde Toni und seine kleine Freundin auf Mäusejagd entlang der Museumsbahnstrecke zwischen Bischhausen und Waldkappel. Die Gleisanlage sowie die dazugehörige Bahn- und Fernmeldetechnik werden vom Verein zur Erhaltung von Signaltechnik betreut.
Rüde Toni und seine kleine Freundin auf Mäusejagd entlang der Museumsbahnstrecke zwischen Bischhausen und Waldkappel. Die Gleisanlage sowie die dazugehörige Bahn- und Fernmeldetechnik werden vom Verein zur Erhaltung von Signaltechnik betreut. © Stefanie Salzmann

Die Deutsche Bahn hat im restlichen Bundesgebiet sämtliche Masten abgebaut. Nun fehlt noch die Verkabelung. „Wir sind Deutschlands einziges Freilichtmuseum für Fernmeldetechnik“, sagt der Vereinsvorsitzende stolz. Denn nicht nur die Masten sind da, sondern entlang der Strecke kann demnächst auch über ein bahninternes Netz wieder telefoniert werden. Erinnerungen dürfte auch bei manchen der Ton der sich gleich hebenden Bahnschranken wecken. Denn beide Schranken entlang der Museumsstrecke sind voll funktionsfähig und klingeln, bevor sie sich heben oder schließen – vorausgesetzt jemand betätigt die Handkurbel.

Und manchmal bekommt der Verein, der sonst keinerlei Spenden erhält, auch mal etwas geschenkt, so wie jetzt eine ausrangierte Schrankenanlage aus Frankfurt-Nied. Dort war es im Mai 2020 zu einem tödlichen Unfall gekommen, in dessen Folge die Bahn den Bahnübergang erneuerte.

Der Verein aus Waldkappel kümmert sich jedoch nicht nur um sich selbst, sondern ist mit seinem Know-how auch bundesweit aktiv. „Wir helfen anderen Eisenbahnvereinen und Museen bei Reparaturen von alter Signaltechnik“, sagt Sawikowsky, der selbst Signaltechniker bei der Bahn ist. Zuletzt war die Truppe aus Waldkappel in Ennepetal bei Hagen im Einsatz.

Gegründet wurde der Verein im Jahr 2009, das Gelände der Museumsbahn befindet sich in dessen Besitz. (Stefanie Salzmann)

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