Burghofen vorgestern ausgelost, gestern von der besten Seite gezeigt, heute im Fernsehen

Alles tun fürs „Dolle Dorf“

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Ganz Burghofen versammelte sich fürs Fernsehen vor der Kirche im Dorf mit Gefäßen für Sauermilch und rief „Mer sin de Borkhewer Suremelch-Dibben“.

Burghofen. Bis Freitag in der Früh beriet sich Burghofens Ortsvorsteher Walter Heller mit einigen Helfern und dem Team vom HR-Fernsehen, das sich direkt nach der Auslosung Burghofens zum nächsten dollen Dorf am Donnerstagabend von Frankfurt auf den Weg gemacht hatte.

Rosi Fiebelkorn, Ortsvorsteher Walter Heller und Petra Schuchhardt vor dem ältesten Haus im Dorf, das 1655 erbaut wurde.

Das so kurzfristig auf die Beine gestellte Programm für die gestrigen Dreharbeiten konnte sich sehen lassen: Neben dem Pfifferberg mit Panoramablick und dem in Eigenleistung von 2008 bis 2010 neu aufgebauten Turm „Ziegenküppel“ mit 445,6 Metern Höhe wurde dem Bauernhof der Familie Siemon ein Besuch abgestattet. Sommer wie Winter stellen die Landwirte die für Burghofen legendäre Sauermilch her. „Im Winter wird die Milch neben den Kohleherd gestellt, um sie sauer werden zu lassen“, verriet Achim Siemon dem Fernsehen. Bei „Suremelch“ kennen sich alle „Borkhewer“ aus: Je schneller sie sauer wird, umso besser schmeckt sie, erklärte eine Bewohnerin. Auch den Namen haben die Burghöfer von ihrer Lieblingsspeise: „Borkhewer Suremelch-Dibben“, was auf Plattdeutsch übersetzt ungefähr Burghofener Sauermilch-Gefäße heißt. Mit eben diesen Gefäßen dekorierten sie für Moderatorin Nora Enns kurzerhand auch den Zaun des ältesten Hauses in Burghofen, dessen Erbauung auf das Jahr 1655 datiert ist. Die Dorfchronik, die der nach den blutigen Aufständen in Bitterfeld am 17. Juni 1953 über Umwege nach Burghofen geflohene Wilhelm Fiebelkorn erstellte, weckte ebenfalls das Interesse des Fernsehteams.

Neben dem „Held von Bitterfeld“, wie Wilhelm Fiebelkorn auch genannt wird, hat Burghofen noch weitere Prominenz zu bieten: Alfred und Heidi Neussner sind die einzigen Sprecher der Weltsprache Ido. Alfred Neussner, der die seit über 100 Jahren existierende Sprache 1946 von einem Waldarbeiter erlernte, war lange Zeit Verwaltungschef der deutschen Ido-Gesellschaft. Bis vor einem Vierteljahr befand sich in seinem Haus das Archiv der Gesellschaft, das mittlerweile nach Berlin gebracht wurde.

Von Gudrun Skupio

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