Klage von Bischhäuser erfolglos

Aus für Wasserkraftwerke? EU-Wasserrichtline bedroht Existenz kleiner Anlagen

Standen schon 2018 gemeinsam gegen die Regelung: (von links) Ronald Steinhoff von der Arbeitsgemeinschaft Hessischer Wasserkraftwerke, Firmen-Chef Eduard Saakel aus Bischhausen und sein Anwalt Dr. Fabio Longo.
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Standen schon 2018 gemeinsam gegen die Regelung: (von links) Ronald Steinhoff von der Arbeitsgemeinschaft Hessischer Wasserkraftwerke, Firmen-Chef Eduard Saakel aus Bischhausen und sein Anwalt Dr. Fabio Longo.

Mehr als 550 kleine und mittlere Wasserkraftwerke in Hessen bangen um ihren Fortbestand. Grund ist die Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtline (WRRL).

Waldkappel/ Kassel – Die Europäischen Wasserrahmenrichtline (WRRL) schätzt in den meisten Fällen den ökologischen Schaden an Gewässern durch die Kleinwasserkraftwerke höher einschätzt, als deren Nutzen.

In der Wasserichtlinie wird für Gewässer aus ökologischen Gründen ein höherer Durchfluss gefordert – zirka 3,5-mal soviel Wasser soll an den Turbinen vorbeigeführt werden. Das vermindert die Wassermenge hinter den Wehren, mit dem die Turbinen der Kleinwasserkraftanlagen betrieben werden – mit der Folge, dass deren Betrieb entweder unwirtschaftlich oder sogar mangels Wassermenge unmöglich wird.

Für guten ökologischen Gewässerzustand 

Die EU-Wasserrahmenrichtlinie trat im Jahr 2000 in Kraft und soll eine integrierte Gewässerschutzpolitik in Europa bewirken. Mit der Umsetzung sind die Staaten und deren Länder beauftragt. Ziel der Richtlinie ist die Schaffung eines Ordnungsrahmen für den Schutz der Binnenoberflächengewässer, der Übergangsgewässer, der Küstengewässer und des Grundwassers. Ein guter ökologischer Zustand der Gewässer sollte innerhalb von 15 Jahren erreicht werden. salz 

Gegen den Erlass des Hessischen Umweltministeriums, das die WRRL umsetzt, hat Eduard Saakel, Kleinwasserkraftbetreiber aus Bischhausen vor dem Verwaltungsgericht in Kassel geklagt und verloren. „Die älteste Art, umweltfreundliche Energie zu erzeugen, ohne Ressourcen zu verbrauchen, wird mit diesem Urteil vernichtet“, sagt Saakel. Das Urteil fiel im September.

Eduard Saakel

Saakel betreibt sein Kleinwasserkraftwerk in der ehemaligen Mühle in Waldkappel-Bischhausen, wo die Familie einen Getreide- und Futterhandel betreibt. Rund 200 000 kWh Strom produziert das Kraftwerk, 50 000 kWh nutzt der Betrieb für den Eigenbedarf, 150 000 kWh speist er ins öffentliche Stromnetz ein. Ein durchschnittlicher Haushalt in Deutschland verbraucht rund 3000 kWh. Zum Betrieb der Turbinen wird die Wehre dort auf einer Länge von 1,2 Kilometern über einen Mühlgraben geführt. Nach der WRRL soll der Durchfluss der Wehre von jetzt 90 Liter je Sekunde auf bis zu 400 l/s erhöht werden. Auf den Kompromissvorschlag von einer Wassermenge von 180 l/s, die Saakel über einen Gutachter hat ermitteln lassen, ging das Gericht nicht ein. „Der Kompromissvorschlag war nicht ausreichend, um bezüglich der Ökologie im Gewässer zu gleichen Ergebnissen zu kommen“, heißt es in einer Stellungnahme des Regierungspräsidiums. (Stefanie Salzmann)

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