Nach 16 Jahren aufgeklärt

Rückblick: Banküberfall in Waldkappel sorgte im Mai 1999 für Schlagzeilen

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Viel Aufregung um fette Beute: Dem Überfall auf die Sparkasse in Waldkappel widmete die WR in ihrer Ausgabe vom 22. Mai 1999 eine ganze Seite. Jetzt, 16 Jahre später, scheint die Tat aufgeklärt.

Waldkappel. Dreist, nervenstark, kaltblütig und abgebrüht – so wurde vor 16 Jahren in der regionalen Presse das Vorgehen des Mannes beschrieben, der am frühen Morgen des 21. Mai 1999 die Waldkappeler Sparkasse überfallen hatte. Anlass für diese Einschätzung war die Zeit, die sich der heute 68-Jährige für die Ausführung seiner Tat ließ.

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Dabei ist bislang noch gar nicht gesichert, wann genau er sich durch eine hinter einem Müllcontainer versteckte Kellertür Zugang zu dem Gebäude an der Friemener Straße verschafft hatte. Fakt ist, dass er im Vorraum des Personaleingangs auf die ab 7.45 Uhr eintreffenden Bankangestellten wartete. Dort bedrohte er zunächst einen 36-Jährigen mit seinem Revolver, der sich später als Schreckschusswaffe herausstellte, wenige Minuten später auch einen 57-Jährigen. Die Bankmitarbeiter zwang er, Kassenraum, Tresor und Geldautomaten zu öffnen. Das Bargeld verstaute der mit einem dunklen Tuch maskierte Mann in einer Aktentasche, bevor er seine Opfer fesselte, einem von ihnen die Autoschlüssel abnahm und mit einem roten VW-Golf vom Tatort flüchtete. Dieser wurde gegen Mittag auf einem Waldweg nahe des Wildparks Germerode gefunden.

„Die Vorgehensweise des Täters stellt eine neue Qualität dar“, hieß es damals in Zeitung. Gegen eine Geiselnahme seien technische Sicherheitsvorkehrungen zu der Zeit noch machtlos gewesen. Zudem „ist klar, dass er (der Täter) das Objekt in Waldkappel intensiv ausgekundschaftet haben muss“. Offen blieb, ob er wusste, das wegen des anstehenden Feiertagwochenendes ungewöhnlich viel Bargeld in der Bank gelagert wurde.

Mit dem aufgefunden Fluchtfahrzeug begann eine breit angelegte Suche. Die Kriminalpolizei Eschwege erhielt Unterstützung von einem Zug der Kasseler Bereitschaftspolizei. Der gelang dann auch der Fund, der 16 Jahre später den entscheidenden Hinweis liefern sollte. In einer nahen Tannenschonung, teilweise von Laub und Zweigen bedeckt, fanden die Beamten nach und nach die mutmaßliche Tatwaffe, einen Elektroschocker, eine Aktentasche, einen Herrenmantel und eine blonde Perücke. An dieser ließen sich DNA-Spuren feststellen, die sich in dieser Woche als identisch mit denen herausstellen sollten, die bei dem Meinharder im vergangenen Jahr nach seiner Festnahme im Zuge weiterer Überfälle festgestellt worden waren.

Aufrufe der Polizei, wer die Gegenstände wiedererkenne, brachten keine neuen Erkenntnisse. Auch die von der Sparkasse ausgesetzte Belohnung von 5000 D-Mark führte zu keinem Erfolg.

Von Lasse Deppe

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