Niederlage für den BUND

Bundesverwaltungsgericht verkündet Urteil zum Weiterbau von A44

Waldkappel. Heftige Niederlage für die Umweltschutzorganisation BUND: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig wies die Klage gegen den Weiterbau der A 44 in allen Punkten ab. Damit kann nun der 7,2 Kilometer lange Abschnitt zwischen Waldkappel und Hoheneiche gebaut werden.

Das Urteil hat auch Bedeutung für die weitere Streckenführung über Sontra. Auch hier gibt es Klagen. Ob sie nun zurückgezogen werden, ist unklar.

Vom BUND war niemand zur Urteilsverkündung gekommen. Auch der vom BUND geäußerte Appell, notfalls den Europäischen Gerichtshof zu befragen, wies das Bundesverwaltungsgericht zurück. Dies sei nicht notwendig. Generell, so der Vorsitzende Richter, Dr. Wolfgang Bier, halte der Bau der Autobahn den naturschutzrechtlichen Einwänden stand. Auch der Artenschutz sei nicht betroffen. Insgesamt würden die verkehrlichen Gründe für den Bau der Autobahn in diesem Bereich - Lückenschluss der A 44 zwischen Kassel und Eisenach - die Belange von Naturschutzräumen wie FHH-Gebiete überwiegen.

Die mündliche Urteilsbegründung im einzelnen: Betroffen ist zum einen das Naturschutzgebiet Trimmberg. Hier hat das Land Hessen bereits im Jahr 2005 ein Programm zur Umsiedlung von Kamm-Molchen beschlossen. Diese "Maßnahme zur Schadensbegrenzung" sei überzeugend, befand das Bundesverwaltungsgericht. Insbesondere bei einer Art "mit kleinem Aktionsradius" könne die Umsiedlung einen Schaden für die Population der Kamm-Molche begrenzen. Schwankungen bei der Anzahl der Kamm-Molch-Population lägen nicht am Bau der Autobahn.

Die gleichen Erwägungen, so das Gericht, würden auch für die Gelbbauchunke - eine Krötenart -gelten. Auch eine Beeinträchtigung der Buchenwälder durch den Stickstoffausstoß der Autos auf der künftigen Autobahn falle nicht ins Gewicht. Die Beeinträchtigung der Buchen sei nicht messbar. Zum FFH-Gebiet Werra/Wehretal: Hier leben Grau- und Schwarzspechte. Sie seien charakteristische Arten für die Buchenwälder an der Autobahn. Auch beim Weiterbau der A 44 bleibe genug Raum für die Spechte, befand das Gericht. Ihre Aktionsradius würde sich lediglich verschieben.

Bilder vom Tunnelbau bei Küchen

A44-Baustelle Tunnel Küchen

Auch die Bechsteinfledermaus und das Große Mausohr - auch eine Fledermausart - seien nicht gefährdet. Die vom BUND ins Gespräch gebrachten Alternativtrassen lehnte das Gericht ab. Zum einen sei der Bau noch längerer Tunnel zu teuer, zum anderen würde Sontra nicht ausreichend an die Autobahn angebunden. Die schriftliche Urteilsbegründung des Gerichts folgt in einigen Wochen. Die Kosten des Verfahrens muss der klagende BUND tragen.

Von Frank Thonicke

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