Mobilität

Heute hier, morgen dort: Zwei Familien nutzen die Flexibilität der Wohnmobilreisen

So lässt es sich aushalten: Die Brüder Georg (links) und Willi Strube genießen die Freiheit, die ihnen Urlaub mit dem Wohnmobil bietet. In ihren rollenden Wohnungen sind sie vollkommen autark. Und wenn es ihnen irgendwo nicht gefällt, haben sie in zehn Minuten zusammengepackt.
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So lässt es sich aushalten: Die Brüder Georg (links) und Willi Strube genießen die Freiheit, die ihnen Urlaub mit dem Wohnmobil bietet. In ihren rollenden Wohnungen sind sie vollkommen autark. Und wenn es ihnen irgendwo nicht gefällt, haben sie in zehn Minuten zusammengepackt.

Wohnmobilreisen boomen seit Jahren. Die Pandemie hat 2020 nochmal für einen zusätzlichen Schub gesorgt. Die Familien Strube aus Hetzerode und Wolfterode sind schon lange Wohnmobilexperten.

Hetzerode – Entschieden, wo es letztendlich hingeht, wird oft erst, wenn alle schon in ihren Wohnmobilen sitzen. Wenn die grobe Richtung steht, werden die Feinheiten auf der Straße geregelt. „Die Flexibilität und die Freiheit sind es, die uns am Wohnmobilurlaub so gefallen“, sagt Willi Strube aus Hetzerode.

Zusammen mit seinem Bruder Georg und ihren Frauen Heidi und Renate sind die Vier seit rund 25 Jahren ein unzertrennliches Gespann auf den Campingplätzen Europas. Zwischen fünf- und siebenmal sind sie mit ihren beiden Fahrzeugen im Jahr unterwegs. Mal nur ein verlängertes Wochenende, mal zwei Wochen am Stück. Außer Heidi sind inzwischen alle Rentner und können sich ihre Zeit einteilen. Sie selbst bezeichnen sich im Camping als alte Hasen. In diesem Jahr war aber alles anders.

Die Hetzeröder Willi (65) und Heidi (64) Strube sind schon immer Camper gewesen, Bruder Georg (67) und Schwägerin Renate (65) und reisen mittlerweile mit ihnen. Beim Wohnmobilreisen lieben alle die Flexibilität. „So voll wie in diesem Jahr war es noch nie“, erzählt Renate von ihren Touren 2020. Corona habe die Camper-Szene verändert. Obwohl die Plätze größer geworden sind, war es überall voller – und oft auch teurer. Für die Strubes kein Problem. Am liebsten stehen sie ohnehin abseits der Campingplätze auf Wohnmobilstellplätzen – denn mit ihren Autos sind sie weitestgehend autark. „Wir haben Gas und 400 Liter Frischwasser an Bord und Solarzellen für die Stromerzeugung auf dem Dach“, erzählt Georg, der früher als Kraftfahrer gearbeitet hat. Und ganz wichtig: eine voll funktionsfähige Dusche und Toilette. „Keiner von uns mag es, die Sanitäranlagen auf den Campingplätzen mit anderen zu teilen“, sagt Heidi Strube.

Und auch verhungern werden die Selbstversorger unterwegs nicht. „Wir kochen am liebsten unser eigenes Essen“, sagt Renate. Kühlschrank und Gefrierfach sind gut gefüllt, wenn sie aufbrechen. Zum Glück führen die Hetzeröder Strubes einen Fleischbetrieb.

Dass die beiden Ehepaare autark Urlaub machen können heißt aber nicht, dass sie mit anderen nichts zu tun haben wollen. „Mit Campern, die schon lange dabei sind, kommt man immer schnell in Kontakt“, sagt Georg Strube. Sie selbst sind im Urlaub immer gut gelaunt. Zwischendurch sind Bekanntschaften entstanden, die man immer gerne in den Urlaubsgebieten wiedertrifft.

Immer gut drauf: (von links) Renate, Willi, Georg und Heidi Strube spielen nach jedem Abendessen im Wohnmobil eine Partie „Mensch ärgere dich nicht“.

Nur mit den neuen Campern, die durch die geänderten Urlaubsgewohnheiten in diesem Jahr dazugekommen sind, werden sie nicht richtig warm. Müssen sie wahrscheinlich auch nicht. „Viele werden nicht beim Wohnmobilurlaub bleiben, weil beim ersten Mal nicht gleich alles klappt“, schätzt Georg Strube. Er empfiehlt, das erste Mal mit einem erfahrenen Wohnmobilisten auf Tour zu gehen. Es gäbe viele Feinheiten, die frustrieren, wenn man keine Erfahrung hat. „Wenn Kühlschrank, Herd oder Strom nicht funktionieren, hat das oft ganz einfache Gründe, die man aber wissen muss.“

Und was haben die alten Hasen sonst noch für Tipps parat? „Nie an einsamen Stellen oder auf Autobahn-Rastplätzen übernachten.“ Entweder sei es zu gefährlich oder zu laut. Und: „Immer ein Fahrrad dabei haben, um mobil zu sein.“ Die vier Strubes haben mittlerweile alle E-Bikes und festgestellt, dass man so am besten Land und Leute kennenlernt. „Da können dann alle auch mal spontan an einer Weinprobe teilnehmen“, erzählt Renate Strube von ihrer jüngsten Tour Ende September an Mosel, Rhein, Saar und Main.

Mal wieder nach Südfrankreich und einmal ans Nordkap steht bei den Strubes langfristig auf dem Plan. Am Mittwoch geht es erst mal in Richtung Nordsee. Wohin genau, wissen sie wahrscheinlich frühestens erst wieder auf der A7. (Von Tobias Stück)

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