„Mein Leben hält mich fit“

Christkind Agnes Wetzel aus Schemmern feiert heute ihren 100. Geburtstag

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Wird an Heiligabend 100 Jahre alt: die lebensfrohe Agnes Wetzel aus dem Waldkappeler Ortsteil Schemmern. 

Schemmern. Wer sie nicht persönlich kennt, wird es kaum glauben: Agnes Wetzel aus dem Waldkappeler Ortsteil Schemmern feiert heute ihren 100. Geburtstag.

Agnes Wetzel ist trotz ihres hohen Alters geistig fitter als manch einer, der nur halb so alt wie sie ist. An Heiligabend feiert die im Zweiten Weltkrieg aus Tschechien Vertriebene ihren 100. Geburtstag. Erst seit wenigen Tagen wohnt Agnes Wetzel aus Schemmern im Waldkappeler Seniorenzentrum. Da ihre Enkeltochter sie wegen einer Verletzung derzeit nicht pflegen kann, entschied sie sich, die im Haus Anna-Katharina angebotene Kurzzeitpflege in Anspruch zu nehmen.

Das Personal sowie die Bewohner sind überaus erstaunt, wie schnell sich die Schemmerin dort eingelebt hat. Stets hat sie einen flotten Spruch auf den Lippen. Niemand kann wirklich glauben, dass Agnes Wetzel schon über 99 Jahre auf dem Buckel hat. „Mein Leben hielt mich fit“, meint sie und ergänzt: „Außerdem meinte mein Arzt zu mir, dass ich gute Gene habe.“

Ihre Kindheit und Jugend verbrachte die 99-Jährige im tschechischen Ort Böhmen. „Eine gute Zeit“, erinnert sich sie sich gerne an ihre einstige Heimat zurück. Mit 23 Jahren heiratete sie ihren geliebten Mann und gemeinsam bekamen die beiden eine Tochter. Doch dann kam der Krieg und ihr Leben veränderte sich innerhalb einer Nacht schlagartig. „Straße für Straße vertrieb man die Menschen aus deren Häusern.“ Drei Jahre nach ihrer Hochzeit fiel ihr Mann im Krieg. Ein Schicksalsschlag, der für sie lange schwer zu verarbeiten war.

Aus der Heimat vertrieben

Von Mann, Eltern und Geschwistern getrennt, wurde Agnes Wetzel dann in einen Eisenbahnwaggon gesteckt, der sie nach Deutschland bringen sollte. Etwa zehn Tage dauerte es, bis die Heimatvertriebenen den Eschweger Bahnhof erreichten. „Wir mussten hungern und hatten alle große Angst davor, was uns in Deutschland erwarten wird“, berichtet Wetzel.

Ihre Freude am Leben bestärkte die Alleinerziehende, trotz aller Traurigkeit immer positiv zu denken. Agnes Wetzel arbeitete fleißig, lernte ihren zweiten Mann kennen und zog von Burghofen nach Schemmern. Sie kümmerte sich um ihre Enkeltöchter, hatte viele Freunde und widmete sich gerne dem Stricken und Nähen – ihr größtes Hobby. „Niemals hätte ich daran geglaubt, dass ich irgendwann einmal 100 Jahre alt werde“, gesteht Agnes Wetzel. Auch wenn die Schemmerin nicht viel Wert auf das Feiern von Geburtstagen legt, freut sie sich an ihrem Ehrentag besonders auf den Besuch ihrer Ururenkel.

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