„Das tut einem richtig weh“

Schnee-Chaos: Tausende Liter Milch landen in Gülle – Tankwagen kamen nicht

6000 Liter Milch weg: Das Tankfahrzeug der Molkerei erreichte wegen Schnee und Frost in der vorherigen Woche nicht den Hof des Familienbetriebes Heerich in Schemmern, hier Landwirt Reinhold Heerich. 
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6000 Liter Milch weg: Das Tankfahrzeug der Molkerei erreichte wegen Schnee und Frost in der vorherigen Woche nicht den Hof des Familienbetriebes Heerich in Schemmern, hier Landwirt Reinhold Heerich. 

Zig Tausende Liter frische Milch mussten Milchbauern aus der Region in der vergangenen Woche in die Gülle schütten. Der Grund: Die Auswirkungen des Schnee-Chaos und die Minusgrade.

Waldkappel - „6000 Liter Milch hab ich in die Gülle fließen lassen“, berichtet Milchbauer Volker Heerich aus Schemmern, der einen Milchviehbetrieb mit aktuell 75 Milchkühen führt. Im Milchbetrieb von Jörg Schabacker aus Hetzerode waren es in der vorigen Woche sogar 14 000 Liter.

Grund für die gigantische Vernichtung von Lebensmitteln waren, dass unter anderem die Milchtankautos einer großen Molkerei mit Sitz in Thüringen wegen der starken Schneefälle entweder die Höfe nicht erreichen konnten oder dann durch den extremen Frost die Leitungen der Fahrzeuge eingefroren waren.

„Das fühlt sich nicht gut an“

„Das fühlt sich nicht gut an“, sagt Heerich. Am Sonntag sei das Milchauto zuletzt gekommen, am Dienstag waren Heerichs Milchtanks voll, das Tankfahrzeug der Molkerei schaffte den Weg aber auch zum nächsten Termin nicht. Also floss die Milch in den Gülleschacht.

„Das tut einem richtig weh, wenn man dass, was man mit viel Arbeit produziert hat, wegschmeißen muss“, sagt auch Jörg Schabacker, auf dessen Hof in Hetzerode derzeit 80 Kühe täglich gemolken werden. Am Samstag vor zehn Tagen war das Milchauto zuletzt gekommen, am Montag darauf musste der Landwirt die ersten 10 000 Liter Milch wegschütten.

Erst am vorigen Freitag kam das Milchauto wieder

„Älter als zwei Tage darf sie ja auch für die Molkerei nicht sein.“ Zwei Tage später flossen die nächsten 4000 Liter frische Milch in die Gülle. Erst am vorigen Freitag schaffte es das Milchauto erstmals wieder auf den Hof.

Bei einem Milchpreis von derzeit 32 Cent pro Liter liegt der wirtschaftliche Schaden schon beim knapp 4500 Euro. „Das ist eine Summe, die ein Betrieb, der zwei Familien ernährt, nicht ohne Weiteres verkraftet.“ Doch die Milchbauern setzen auf Schadenersatz durch die Molkereien.

Sontraer Landwirt schafft 120 Tiere nach Cornberg

Noch heftiger traf es am vorigen Mittwoch den Sontraer Milchviehbetrieb von Torsten Krause aus Sontra. In der Nacht von Dienstag zu Mittwoch hatte Krause auf seinem Hof eine Temperatur von Minus 29,6 Grad Celsius gemessen. Während des morgendlichen Melkens seiner 120 Milchkühe froren beide Melksysteme ein.

„Es war zum Verzweifeln. Die Kühe mussten gemolken werden und haben gebrüllt“, erzählt der Landwirt von der dramatischen Lage an diesem Polarmorgen.

„Ich hab mich gekümmert und bei Kollegen rumgehört, wer die Tiere nehmen kann“, erzählt Krause. Ein Bauer aus Königswald bot ihm Hilfe an, organisiert seinen Stall um und dann brachte Krause in zehn einzelnen Fuhren seine 120 Milchkühe nach Königswald, um dort weiter zu melken.

In seiner Verzweiflung und drei Tagen und Nächten ohne Schlaf, hatte Krause ans Aufgeben gedacht. Angebote zum Kauf seiner Tiere gab es. Aber inzwischen hat er sich entschieden, seinen Betrieb doch nicht aufzugeben. „Die Angebote waren unterirdisch, ich hätte einfach zu viel Geld vernichtet“, sagt er jetzt. Heute sollen seine Tiere zurückkommen. (Stefanie Salzmann)

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