Alt und doch modern: Die Kirche in Bischhausen mit Fledermaus-Projekt, WLAN und Video

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Gottspot: So heißt das für jeden frei verfügbare WLAN in der Kirche Bischhausen, mit dem Pfarrer André Lecke einen zusätzlichen Anreiz für Touristen schaffen will, die Rad- und Pilgerwegkirche zu besuchen.

Bischhausen. 85 Gotteshäuser der evangelischen Kirche gibt es im Verbreitungsgebiet unserer Zeitung – jede Kirche hat mindestens eine spannende Geschichte zu erzählen. Heute stellen wir Kirche in Bischhausen vor.

Sie ist eine der ältesten Kirchen des Kreises in einem der ältesten Dörfer der Region: die in Bischhausen. Und doch überzeugt sie in den vergangenen Jahren mit innovativen Projekten wie virtuellem Klassenzimmer im von Fledermäusen besetzten Dachstuhl, freiem WLAN und einem Imagefilm zusammen mit Kirchhosbachs Kirche. Die Ersterwähnung des Gotteshauses in Bischhausen stammt aus dem Jahr 786 nach Christus, wahrscheinlich gab es eine aus Holz errichtete Kirche. 

Dir Kirche in Bischhausen.

In frühromanischer Zeit erfolgte der Neubau, im 12. und 13. Jahrhundert eine kreuzförmige Erweiterung. Der wuchtige Wehrturm mit Kapelle stammt aus der ersten Hälfte de 14. Jahrhunderts. 1590 mit einer stattlichen welschen Haube versehen, war der Turm das Zentrum einer mittelalterlichen Burganlage, die in Dreiecksform den Ortskern umfasste. Im Lauf der Jahre wurden verschiedene Sanierungen durchgeführt: Dachstuhlerneuerung, Neubau, Fachwerkanbau, Innenausmalung, Erweiterung, Reparaturen am Dach und 1970 der Abbruch der Adelsstände.

Dem schloss sich der teilweise Abriss und Neuaufbau der West- und Nordwand samt erneuter Sanierung des Dachstuhls an. Die Haube wurde auf Vordermann gebracht, zudem schlossen sich Innenanstrich und Sanierung des Chorraums an. Drei Glocken gibt es seit 1957 wieder, beispielsweise mit der Inschrift „Ehre sei Gott in der Höhe“. Vorher läutete lange nur eine, da zwei der ursprünglichen Glocken zu Kriegszwecken eingeschmolzen wurden. Der Taufstein stammt wie so vieles von der Familie Boyneburg aus dem Jahr 1508, die Kirchenorgel wurde erstmals 1713 erwähnt. Eine Generalüberholung erfolgte vor 40 Jahren.

Grabmale fallen auf

Grabmale von Epitaph Reinhard von Boyneburg und Frau Margarete.

Ins Auge stechen im Innenraum zudem die Grabmale von Epitaph Reinhard von Boyneburg und Frau Margarete. Die Verstorbenen werden kniend in Nischen vor einem Kreuz dargestellt, umrahmt von zahlreichen Wappen ihrer Ahnen, über denen sich im oberen Teil der auferstandene Heiland mit Siegesfahne zeigt. Weitere Grabplatten zieren den Chorraum der Kirche. 

Fledermäuse im Live-Stream

Hausen im Kirchturm: die Fledermäuse, die per Videostream in Unis und Schulen übertragen werden sollen.

Doch nicht nur die Historie ist bedeutend. Nein, auch die Gegenwart, die Pfarrer André Lecke mit zukunftsweisenden Projekten prägt. Die 1000 Fledermäuse im Kirchturm sollen zu Forschungszwecken mit bereits installierten Kameras gefilmt und dies live an Unis und Schulen zu Lern- und Forschungszwecken übertragen werden. 

Freies Internet über den "Gottspot"

Zudem gibt es offenes WLAN in der Kirche namens „Gottspot“ – eine Seltenheit – und einen Imagefilm über die Kirche als Zentrum des dörflichen Lebens mit Zusammenkünften, Konzerten und Veranstaltungen. „Ich möchte andere Wege gehen und moderne Medien nutzen, um die Kirche als Gebäude zurück in die Lebenswirklichkeit der Menschen zu holen“, sagt Lecke. Dafür braucht es noch eine Webseite, um alles gemeinsam zu vermarkten. Der Anfang ist gemacht – für die Zukunft.

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