Ein Burghofener bei den Olympischen Spielen in Südkorea

Kontakt zur Top-Athleten: Zum Beispiel mit Skisprung-Olympia-Sieger Andreas Wellinger hatte Sprungrichter Erik Stahlhut (rechts) die Gelegenheit für einen kurzen Austausch samt eines Erinnerungsfotos. Foto: privat

Burghofen/Pyeongchang. Erik Stahlhut aus dem Waldkappeler Stadtteil Burghofen ist Punktrichter bei den Olympischen Spielen im südkoreanischen Pyeonchang.

„Wenn ich jetzt sage, es war schon immer ein Traum von mir, zu Olympia zu fahren, trifft es dies auf den Punkt“, erzählt Erik Stahlhut. Der 47-jährige Burghofener hat genau das erreicht. Als Punktrichter beim Skispringen entscheidet er bei den Winterspielen im südkoreanischen Pyeonchang bei mehreren Wettkämpfen über Sieg oder Niederlage der Sportler.

„Dazu gehört auch ein wenig Glück“, sagt Stahlhut. 2011 war er schon Sprungrichter bei der Weltmeisterschaft am Holmenkollen (Norwegen). Dieses Mal wurde er für die Ausscheidung nominiert, was obligatorisch ist. Die Entscheidung zu seinen Gunsten sei auf höherer Ebene gefallen und vom Deutschen Skiverband bestätigt worden.

Kurios: Der Job ist nur ein Ehrenamt. „Erstaunlich, weil das Umfeld professionell aufgestellt ist. Selbst die Technischen Delegierten sind ehrenamtlich tätig“, berichtet Stahlhut, der im „normalen Leben“ Diplom-Informatiker ist. Nach dem Abitur im Skiinternat in Willingen kam er nach Waldkappel. Dort lernte er seine Frau kennen, mit der er Anfang 2000 in ein Haus im Stadtteil Burghofen zog. Mittlerweile hat das Paar zwei erwachsene Kinder (18 und 20).

Insgesamt sechs Sprungrichter gibt es bei Olympia – unter anderem aus Finnland und Japan. Fünf davon bewerten die Sprünge im Bereich des Fluges, der Landung und des Ausfahrens. Ein Sprungrichter unterstützt die Materialkontrolle im Anlauf. Sieben Wettkämpfe gibt es bei Damen, Herren und den Nordischen Kombinierern. Bei sechs gibt Stahlhut sein Urteil ab.

Auf die Frage hin, ob das ein Karrierehöhepunkt ist, antwortet der Burghofener: „Ich glaube, die Antwort auf diese Frage ist rhetorischer Natur, oder? Klar sind diese Olympischen Spiele das Höchste, was man als Sportler oder auch als Funktionär erreichen kann.“ Wenngleich er die WM auf einem Level sieht und nicht geglaubt hatte, dass er das noch toppen könnte. Vor allem sei es für die Athleten das Größte. Deswegen geht Stahlhut seine Aufgabe auch sehr verantwortungsbewusst an. „Unter den Top Ten geht es eng zur Sache, da spielen wir Sprungrichter eine wichtige Rolle.“

Wer den Sieg des Deutschen Andreas Wellinger gesehen habe, der könne sich vorstellen, um was es ginge. „Das Gefühl war kaum zu beschreiben“, so Stahlhut. Natürlich muss er seine Landsmänner ganz neutral bewerten, selbst wenn er sich über den Sieg Wellingers gefreut hat. Übrigens: Die Weiten und Platzierungen der Springer erfahren sie oft als Letztes, um möglichst objektiv zu urteilen.

Begeistert ist Stahlhut auch von der perfekten Organisation der Olympischen Winterspiele. Einzig die späten Wettkampfzeiten und die eher mageren Zuschauerzahlen beim Springen findet er schade. „Das ist nicht mit Willingen, Oberstdorf oder Garmisch-Partenkirchen zu vergleichen.“ Seinen Traum, seinen Höhepunkt, sein Olympia lebt Stahlhut trotzdem gerne weiter aus – noch bis 23. Februar.

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