Ansprechpartner für Bürger vor Ort fällt weg

Keine Freiwilligen: Erstmals seit 50 Jahren kein Ortsbeirat in Waldkappel-Friemen

Die Kommunalwahl in Hessen im März rückt näher: Im Waldkappeler Stadtteil Friemen wird es künftig allerdings keinen Ortsvorsteher und Ortsbeirat geben.
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Die Kommunalwahl in Hessen im März rückt näher: Im Waldkappeler Stadtteil Friemen wird es künftig allerdings keinen Ortsvorsteher und Ortsbeirat geben.

Waldkappels Stadtteil Friemen zählt 85 Bürger – einen Ortsbeirat und einen Ortsvorsteher wird es in der kommenden Legislaturperiode bis März 2026 allerdings nicht mehr geben.

Waldkappel-Friemen - „Seit der Gebietsreform in Hessen im Jahr 1971, als Friemen zur Stadt Waldkappel hinzukam, hat es das nicht gegeben“, sagt die Gemeindewahlleiterin Ellen Graf. Friemen sei der einzige der 15 Waldkappeler Stadtteile, aus dem bis zum Verstreichen der Frist am 4. Januar keine Wahlvorschläge eingereicht worden seien.

Von Bedeutung ist das für die Friemener durchaus: Der Ortsbeirat ist auf kommunaler Ebene das Organ, welches die Interessen des Stadtteiles gegenüber der städtischen Verwaltung vertritt.

Er wird zu allen wichtigen Themen angehört, die den Ort betreffen – beispielsweise beim Entwurf des Haushaltsplanes. Darüber hinaus muss er sich sämtlichen Fragen stellen, die ihm vom Stadtparlament oder vom Magistrat vorgelegt werden.

Der Ansprechpartner vor Ort fällt künfig weg

Und welche Konsequenzen hat das nun für die Friemener Bürger? „Wenn die Bürger des Stadtteils ein Anliegen haben, müssen sie sich künftig direkt an die Stadt Waldkappel wenden. Der Ansprechpartner vor Ort fällt vollkommen weg“, sagt Gemeindewahlleiterin Ellen Graf. Eine nachträgliche Wahl sei für die kommende Legislaturperiode nicht mehr möglich.

Der nun scheidende Ortsvorsteher Harald Wetzel möchte aus Altersgründen und aufgrund seiner Selbstständigkeit nicht noch einmal antreten. Er bekleidete das Amt laut eigenem Bekunden vier Jahre und war selbst zwei Legislaturperioden Mitglied im Friemener Ortsbeirat. „Der alte Ortsbeirat hätte wohl weitergemacht, hätte sich ein Ortsvorsteher gefunden“, sagt Wetzel.

In Friemen hatte sich allerdings niemand gefunden, der diese Position habe übernehmen wollen. Auch zu einer öffentlich anberaumten Versammlung zur Aufstellung einer Wahlliste habe es niemand aus Friemen für nötig gehalten, zu erscheinen. Fünf Mitglieder hätte es für den Ortsbeirat gebraucht, der auch den Ortsvorsteher gewählt hätte.

„Zusammenhalt in der Gemeinde zerbricht ein bisschen“

Wetzel nimmt die künftige Situation nicht gleichgültig hin, im Gegenteil: „Dass es keine Bürgervertretung mehr vor Ort gibt, ist sehr schade, weil dadurch auch ein bisschen der Zusammenhalt in der Gemeinde zerbricht.“ Im Ortsbeirat werde gemeinschaftlich gearbeitet, Reparatur- oder Reinigungsarbeiten wie beim Freiwilligentag im Werra-Meißner-Kreis würden organisiert.

„Außerdem hat man sich intensiv ausgetauscht und über alle möglichen Neuigkeiten informiert. Jetzt verläuft dann alles im Nichts“, sagt Harald Wetzel.

Hätten sich neue Leute für die politischen Ämter gefunden, hätte das laut Wetzel auch die Gemeinde mit neuen Ideen vorangebracht. Es sei definitiv ein Nachteil, nun keinen Ansprechpartner mehr vor Ort zu haben. (mmo)

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