Treppen wie in Schloss Hogwarts

Altes Haus, neues Leben: Familie Eberth aus Schemmern bewohnt ein Fachwerkhaus voller Überraschungen

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reppen, Treppen, Treppen: Das alte Fachwerkhaus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts im Waldkappeler Ortsteil Schemmern wurde umgebaut und saniert. 

Lieber ein Haus im Bestand herrichten als neu zu bauen, das ist ein Trend. Wir stellen Häuser und deren Bewohner vor, die in alten Häusern leben, die saniert und verwandelt wurden, ohne ihren Charakter zu verlieren. Diesmal besuchen wir die Familie Eberth in Schemmern. 

Carlo ist der eigentliche Herrscher des Hauses. Dem kampfbereiten Kater ist nicht zu trauen, das tut nicht mal der zehnmal größere Jagdhund Janosch. Gemeinsame Sache machen die beiden nur, wenn sich ein Fuchs auf das Grundstück der Familie Eberth in Schemmern verirrt hat. Kater rechts, Hund links bewachen den Eindringling.

Irritierende Architektur

Das alte Fachwerkhaus, in dem die aus Hamburg zugezogene Familie seit 2009 lebt, hat etwas Verwunschenes. Und das liegt nicht nur an dem Hausgeist – eine ältere Dame mit festem Schuhwerk, die zuweilen nachts über den Dachboden trippelt, erzählt Edda Eberth – sondern an der irritierenden Architektur des Hauses. Für nicht bereits in ihren Wegen automatisierte Besucher des Hauses ist jeder Gang zur Toilette oder der Versuch, die Küche wieder zu erreichen, ein kleines Abenteuer. Zahllose Treppen führen in verschiedene Ebenen, alte und angebaute Reiche des Hauses. Wenig überrascht wäre man, wenn eine der Treppen, so wie in Harry Potters Zauberschulschloss Hogwarts, einfach mal die Richtung ändern würde, während man das Ziel schon vor Augen hat.

Der beste Platz ist immer in der Küche am großen Holztisch in der Wohnküche. Hier Carl-Heinz und Edda Eberth.

Durch eine Tür verlässt man den Raum, um dann überraschend in einem völlig anderen zu stranden. Auch kommen Menschen, die zu einer Tür hinausgingen, plötzlich zu einer anderen wieder rein. „Es ist perfekt zum Versteckspielen“, sagt Carl-Heinz Eberth. Tochter Carolin ist dem Alter aber gerade knapp entwachsen. „Eigentlich leben wir in einem Treppenhaus“, sagt Edda Eberth.

Das Fachwerkhaus wurde zirka Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut, das Stall- und Scheunengebäude erst in den 1930er-Jahren angebaut. Beinahe direkt vor dem Haus sprudelt auf dem Grundstück munter eine Quelle, deren Ablauf offen in die Schemmer mündet. Bis heute habe jeder Bürger das Recht hier Wasser zu holen, weiß Carl-Heinz Eberth. „Hat aber noch nie jemand gemacht.“

Verwandlung Ende der 1980er-Jahre 

Zwar wurde das einst landwirtschaftliche Gehöft von Generationen an Familien bewohnt, seine eigentliche Verwandlung vollzog sich aber ab Ende der 1980er-Jahre. Damals kauft der aus Düsseldorf stammende Günter Naujok den Hof und begann sich hier einen Lebenstraum zu erfüllen. „Er hat das Haus komplett umgestaltet, Zimmer für Zimmer“, erzählt Edda Eberth. Aus der Scheune wurde die große Wohnküche mit der voll verglasten Front, hinter der Carlo und Janosch das Gelände mit militärischer Strenge überwachen.

Die Lounge: Das große Wohnzimmer, das sich über zwei Ebenen erstreckt, ist der Lieblingsplatz von Carl-Heinz Eberth. 

Über der Küche, über irgendeine der geheimnisvollen Treppen zu erreichen, liegt ein riesiges Wohnzimmer mit Kamin und Empore. Der Raum ist einer der Lieblingsplätze von Carl-Heinz Eberth, der hier ungestört von Nörglern laut Musik hören kann.

Flure führen von dort wieder in den alten Teil des Hauses, wo die Dielen breit wie Schreibtische sind. Auch hier hat der Bauherr Günter Naujok es nicht an Raffinesse fehlen lassen. Highlights sind unter anderem das an der Decke starr an Stangen aufgehängte große Bett oder auch der komplette Baum samt Ästen (aber ohne Blätter), der quer durch das Badezimmer liegt.

Verbindung von Alt und Modern

Der alte Teil: Der ursprüngliche Eingang des Wohnhauses, der heute aber nicht mehr genutzt wird.

Das Alte hat Günter Naujok mit Stil und Feingefühl mit dem Modernen verknüpft und jedem Element seinen Raum in seiner Zeit gelassen. Auch dem Stöhnen und Ächzen, das jedem alten Haus zu eigen ist. „Hier gibt es schon viele Geräusche“, sagt Carl-Heinz Eberth, der nicht an den freundlichen Hausgeist glaubt, den seine Frau genau beschreiben kann. „Ich fürchte den Geist aber nicht“, sagt Edda Eberth. „Der meint es gut mit uns.“

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