Kinder aus der Waldkappeler Tagesstätte Rappelkiste erlernen Umgang mit Medien

Wie das Fernsehen trickst

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Kreativität und Fantasie ist gefragt: Theresa Ludwig (mitte) wurde verzaubert und wird von den Hasen Finn Marth (links) und Nils Koch unterstützt, zurück in ihr Leben als Meerjungfrau zu gelangen. Die Vorschüler haben sich die Geschichte selbst ausgedacht.

Waldkappel. Es ist ein bisschen wie beim Stoppessen. Wenn Eva Fahrenhold „Freeze“ ruft, verharren alle Kinder wie eingefroren in ihrer Position. In der Zwischenzeit werden die Hauptdarsteller des kleinen Films umgezogen, umgeschminkt und zurechtgemacht. Im fertig geschnittenen Film wirkt dieses Stilmittel wie ein Zaubertrick.

„Und bitte!“ In genau der gleichen Position spielen die Kinder ihre Rolle weiter. „Wir wollen den Kindern frühzeitig vermitteln, dass in Filmen nicht alles echt ist und viel getrickst wird“, sagt die Medienpädagogin Eva Fahrenhold.

Ene, mene, Medien – so lautet das Motto der Projektwoche im Kindergarten Rappelkiste in Waldkappel, die im Auftrag der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk (LPR Hessen) stattfindet und die Medienkompetenz der Vorschulkinder steigern soll. Dazu lernen die Kinder durch eigene Hand, wie Fernsehen gemacht wird.

27 Vorschüler in vier Gruppen haben jetzt das Spiel vor der Kamera erlebt. Dabei haben sie eigene Geschichten entwickelt, die sie mit Eva Fahrenhold und ihrem Team umsetzen. „Hier in Waldkappel haben wir einen außergewöhnlich kreativen Kindergarten vorgefunden“, hat Fahrenhold festgestellt. Sie kennt auch Einrichtungen, in denen bereits jeder zweite Vorschüler einen eigenen Fernseher im Zimmer besitzt. Manche Kinder würden schon morgens fernsehen. „Man merkt schnell, wenn Kinder viel vor dem Fernseher sitzen“, sagt die Leiterin der Rappelkiste Karla Csenar. Den Bewegungsmangel merke man den Kindern schnell an. Vor und nach dem Projekt wurden die Eltern der Kinder an jeweils einem Abend mit ins Boot geholt.

„Sich selbst im Fernsehen zu sehen, kommt bei den Kindern unheimlich gut an“, sagt Karla Csenar. Vom Drehbuch über die Kameraeinstellung bis zum Bühnenbild machen die Kinder alles selbst. Davon, dass die Kinder trotz ihres jungen Alters sehr wohl den Unterschied verstehen, ist Medienpädagogin Eva Fahrenhold überzeugt. Eine Erinnerung für spätere Jahre gibt es auf jeden Fall. Wer die Prüfung am Ende besteht, bekommt einen Kameraführerschein mit Passfoto. Die selbst gedrehten siebenminütigen Filme werden im Medienzentrum Werra-Meißner geschnitten und den Kindern anschließend als DVD überreicht.

Von Tobias Stück

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