Chronisten des 20. Jahrhunderts

Fotografenfamilie Eberth: Drei Generationen Zeitgeist

Grenzöffnung 1989 in Herleshausen: Kameramann Carl-Heinz Eberth gelingen Gänsehaut-Aufnahmen, die in die Geschichte eingehen.
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Grenzöffnung 1989 in Herleshausen: Kameramann Carl-Heinz Eberth gelingen Gänsehaut-Aufnahmen, die in die Geschichte eingehen.

Es gibt kaum eine Publikation zu unserer Region im 20. Jahrhundert, die ohne die Bilder der Eberths ausgekommen wäre. Wir porträtieren die Familie.

  • Die Fotografenfamilie Ebert leitet fast 100 Jahre ein Geschäft in Kassel
  • Drei Generationen widmeten sich in ihrer Fotografie der Region
  • Schätzungsweise 100.000 Fotografien sind 2006 an das Kasseler Stadtarchiv übergegangen

Fotografien sind aus der Zeit gefallen. Sie überdauern die Jahrhunderte und legen ein beeindruckendes Zeugnis davon ab, wie die Region, unsere Städte und Gemeinden, früher einmal ausgesehen haben. 

Historische Aufnahmen der Stadtkerne, ursprüngliche Szenen des Alltags, Ereignisse, die in die Geschichte eingegangen sind – es ist ein Verdienst der Fotografen der damaligen Zeit, dass wir uns noch heute ein Bild davon machen können.

Familienbetrieb: Fast 100 Jahre Fotografengeschäft

Vielen bekannt ist dabei der Name Eberth. Die Familie betrieb von 1906 bis 2007 ein Fotogeschäft an der Kasseler Hohenzollernstraße (heute: Friedrich-Ebert-Straße). GründerCarl Eberth (1882-1955) stammt aus dem Wehretaler Ortsteil Reichensachsen; eng verwurzelt ist die Familie bis heute mit Waldkappel.

Über Generationen hinweg waren die Mitglieder der Familie fotografische Chronisten einer bewegten Geschichte – im Fokus dabei die Stadt Kassel als langjähriger Arbeits- und Wohnort. 

Beispielloses Privatarchiv

Jedem, der sich auch heute mit den Aufnahmen Kassels beschäftigt, begegnet früher oder später dem Namen Eberth. „Eberth besitzt ein Privat-Bildarchiv, das ohne Beispiel ist“, schreibt die Zeitung Hessische Allgemeine bereits im Jahr 1976.

Kassel im Ersten Weltkrieg: Die Aufnahme Carl Eberths stammt aus dem Jahr 1914.

Die Nachfrage nach den Bildern war und ist entsprechend hoch. Das für die Dokumentation der Geschichte der Stadt einzigartige historische Bildarchiv des Fotohauses Carl Eberth ist 2006 von der Familie an das Stadtarchiv Kassel übergeben worden. 

„Erste Schätzungen nach Übernahme gingen von 100 000 Fotomotiven in Papier und Negativen aus“, schreibt Dr. Stephan Schwenke als Leiter des Stadtarchivs Kassel.

Carl Eberth widmete sich bereits früh der Bildreportage

Begründet hat die „FotografenfamilieCarl Eberth senior, genannt „der Hofphotograph“. Neben Porträtaufnahmen und den üblichen Aufträgen des Tagesgeschäfts begann Carl Eberth um 1906 mit einer zu dieser Zeit noch recht unüblichen Spezialisierung: Er widmete sich der Bildreportage, die zunehmend an Bedeutung gewann.

Immer mehr Zeitungen setzten nämlich jetzt fotografische Illustrationen ein. Diente ein halbes Jahrhundert zuvor noch die Xylographie (Holzstich) als Bildvorlage für Zeitungen und Zeitschriften, war es jetzt in zunehmendem Maße das fotografische Bild

Erstes Reportagethema widmete sich der Region

Sicher kam dieser Impuls zur dieser beruflichen Orientierung nicht von ungefähr: Sein Lehrmeister Oscar Tellgmann (Eschwege) war 1910 Mitbegründer des Verbands deutscher Illustrations-Photographen“.

Carl Eberths erstes Reportagethema galt daher der Region, den Dörfern und kleinen Städten, dem Alltag der Menschen und den Bräuchen im ländlichen Raum – ein Thema, dem er trotz zahlreicher weiterer Arbeitsfelder zeitlebens treu blieb. 

Szenen des Alltags, festgehalten von Carl Eberth: Wäschebleichen an der Fulda im Jahr 1935.

Seit 1910 durfte er sich „Hofphotograph“ nennen, eine Ehre, die ihm durch Kaiser Wilhelm II. zuteil wurde.

Sohn tritt in die Fußstapfen des Vaters

Sein ältester Sohn erhielt den Vornamen des Vaters: „Der wird einmal mein Nachfolger“ soll der Firmengründer schon früh überCarl Eberth junior (1910-1991) gesagt haben. Und nach dem Tod des Vaters war es Carl Eberth junior, der die Bildagentur erfolgreich durch die Jahrzehnte führte. 

Auch überregional gewann die Firma an Bedeutung: Sie belieferte zahlreiche illustrierte und bildjournalistische Arbeiten. Zu seinem 65. Geburtstag zeichnete ihn Kassels Oberbürgermeister Karl Branner im Jahr 1975 mit der Kasseler Stadtmedaille aus.

Enkel leitete das Geschäft in dritter Generation

Seit 1980 arbeitet sein Sohn Carl-Heinz im Betrieb mit und übernahm 1988 die Leitung, verlagert den Schwerpunkt seiner Arbeit aber aufFilm- und Videoproduktion. Im Jahr 2007, knapp ein Jahrhundert nach seiner Gründung, schließt Foto-Eberth.

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