Auge in Auge mit dem Wolf

Frau aus Eschwege sieht beim Austreten im Wald bei Stolzhausen den Wolf

Wurde nun schon zum zweiten Mal bei Waldkappel gesichtet: ein Wolf. Diesmal sah ihn eine Frau aus Eschwege nahe Stolzhausen. Foto: Oliver Berg/nh

Eigentlich wollte Martina Müller aus Eschwege am Mittwochnachmittag im Wald des Stölzinger Gebirges bei Stolzhausen nur kurz austreten. Doch was dann geschah, kam unerwartet.

Der Wolf ist 20 Meter vor mir langgelaufen“, erzählt sie.

Auf einer Erkundungstour mit dem Auto durch Waldkappels Stadtteile mit einer Freundin war ein Stopp auch Stolzhausen. „Im Wald spazieren gehen konnten wir gar nicht, es hat in Strömen geregnet“, erzählt Müller (Name von Red. geändert). Deswegen war sie nur kurz wegen des dringenden Bedürfnisses in den Wald gegangen.

Doch mittendrin passierte der Wolf ihr Blickfeld. „Er ging einfach vorbei und nahm mich gar nicht weiter zur Kenntnis, war aber auch alles andere als scheu. Denn wahrgenommen hat er mich durch Geräusche sicherlich“, berichtet die Eschwegerin. Sie ist sich sicher, dass es der Wolf war, den erst kürzlich auch Landwirt Andreas Brandau aus Schemmern gesehen hat (wir berichteten). „Er hatte graues Fell und war größer als ein Fuchs. Das passte vom Körperbau her nicht.“

Angst hatte Martina Müller bei ihrer überraschenden Begegnung nicht. „Aber ich war natürlich aufgeregt, den Wolf zu sehen. Mein Auto stand ein paar Meter weiter, da bin ich dann zügigen Schrittes hin zurückgegangen.“

Dass der Wolf, der sich in den Wäldern rund um Waldkappel herumtreibt, keinerlei Scheu hat, zeigte schon die Begegnung des Schemmeraners Andreas Brandau mit ihm. Rund zehn Minuten lange konnte der Landwirt den Wolf aus der Kabine seines Traktors heraus beobachten. Ihm gelangen sogar Filmaufnahmen mit dem Handy. Aktuell befindet eine Fachbehörde anhand des Videos darüber, ob es sich offiziell um einen Wolf handelt.

Doch der Verdacht liegt bei vielen Leuten nah, weil zuletzt auch über Kahlwild- und Schafsrisse in Nentershausen (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) berichtet wurde.

Helmut Herbort vom Regierungspräsidium Kassel rät dazu, das Hessisch Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) zu kontaktieren und sich den Verdacht bestätigen zu lassen. Er geht davon aus, dass Einzelgänger, die sich von ihrem Rudel getrennt haben, auf der Durchreise durch die Region sind.

Ängstlich war der Wolf in keinem der Fälle. Er lief weder vor der Frau in Stolzhausen weg noch vor dem lauten und hellen Traktor davon. Weitere Begegnungen mit Menschen sind gut möglich.

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