Frauen in Männerberufen: Die Technik fasziniert sie

Vicky Fräulein
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In ihrem Element: Vicky Fräulin mit einem Ausstellungsobjekt in ihrer Firma in Bischhausen. Dort arbeitet sie täglich Seite an Seite mit ihrem Vater zusammen als Geschäftsführerin. 

Klischees, was die vermeintlich geschlechtertypische Berufswahl angeht, sind hartnäckig. Wir zeigen Menschen, die sich davon freimachen. Jetzt: Vicky Fräulin, Chefin einer Haustechnik-Firma.

Bischhausen.  Für Vicky Fräulin (geborene Bommhardt) kam nie etwas anderes infrage, als den Haustechnik-Betrieb Bommhardt ihres Vaters Jörg in Bischhausen zu übernehmen. „Ich bin damit groß geworden und hatte schon als Kind immer Interesse an Technik und an dem, was mein Papa tut“, sagt sie.

Konkurrenzlos unter vier Schwestern 

Dazu kam noch der Umstand der nicht vorhandenen Konkurrenz. „Wir sind vier Schwestern und von den anderen hatte keine Ambitionen, die Firma für Heizung, Sanitär und Elektrik zu leiten“ erinnert sich Vicky Fräulin. Deshalb stellte sie früh die Weichen dafür. Ihr Abitur absolvierte sie im Technik-Zweig des Beruflichen Gymnasiums in Eschwege. Danach absolvierte die 30-Jährige ein duales Maschinenbau-Studium in Baden-Württemberg mit der Fachrichtung Versorgungstechnik und Energiemanagement. Bis zum Bachelor-Abschluss blieb sie an der Uni und arbeitete danach noch drei Jahre in einem Ingenieur-Büro an der Grenze zu unserem Nachbarland Schweiz.

2015 Betrieb übernommen 

„2015 habe ich den Betrieb in Bischhausen übernommen. Mein Vater arbeitet weiter mit mir zusammen und hat auch noch Prokura, wollte aber nach knapp 30 Jahren nicht mehr an vorderster Front stehen“, erinnert sich Tochter Vicky. Seither teilen sich die beiden Geschäftsführung, Büroarbeit, Angebotserstellung, Organisation, Berechnungen, Plannungen, Kundenberatung etc. – mit Fräulin an der Spitze.

Der Job ist eine Herzenangelegenheit 

Für sie ist ihr Job eine Herzensangelegenheit, sodass es nicht schwerfällt, sich für die über die 40-Stunden-Woche hinausgehende Tätigkeit zu motivieren. „Der Betrieb ist seit 90 Jahren in Familienhand, die Identifikation ist für mich sehr hoch. Und wir haben tolle zehn Mitarbeiter, die uns die nötige Bestätigung geben für das, was wir tun“, erzählt die Chefin.

Dass sie sich als Frau in einer vermeintlichen Männerdomäne etabliert hat, ist Vicky Fräulin zwar bewusst, hat für sie aber keine größere Bedeutung. „Man merkt es schon immer mal, wenn man bei Veranstaltungen oder im Großhandel die einzige Frau ist. Auch der ein oder andere Kunde wollte am Anfang meiner Zeit als Geschäftsführerin grundsätzlich meinen Vater sprechen, anstatt mit mir vorlieb zu nehmen. Aber mittlerweile hat sich das eingebürgert“, sagt die Mutter zwei kleiner Kinder (1 und 3).

Und selbst wenn es diese Momente noch gibt, in denen sie mal komisch angesehen wird, löst das keine Verunsicherung aus. „Für mich war ja immer klar, dass ich diesen Beruf ausüben möchte. Schon in der Schule und an der Uni war ich immer eine Frau unter vielen Männern. Aber für mich zählt nur, dass ich meinen Weg gegangenen bin und täglich das tue, was mir auch Spaß macht.“

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