Kastanienbaum

„Geschenk meines Patenonkels“: Rechtebachs Markenzeichen ist 100 Jahre alt

Stolz auf das dörfliche Markenzeichen: Der Historiker Karl Möller aus Rechtebach freut sich, dass der Kastanienbaum in 100 Jahren allen Witterungen standgehalten hat.
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Stolz auf das dörfliche Markenzeichen: Der Historiker Karl Möller aus Rechtebach freut sich, dass der Kastanienbaum in 100 Jahren allen Witterungen standgehalten hat.

Der wuchtige, fast ein Meter dicke Stamm und die vielen tragenden Äste lassen kurz hinter dem Ortsschild, von Waldkappel kommend, das Markenzeichen des kleinen Stadtteils Rechtebach erkennen.

Rechtebach – Der 1921 gepflanzte Kastanienbaum, der somit seit 100 Jahren den Ortseingang ziert, wirkt fast majestätisch und gewährt einer Elster ein Zuhause, die sich mit ihrem Nest gegenüber anderen Vögeln, darunter auch Raben, durchgesetzt hat.

Das Prachtstück entwickelte sich sehr zur Freude von Karl Möller, der 81-Jährige ist ein wandelndes Geschichtsbuch und im 80-Seelen-Dorf um die Historie bemüht.

„Die Idee der Pflanzaktion hatte vor 100 Jahren mein 1903 geborener Patenonkel, der äußerst umtriebig war und ebenfalls auf den Namen Karl Möller hörte“, erinnert sich der Historiker, der auch an einem Buch, das Autor und Dorfschullehrer Karl-Heinz Bintzer über Rechtebach verfasste, beim Zusammentragen der Daten entscheidend mitgewirkt hat.

„Meinen Onkel zog es nach der Konfirmation nach Eschwege, wo er zu einem Kreis von Ausleseschülern gehörte, die die Reife für den Lehrerberuf erwerben konnten und gleichzeitig das Orgelspiel erlernten. Unter der Woche war er bei einer ausgesuchten Familie in Logis, die in der Erziehung peinlichst genau auf seine sittsamen Wesensmerkmale geachtet hat.

Am Wochenende fuhr er dann mit dem Zug nach Waldkappel und marschierte auf Schusters Rappen vom Bahnhof aus heim zur Familie nach Rechtebach“, zwinkert Karl Möller mit den Augen, wenn er die Geschichte über seinen Paten zum Besten gibt.

Warum? „Weil die Idee dieser Pflanzaktion in Feierlaune geboren wurde, obwohl doch für ihn, den damals 18-Jährigen, eigentlich amüsante Feste tabu waren.“

Die Lerngruppe fand 1926 ihren Abschluss, Karl Möllers Onkel, der unter anderen auch in Rechtebach die Orgel spielte, zog es als Lehrer dorthin, wo Bedarf war, später fand er bis in die 1960er-Jahre eine Lehreranstellung im Kreis Frankenberg, weiß Karl Möller auch von der Pflege des Kastanienbaumes zu erzählen, war er doch selbst daran beteiligt.

„Wir haben auch jedes Jahr die Kastanien geerntet, Schmuck daraus gebastelt oder, trotz des bitteren Geschmacks, sie den Waidmännern zur Wildfütterung gegeben“, konstatiert Karl Möller. Sein Großvater habe wegen dieser bitteren Geschmacksnote immer zu sagen gepflegt: „Wenn er uns doch damals einen Nussbaum mitgebracht hätte, wären die Dorfjungen besser bedient gewesen.“

Von Harald Triller

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