WR-Serie: Die Kirche im Dorf lassen

Das Gotteshaus in Schemmern überragt den Ort 

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Thront über dem Ort: die Kirche in Schemmern, die in dieser Form 1642 samt Turm nach dem Dreißigjährigen Krieg wieder aufgebaut wurde. 

Schemmern. 85 Gotteshäuser der evangelischen Kirche gibt es im Verbreitungsgebiet der Werra-Rundschau – jede Kirche hat mindestens eine spannende Geschichte zu erzählen: Die Kirche in Schemmern wurde zweimal wieder aufgebaut.

„Wenn auch in Schemmern kein Kloster gebaut wird, so darf wohl anzunehmen sein, dass die Fuldaer Klosterbrüder anstelle einer Holzkapelle die alte Kirche auf dem Berg Schemmern gar bald errichten“, schrieb der ehemalige Pfarrer Wolff über die Entstehung der Kirche in dem Waldkappeler Stadtteil. Das haben Georg Gisselbach und Dr. Karl Kollmann 1991 für ein Buch recherchiert.

Sie sei ein schlichtes schmales Langhaus mit kleinenromanischen Fenstern und flacher Decke. „In der einfachsten Weise wurden die Mauern zwischen Bretterwänden in Schichten gelegt, mit Mörtel übergossen und überstrichen, was eine großartige Haltbarkeit ergibt“, führte Wolff aus. Er beschrieb das Gotteshaus auf dem ins Tal ragenden Berg durch den altertümlichen Turm „geradezu als wehrhaft“.

Diesen Charakter hat die Kirche in Schemmern bis heute nicht verloren. Sie ist noch der höchste Punkt im Ort und weithin zu sehen. Ein genauer Zeitpunkt der Gründung ist laut Gisselbach und Kollmann aber nicht bekannt. Wohl aber sei der Pfarrherr von Schemmern schon 1262 erwähnt worden.

1609 zerstörte ein Feuer einen Großteil der Kirche

Wurde vor Hunderten von Jahren aus Burghofen gespendete: die Kanzel.

1609 zerstörte ein Feuer die Bestandteile aus Holz der Kirche, der Helm des Turmes stürzte in das Innere und die Glocken schmolzen. „Sowohl die Kirche als auch der Turm wurden sofort wieder aufgebaut“, so Gisselbach und Kollmann. Auch im Dreißigjährigen Krieg legten Kroaten Feuer und versuchten Turm und Schiff zu sprengen, was aber nicht klappte. 1642 wurde die Kirche in ihrer heutigen Form wieder aufgebaut. Noch immer sind auf Holzbalken die Namen von Pfarrer Vogeley und seinen Mitstreitern zu lesen, die das geschafft haben.

Errichtet wurde ein rechteckiger unverputzter Steinbau. Gegenüber vom Turm liegt der Chorraum mit Kanzel (1642 von der Kirchengemeinde Burghofen gespendet), Altar, Pfarrstand und Stühlen für den Kirchenvorstand. Ex-Pfarrer Wolff schrieb noch über den Plan, die Kirche unter Pfarrer Conrad Riebeling 1880 bis 1886 zu renovieren. Einen Plan habe der königliche Baumeister Narten ausgearbeitet. „Da aber im Dorfe Nörgler immer genug sind, die alles besser wissen und fortgesetzt dem an sich schwächlichen Pfarrer Ärger auf Ärger bereiten, verleiden sie demselben den schönen Plan so, dass Riebeling die Kirche wieder ohne feierliche Einweihungen in Gebrauch nimmt, ehe viele andere offenstehende Schäden beseitigt sind“, so Wolff. Das betraf zum Beispiel Orgel, Turm, Emporen und Ofen. Erst 1900 wurde es besser.

Weitere Arbeiten fanden 1931 bis 1932 und 1963/64 statt. Neue Stühle und Heizung gab es Anfang der 70er-Jahre, kurz danach wurde die Kirchenmauer aufgemöbelt. Ab 1980 rückten bis heute regelmäßig Maurer, Dachdecker, Schreiner, Maler und Elektriker an. Das kostete.

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