„Ich hatte im Leben nur Glück“

Ein erfülltes Leben: Karl Theodor Marth aus Waldkappel wird heute 100 Jahre alt

Blickt auf ein langes Leben zurück: Karl Theodor Marth aus Eltmannsee, der heute seinen 100. Geburtstag feiert.
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Blickt auf ein langes Leben zurück: Karl Theodor Marth aus Eltmannsee, der heute seinen 100. Geburtstag feiert.

Es ist ein Alter, das nur sehr wenige erreichen: Karl Theodor Marth hat in seinen 100 Jahren viel erlebt. Er war Landwirt in der Region – und hat im Krieg gekämpft.

Waldkappel – „Ich hatte im Leben nur Glück“, sagt Karl Theodor Marth oft, wenn er mit seiner Familie auf die vergangenen nun 100 Jahre zurückblickt. Dass er für sie mit der Dankbarkeit und Zufriedenheit, die er sie spüren lässt, ein Wunder ist, steht für die Familie des Jubilars fest.

Geboren wurde er am 3. Oktober 1920 als einziges Kind von Elisabeth und Jakob Marth in Eltmannsee, verbrachte dort eine schöne Kindheit und Jugend. So erinnert er sich daran, wie er im Winter auf dem nahen See nicht nur mit seinen Freunden Schlittschuh laufen konnte, sondern aus einem ins Eis gerammten Pfahl, einem daraufgesetzten Wagenrad und einem daran befestigten Schlitten regelmäßig ein rasantes Karussell wurde.

Fünf Jahre lang war der 100-jährige Karl Theodor Marth im Krieg eingesetzt

Während er zu Fuß zur Schule nach Schemmern lief, kamen an den Sonntagabenden Menschen aus Eltmannsee und den benachbarten Orten in der nahegelegenen Wirtschaft zusammen. Sein Heimatort war es auch, in dem er seine spätere Ehefrau Martha Herwig kennenlernte, die in der Nachbarschaft lebte und mit der er während des Zweiten Weltkriegs über Briefe in Verbindung blieb. „Ich hab Glück gehabt“, weiß Karl Theodor Marth mit Blick auf diese Zeit.

Denn nachdem er Eltmannsee an seinem 20. Geburtstag hatte verlassen müssen und fünf Jahre lang im Krieg und dabei unter anderem in Russland war, kam er mit geschwollenen Knien zur Einheit, worauf er auf ärztliche Anweisung hin zurück nach Deutschland geschickt wurde, anstatt nach Stalingrad zu kommen. Am 1. Juni 1945 lief er vom Bahnhof in Bebra aus in seine Heimat zurück. Karl Theodor Marth, der in seiner Jugend zwei Jahre lang die Landwirtschaftsschule in Eschwege besucht hatte, übernahm als einziges Kind seiner Eltern deren Hof. Die Arbeit in der Landwirtschaft prägte fortan sein Leben, das seiner Ehefrau Martha, die er am 18. Mai 1946 heiratete, und das der drei Kinder.

Der 100-jährige Karl Theodor war als Ortslandwirt engagiert

Nach einer am ersten Hochzeitstag geborenen Tochter und dem 1951 geborenen Sohn, mit dem der Jubilar bis heute in Eltmannsee lebt, machte die zweite Tochter 1957 die Familie komplett, zu der inzwischen sieben Enkel und seit diesem Jahr zehn Urenkel gehören. Komplett neu aufbauen musste die Familie ihren Hof, nachdem dieser 1964 bis auf das Wohnhaus und einen geretteten Schlepper vollständig abbrannte. Landwirte aus Orten des gesamten Kreises unterstützten die Familie damals.

Neben dem Betreiben des Hofs mit seiner Frau, die in 2010 verstarb, war Karl Theodor Marth leidenschaftlich als Waldbauer tätig, engagierte sich als Ortslandwirt, im Kirchenvorstand, Ortsbeirat, dem Vorstand der VR-Bank und über 50 Jahre lang als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Während er bis vor Kurzem täglich Sudokus löste und regelmäßig Lotto spielt, interessiert sich der Jubilar bis heute für die Landwirtschaft, fuhr mit 95 Jahren noch Schlepper und lud Holz auf und ab.

Nach wie vor interessiert er sich für den Wald, verfolgt die Entwicklung und das Waldsterben mit großem Interesse und auch mit Traurigkeit.

Dass er vor allem im Bereich der Landwirtschaft eine große technische Entwicklung erlebt hat, weiß der 100-Jährige, der sich bis heute für diese interessiert und mit Blick auf die stetige Arbeit auf dem Hof mit einem Lächeln sagt: „Es war trotzdem eine schöne Zeit.“ (Von Eden Sophie Rimbach)

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