In der Kirche in Hasselbach stecken drei Orgeln in einer

Hasselbach – Lange Jahre hatte die Kirchengemeinde Hasselbach auf die dringend notwendige Kirchenrenovierung warten müssen. 2014 war es endlich so weit. Heizung, Läuteanlage, Belüftung – nicht nur des Kirchenraums, sondern auch des neuen Holzpodests unter den Kirchenbänken.

„Es wurde wirklich rundum an alles gedacht, um die kleine Kirche für die nächsten Jahre zukunftsfähig zu machen“, erinnert sich Pfarrer Rolf Hocke.

Dazu musste auch die Orgel Platz machen, damit auf der Empore neu verputzt und gestrichen werden konnte. Dass die dringend zu überholen war, war seit Langem klar. Doch die Lösung für das Problem, die schließlich gefunden wurde, war für alle Beteiligten eine Überraschung. Nachdem am zweiten Advent 2014 die frisch renovierte Kirche Hasselbach mit einem Festgottesdienst wieder in Betrieb genommen werden durfte, begann die Arbeit der Orgelbauer, die darin bestand, aus im Prinzip drei alten Orgeln eine neue zu bauen. „Die Orgelbaufirma Krawinkel aus Trendelburg hat das Kunststück hinbekommen“, sagt Hocke.

Im Einzelnen: Hasselbach hatte einmal vor langer Zeit eine Schmerbach-Orgel. „Schmerbach ist der Familienname einer deutschen Orgelbauerfamilie aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die, angefangen mit Conrad Schmerbach, in mindestens fünf Generationen in Nordhessen, dem Eichsfeld und Thüringen Orgeln schuf. Die Familie lebte und hatte ihre Werkstatt in Frieda bei Eschwege in Nordhessen“ , heißt es bei Wikipedia.

Der Witz bei diesem Zitat sei laut Hocke, dass die Orgel von Hasselbach dort gar nicht aufgeführt werde. „Es ist auch nicht klar, von welchen der fünf Generationen der Friedaer Schmerbachs sie gebaut worden ist, aber sie ist nachweislich eine Schmerbach-Orgel, das steht fest.

Erhalten geblieben von der ursprünglichen Schmerbach-Orgel ist nur der optisch sehr ansprechende, barocke Orgelprospekt“, so Hocke. Gemeint sei damit die Schokoladenseite des Instruments. „Wer einmal in eine Orgel hineinschauen konnte, wird sich gewundert haben, dass da im nicht sichtbaren Bereich Hunderte, bei großen Orgeln auch schon mal Tausende von Pfeifen versteckt sein können, die man nicht sieht“, erläutert Hocke.

Fachleute sind sich dem Pfarrer zufolge einig, dass von besagter Schokoladenseite in der Mitte oben ein Teil abgesägt worden sein muss, damit der Orgelprospekt überhaupt in die Kirche hineingepasst hat. „Deshalb wirkt sie auch heute noch so, als würde sie den Kopf einziehen“, so Hocke. Von den originalen Pfeifen (Hasselbach I) war nichts mehr erhalten und was an Pfeifen bis zur Renovierung in der Orgel gewesen war, wurde bei einem Gemeindefest versteigert. „Der Erinnerungswert war größer als der Materialwert, aber der Erlös der Aktion floss in die Orgelrenovierung ein.“

Von den ehemaligen Pfeifen (Hasselbach II) erklingt heute noch lediglich der ehemals seitlich angehängte Subbass aus Eichenholz, gebaut von der Hofgeismarer Orgelbaufirma Euler 1964. Allerdings stehen die Pfeifen heute hinter dem Instrument. „Das sieht deutlich besser aus, wirkt aufgeräumt“, meint Hocke. Das dritte Instrument, das hier Verwendung fand, war der Unterbau der Orgel aus dem evangelischen Gemeindehaus in Waldkappel, gebaut von der Niestetaler Orgelbaufirma Bosch, das von der Elektrik her dringend hätte überholt werden müssen, aber mit seinen Maßen exakt als Unterbau des Schmuckstücks auf der Orgelempore in Hasselbach passte. „Die Waldkappeler bekamen als Ersatz eine gebrauchte Kleinorgel aus Harleshausen – und Hasselbach hat seit November ein schönes, neues Instrument“, sagt Rolf Hocke.

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