Junger Turmfalke aus Kaminschacht in Waldkappel gerettet

Ein junger Mann hält den Turmfalken in seinen Händen, um ihn gleich am dachfenster wieder auszusetzen. 
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Endlich wieder oben: Daniel Wetterau, der zu Besuch in Waldkappel war, mit dem geretteten Turmfalken in der Turmstube, wo er ihn in die Freiheit entlässt. Foto: rolf Hocke/ nh

Ein junger Turmfalke, der im 20 Meter tiefen Kaminschacht der Waldkappeler Kirche  festsaß, konnte gerettet werden. jetzt jagd er wieder. 

Waldkappel. Als der junge Turmfalke am Sonntagvormittag wieder auf dem Rand eines Turmfensters der Waldkappeler Kirche hockte, schien sein Ausdruck zu sagen: „Was war denn das jetzt?“ So ganz konnte sich der kleine Raubvogel die Ereignisse der letzten beiden Tage nicht erklären, denn er hatte einen unfreiwilligen Ausflug in die dunkle Unterwelt des Waldkappeler Gotteshauses gemacht.

Am Samstag waren von Daniel Wetterau in der  Kirche merkwürdige Geräusche vernommen, deren Ursprung er nicht zuordnen konnte. „Da waren Geräusche ganz in der Nähe der Liederanzeigentafel, links vom Taufstein“, erzählt der Pfarrer. Und damit nahm eine dramatische Rettungsaktion ihren Anfang.

Nach Suche war klar: Der Falke saß im Schacht

Eine gründliche Recherche im Kirchenschiff ergab, dass ein junger Turmfalke in das Abgasrohr des Kamins gefallen war und aus dem Schacht nicht ohne Hilfe wieder herauskommen konnte. Der Durchmesser des Rohres ist viel zu gering, als dass der Falke hätte die Flügel ausbreiten können.

Früher wäre das vielleicht noch möglich gewesen, als der Kamin noch seine Maße von 1929 hatte. „Aber ob ein Turmfalke damals von so weit unten wieder zirka 20 Meter senkrecht nach oben hätte fliegen können, ist unwahrscheinlich. Ein Turmfalke ist schließlich keine Lerche“, sagt Hocke. Nun saß der Jungvogel in einem finsteren Loch fest, macht aber glücklicherweise Radau, anstatt sich mit seinem Schicksal abzufinden.

Wie der Pfarrer beschreibt, war schnell klar, wo der Vogel hockte: nämlich genau an der für den Schornsteinfeger angebrachten Kontrollklappe unter der Liederanzeigetafel. Doch als die Männer die Klappe zum zweiten Mal öffneten, um den Turmfalken zu bergen, war er plötzlich verschwunden, und zwar, wie sich schnell zeigte, nach unten. 

Zeit für nächtliche Selbstbefreiung 

Vor Schreck hatte der junge Vogel sich in das breite Rohr direkt vor der Brennkammer der Heizung geflüchtet. Sein Glück, dass die Heizung im Sommer nicht eingeschaltet ist. „Wir öffneten im Untergeschoss der Kirche – direkt unter dem Altar – die Kontrollklappe dieses Rohres im Heizraum“, berichtet Hocke. Dann wurde dem Vogel über Nacht Zeit gegeben, selbst aus dem Rohr zu spazieren. Sicherheitshalber blieb auch das Licht über Nacht in der Kirche an, damit der Kleine den Weg nach draußen in die Freiheit von selbst finden konnte. Am Sonntagmorgen gegen 8 Uhr endete die Rettungsaktion. Der Vogel hatte die Kirchenunterwelt bereits selbsttätig verlassen und konnte ins seine gewohnte Umgebung im Kirchturm, nahe des Zifferblatts der Kirchturmuhr, in die Freiheit entlassen werden. Wenig später saß der der Falke wieder auf dem Rand des Dachfensters im Kirchturm, als wolle er sagen: „War da was?“ Da war durchaus was gewesen. „Da waren Geräusche – und ein paar Ohren, die sie Gott sei Dank bemerkt haben“.

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