Kein Nachfolger zu finden: Letzter Waldkappeler Hausarzt schon im Rentenalter

Am Arbeitsplatz: Dr. Sven-Börje Kentner in einem Behandlungsraum. Die Praxis ist von der Stadt gemietet. Der 68-Jährige, der in Köln aufgewachsen ist und in Göttingen studiert hat, wohnt mit seiner Frau in Waldkappel. Seine zwei Kinder sind schon groß. Foto: Künemund

Waldkappel. Dr. Sven-Börje Kentner aus Waldkappel hat aufgegeben. Nicht seine Praxis. Sondern die Mission, einen Nachfolger für sich selbst zu finden. Ein Problem, denn ewig wird der letzte Hausarzt der Kommune – mittlerweile 68 Jahre alt und eigentlich längst im Rentenalter – nicht mehr praktizieren.

„Meine Patienten brauchen nicht in Panik ausbrechen. Ich höre nicht morgen, nächste Woche oder in drei Monaten auf“, erklärt Kentner, „doch ich würde mein Arbeitspensum schon gerne runterschrauben, um mehr von meinem Privatleben zu haben.“ Er geht seinem Beruf laut eigener Aussage immer noch gerne nach. „Die Menschen hier sind so dankbar und reizend. Ganz ohne die Arbeit als Arzt könnte ich gar nicht leben. Eine Sprechstunde hier hat etwas von Entertainment – es wird sehr viel gelacht“, berichtet der Mediziner.

Doch irgendwann werde der Tag kommen, an dem er nicht mehr in dem Ausmaß kann und will wie momentan. Ob nun aus psychischen oder physischen Gründen. „Ich suche seit Jahren nach einem Nachfolger, habe Anzeigen geschaltet, Werbekampagnen gestartet und dafür mittlerweile einen fast fünfstelligen Betrag investiert. Gebracht hat es nichts“, so Kentner.

Warum das so ist? Der Arzt vermutet, dass es an der Lage und am Geld liegt. So ganz erschließt es sich ihm aber nicht, warum junge Mediziner nicht aufs Land wollen. „Klar: Als niedergelassener Arzt in der Stadt verdient man besser, weil es dort deutlich mehr Privatpatienten gibt und die Vergütung dadurch steigt, aber auch hier gibt es ordentliches Geld“, sagt Kentner.

Wenn dies nun aber doch der Grund ist für die Ärztemisere auf dem Land, dann müsse die Kassenärztliche Vereinigung reagieren. „Wenn sie einfach als Ausgleich für die niedrigere Verdienstpauschale wegen mehr Kassenpatienten das Doppelte zahlen würden, hätten wir die Probleme nicht“, meint Kentner. Doch dies zu ändern und Anreize zu schaffen, sei schon vor vielen Jahren verpennt worden. „Es gibt ja auch kaum noch Studenten, die sich nicht als Facharzt spezialiseren.“

Ab und an habe es mal Interessenten gegeben. Zum Beispiel einen Assistenzarzt. Seine Frau war Lehrerin. „Als die Mittelstufe in Waldkappel geschlossen hat, war das Thema also durch“, erinnert sich Kentner. Trotzdem ist ihm nicht klar, warum gar keine Ärzte herkommen. „Mit einer eigenen Praxis ist man sein eigener Herr. Durch den zentralen ärztlichen Bereitschaftsdienst ist der Feierabend wirklich Feierabend. Was ich nicht verstehe, ist, wieso junge Mediziner stattdessen bei den auch nicht so guten Arbeitsbedingungen ein Angestelltenverhältnis in einer Klinik eingehen mit Schichtdiensten und dergleichen.“

Seit 37 Jahren ist Kentner nun Hausarzt in Waldkappel. Früher gab es mal vier, heute nur noch ihn in Gemeinschaftspraxis mit seiner Frau Christel Weyell. Doch auch die ist 58 Jahre alt. „Und ganz alleine kann sie den Aufwand nicht bewältigen“, erklärt Kentner. Gerne arbeitet er noch weiter, dann auch später unterstützend, sollte ein Nachfolger gefunden werden. Die jetzige Situation aber sei keine Dauerlösung.

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