War es ein Wolf?

Gutachter durfte nicht kommen: Keine DNA-Probe von gerissener Hirschkuh  genommen

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Grausiger Anblick: Der Kadaver der trächtigen Hirschkuh wurde am Freitagmorgen von einem Jäger im Stölzinger Gebirge nahe des Waldkappeler Ortsteiles Gehau entdeckt. 

Von dem am Freitag im Stölzinger Gebirge nahe des Waldkappeler Stadtteiles Gehau gefundenen Kadaver einer trächtigen Hirschkuh wurde keine Genprobe genommen. 

  • Nachrichten über Wölfe in Nordhessen reißen nicht ab
  • Tote Hirschkuh in Waldkappel im Werra-Meißner-Kreis bei Eschwege gefunden
  • Gutachter durfte keine Genprobe nehmen um zu klären, ob es sich um einen Wolfsriss handelt 

Ein Jäger aus der Gegend hatte das Tier entdeckt, dem das ungeborene Kalb aus dem Leib gerissen worden war, und hatte daraufhin den gelisteten Wolfsgutachter Gerhard Becker informiert. Der Jäger vermutete anhand des Rissbildes, dass es sich um einen Wolf  handeln könnte.

Der Gutachter allerdings durfte auf Anweisung seines Dienstherren, der Oberen Naturschutzbehörde, nicht ausrücken, um eine Probe von dem Tier zu nehmen.

„Dieser Fall hatte für das Wolfsmonotoring nur geringe Aussicht auf eine erfolgreiche DNA-Entnahme“, sagte Reinhard Rust vom Regierungspräsidium auf Anfrage unserer Zeitung. Er erwarte von den ehrenamtlich tätigen Gutachtern, dass sie sich mit ihm absprechen, wenn es einen Verdachtsfall gibt.

Wolf in Nordhessen: Indiz des Kehlbisses in diesem Fall nicht gegeben

„Wir müssen aus der Entfernung immer abschätzen, ob es sich tatsächlich um einen Wolfsriss handeln könnte“, sagte Rust. Wichtigstes Indiz sei der Kehlbiss, der auch hier nicht gegeben gewesen sei, was aber einen Wolfsriss nicht gänzlich ausschließe.

Rust weist die Vorwürfe, die immer wieder von Jägern und Nutztierhaltern erhoben werden, zurück, dass die Behörden die Zahl der bestätigten Wolfsrisse klein halten wolle. „Auf unserer Seite besteht weder Interesse an einem bestimmten Ergebnis noch unterliegen wir einer Ideologie in unserer Arbeit.“

Wolf in Nordhessen: Fälle an Wolfsrissen nehmen zu 

Er bestätigt, dass die Fälle an Wolfsrissen in Hessen zunehmen. „Wir haben einige wenige Tiere, von denen wir bisher nicht wissen, ob sie sesshaft sind, und wir haben wandernde Wölfe, die möglicherweise nur durchziehen“, sagt Rust.

Hier sei ein guter Herdenschutz wichtig. „Wir haben viel zu viele ungeschützte Nutztiere“, sagte er. Die Rechtslage bei möglicherweise wachsenden Wolfspopulationen könne sich auch ändern.

„Sollte es tatsächlich zur Gefährdung von Mensch oder Tier kommen, wird es auch Möglichkeiten zur Entnahme geben“, so Rust. In den vergangenen 20 Jahren habe es keinen Angriff auf Menschen gegeben.

Wolf in Nordhessen und Deutschland: Das ist ein Wolfsterritorium

In Hessen gibt es aktuell ein Wolfsterritorium. Bei Ulrichstein im Vogelsberg ist eine Wölfin nachweislich resident geworden. Im benachbarten Niedersachsen gibt es 30 Territorien, deutschlandweit sind es 144. Im vergangenen Jahr streiften nach Angabe des HLNUG (Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie) mindestens acht unterschiedliche, genetisch registrierte Wanderwölfe durch Hessen.

Wölfe sind vor zirka 20 Jahren nach Deutschland zurückgekehrt. Die meisten von ihnen leben in Ostdeutschland in den Bundesländern Sachsen und Brandenburg.

Ob das selteneKalb in Rotenburg wirklich von einem Wolf gerissen wurde, kann auch die DNA-Analyse nicht eindeutig klären.

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