Alte Tradition: Kleine Nikoläuse ziehen durch die Straßen und reimen für Süßigkeiten

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Die vier Freunde Anna, Karl, Tom und Henrik aus Schemmern und Burghofen werden heute mit Anbruch der Dunkelheit von Tür zu Tür marschieren, Weihnachtslieder, Gedichte und Reime aufsagen und zur Belohnung Süßigkeiten und Obst abstauben.

Als Nikolaus am 6. Dezember von Tür zu Tür zu ziehen, ist bei Kindern in Vergessenheit geraten. Im Waldkappeler Stadtteil  Schemmern wird die Tradition aufrecht erhalten. 

Die lange Wartezeit bis Weihnachten ist am heutigen Nikolaustag vor allem für Kinder fast vergessen. Bereits morgens bekamen artige Kinder mit selbst geputzten und vor die Tür gestellten Schuhen vom Nikolaus Süßigkeiten und kleine Geschenke. Am Abend folgt der große Auftritt: Verkleidet als Nikoläuse mit roten Mützen, weißen Bärten und bepackt mit Säcken ziehen die Kinder traditionell um die Häuser. 

Tradition auf den Dörfern

Auf den kleinen Dörfern gehört es zum Nikolaustag dazu, dass sich Kinder und Jugendliche als Nikolaus verkleiden und ab Einbruch der Dunkelheit zusammen um die Häuser ziehen, um in der Nachbarschaft Süßigkeiten, Nüsse und Obst zu sammeln. Mit einer roten Zipfelmütze, einem weißen Bart und einem großen Sack in der Hand kann es losgehen. Als Gegenleistung zu den Gaben wird ein Lied, Gedicht oder Vers vorgetragen. „Holler boller Rumpelsack, Nikolaus trägt sie huckepack, Weihnachtsnüsse gelb und braun, runzlig punzlig anzuschaun...“. Die Zwillinge Anna und Karl, sowie ihr großer Bruder Tom aus Schemmern und sein Freund Hendrik aus Burghofen werden heute Abend ähnlich durch die Straßen in Schemmern ziehen. 

Nikolaus international

Doch nicht nur Deutschland feiert am 6. Dezember den Nikolaustag: In Brasilien fliegt „Papa Noel“ per Helikopter ins Maracana-Stadion in Rio de Janeiro ein. Rund 200 000 Menschen erwarten ihn dort. Mit seiner Ankunft beginnt die Weihnachtszeit und ein Showprogramm.

 Eine gruselige Angelegenheit ist der Nikolausabend in Österreich. Da kommt der Heilige in Begleitung von düsteren Gesellen. Sie heißen „Krampus“, ziehen durch die Straßen, fegen Dreck aus den Häusern und machen Jagd auf unartige Kinder. Da können sich die Kinder in Deutschland froh schätzen, dass sie sich nur hüten müssen vor den schrecklichen Bauchschmerzen nach der ganzen gesammelten Schokolade und den Süßigkeiten aus dem eigenen Sack.

Wer war dieser Nikolaus eigentlich?

Er lebte im frühen 4. Jahrhundert in der Türkei, war sehr hilfsbereit, menschenfreundlich, weshalb man ihn heilig sprach, er starb am 6. Dezember und hieß Nikolaus von Myra. Noch heute wird der Todestag des Heiligen mit einigen Traditionen gefeiert, allerdings wird in der Regel nicht mehr an den Heiligen gedacht. Vielmehr steht am Nikolaustag das Beschenken im Vordergrund. Diese Tradition des Beschenkens geht auf eine Legende zurück. Demnach soll Nikolaus drei arme Jungfrauen vor einem Leben auf der Straße bewahrt haben, indem er ihnen Geschenke zuwarf. Dank dieser Gabe hatten die beiden eine Mitgift und konnten standesgemäß verheiratet werden. Viele Kinder werden heute Morgen mit freudiger Erwartung erwacht sein: Was hat der Nikolaus wohl über Nacht in meinen Stiefel gesteckt? Oder sie hatten Angst vor seinem Gefährten Knecht Ruprecht in Erinnerung an die letzte Ungezogenheit oder einen frechen Streich. Knecht Ruprecht soll den bösen Gegenspieler des Geschenkgebers verkörpern und im Gegensatz zum Nikolaus die Aufgabe haben, unartige Kinder zu bestrafen. Dabei hat er Legenden nach eine Rute mit im Gepäck.

Von Carolin Eberth

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