Kraniche in Gefahr: Initiative protestiert weiter gegen Windpark im Stölzinger Gebirge

Unterwegs in den Süden: ein Kranichzug in der Region. Foto: Wern er/nh

Waldkappel/Sontra. Momentan ziehen circa 100 000 Kraniche auf ihrem Weg in den Süden über die Landkreise Werra-Meißner, Schwalm-Eder und Hersfeld-Rotenburg hinweg. Dr. Jörg Brauneis von der Bürgerinitiative zur Rettung des Stölzinger Gebirges bei Waldkappel warnt davor, dass viele der Tiere durch die Errichtung des dort geplanten Windparks getötet werden könnten.

Dies sei bei Anlagen nahe Sontra schon beobachten worden, sagt Brauneis.

Die Kraniche treffen Brauneis Angaben zufolge in Nordhessen von Brandenburg über den Elbe-Saale-Winkel kommend erstmals auf die Mittelgebirgsschwelle. „Dabei versuchen sie zunächst, den Fluss- und Bachtälern von Werra, Wehre und Sontra zu folgen. Denn im Herbst fliegen erstmals die Jungvögel dieses Jahres mit, die noch keine sehr guten Flieger sind und Mühe haben, die kräftezehrenden Steigungen an den hessischen Waldbergen zu überwinden.“

Daher könne man im Stölzinger Gebirge, aber auch im Seulingswald, immer wieder extrem tief fliegende Formationen beobachten. Es erwecke fast den Eindruck, die Vögel berührten mit ihren Flügeln die Baumwipfel. „Auch dichter Nebel und Gegenwind aus Südwesten drücken die ziehenden Kraniche nach unten“, so Dr. Jörg Brauneis. Durch die Errichtung von bis zu 250 Meter weit in den Himmel ragenden Windkraftanlagen auf den waldbedeckten Kammlagen der hessischen Mittelgebirge drohe den Kranichen jetzt eine neue Gefahr. „Die Tiere meiden die für sie so gefährlichen Windkraftanlagen leider nicht weiträumig. Auch können sie diese bei schlechter Sicht gar nicht rechtzeitig erkennen und werden, wenn sie in den Bereich der Rotoren geraten, wie viele andere Zugvögel auch, von diesen schwer verletzt oder getötet“, warnt Brauneis.

Vor vier Jahren sei in der Nähe der Windkraftanlagen bei Sontra-Diemerode ein Jungkranich gefunden worden, dem ein Flügel teilweise amputiert wurde. „Dem Tier gelang es, sich in einem flatternden Gleitflug auf den Boden retten, es musste aber später getötet werden, da die schwere Verletzung nicht mehr ausheilen konnte.“

Dies alles zeige deutlich, dass die auf den bewaldeten Mittelgebirgshöhen Hessens errichteten Windenergieanlagen eine ständige Bedrohung für die Zugvögel seien. Windenergieanlagen sollten in den Höhenlagen der hessischen Wälder nicht errichtet werden. Die Bürgerinitiative zur Rettung des Stölzinger Gebirges hat daher die Ausweisung eines Vogelschutzgebietes im Stölzinger Gebirge beantragt.

Die Baugenehmigung erwarten die Investoren indes für Mitte 2018. Ab September soll dann gebaut werden.

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