Kreisarchiv jetzt in ehemaliger Schule in Waldkappel 

Kreisarchiv in Waldkappel 
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Kümmert sich momentan um die Akten in den speziellen Kartons: Stephanie Aderhold, hier mit einer alten Bibel aus dem Kreiskirchenarchiv. Archivarin Julia Beckert kommt im Sommer aus der Elternzeit zurück. Florian Künemund

Das Archiv des Landkreises und des Kreiskirchenamtes sind in die ehemalige Realschule nach Waldkappel umgezogen.

Waldkappel. Der Biologieraum ist nun ein Archiv ohne Fenster, das Lehrerzimmer ein Büro, die Toiletten ein Lagerraum. In der 2008 geschlossenen Haupt- und Realschule Waldkappel entsteht aktuell das neue Archiv der Kreisverwaltung Werra-Meißner. Wir haben uns dort umgesehen.

Kein Platz mehr in Eschwege 

Grund für diese Entscheidung war ursprünglich, dass das Staatsarchiv in Marburg keine Kapazitäten mehr für die sogenannte Endarchivierung von Unterlagen der Kreisverwaltung hatte, wie Pressesprecher Jörg Klinge mitteilt. Hier geht es um Schriftstücke, deren gesetzliche Aufbewahrungsfrist, die zwischen zehn und 30 Jahren liegt, abgelaufen ist. „Danach wird entschieden, was aufbewahrt werden soll und was vernichtet wird“, so Klinge.

Dachbodenlösung verschlingt Zeit 

Die Zwischenlagerung während der vorgegebenen Dauer erfolgte bislang in den Gebäuden der Kreisverwaltung in Eschwege – im Keller oder auf dem Dachboden bunt gemischt. „Das ist natürlich auch nicht optimal. Mitarbeiter müssen sich bei Bedarf alte Akten selbst heraussuchen, dafür teils weite Fußwege in andere Gebäude zurücklegen und sie am Ende wieder zurückringen. Das verschlingt erstens unnötig Zeit und zweitens kostet uns die Lagerung in Eschwege wichtigen Platz für Arbeitsplätze“, erklärt Klinge.

Deswegen entschied sich der Kreis dazu, ein Archiv aufzubauen. „Die Schule in Waldkappel hat sich dafür angeboten, die Bausubstanz ist gut und das Gebäude war seit Anfang 2017 ungenutzt. Damals war noch mal vorübergehend die Grundschule hier wegen der Sanierung ihrer eigenen Räume untergebracht“, erinnert sich Klinge.

690.000 Euro investiert 

Investiert werden musste natürlich trotzdem: Elektroleitungen wurden neu gelegt, Fenster geschlossen, um Dokumente vor Sonne und Hitze zu schützen, und ein Fahrstuhl für Barrierefreiheit eingebaut. Darüber hinaus gab es weitere Renovierungsarbeiten, sodass insgesamt 690 000 Euro in einem ersten Bauabschnitt geflossen sind. Im Sommer soll das Archiv dann fertig und für die Recherche zugänglich sein.

Ab dann werden, so die Ausführungen Klinges, sukzessive die Akten aus den Zwischenarchiven der Kreisverwaltung in Eschwege nach Waldkappel gebracht und elektronisch erfasst. „Über die Signatur können die dann bei Bedarf von den Archiv-Mitarbeiterinnen schnell rausgesucht, eingescannt und Kollege zugemailt werden.“ 

Nach der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist wird entschieden, was auf Dauer in das sogenannte Endarchiv kommt. „Bei Arbeitslosengeld-Anträgen beispielsweise, die eigentlich immer gleich sind, werden nur stichprobenweise zwei Prozent weiter gelagert. Geht es um Dokumente vom Bauamt, die auch in 100 Jahren noch im Einzelfall wegen Statikberechnungen von Bedeutung sein könnten, kommen diese ins Endarchiv. Darüber hinaus gilt das natürlich auch für Schriftstücke, die von heimatgeschichtlicher Relevanz sind“, erklärt Klinge.

Kreiskirchenarchiv auch in Waldkappel 

Übrigens: Das Kreiskirchenarchiv wurde ebenfalls in die Schule verlegt. Für Hobby-Historiker oder Kommunen besteht die gleiche Möglichkeit, sich dem Archiv anzuschließen. „Wir haben den Platz dafür und wollen die Kapazitäten natürlich gerne auch nutzen“, bilanziert Klinge abschließend.

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