Waldkappel: Pfarrer Rolf Hocke arbeitet seit Jahrzehnten an einer Sammlung indischer Kirchenlieder

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Singen für Forschungszwecke: Diese Dorfbewohner sangen ein Kirchenlied vor, das Rolf Hocke in seine Sammlung für eine indische Universität verarbeitet. Die Darbietungen hat er in Videos festgehalten.

Waldkappel – Pfarrer Rolf Hocke aus Waldkappel ist ein experte in indischer Kirchenmusik und engagiert sich für eine Sammlung.

Dass sich ein Pfarrer aus Deutschland mit Kirchenmusik auskennt und beschäftigt – normal. Dass ein Pfarrer gerne in Indien weilt – nicht gewöhnlich, aber auch nicht der Rede wert. 

Dass ein Pfarrer Experte in indischer Kirchenmusik ist, gar seit 35 Jahren an ihrer Entstehung regelmäßig vor Ort forscht und an einer Sammlung für universitäre Zwecke in dem asiatischen Land arbeitet – das darf als außergewöhnlich bezeichnet werden. Wir sprachen mit Waldkappels Pfarrer Rolf Hocke über sein Engagement.

Leidenschaft für Kirchenmusik seit der Jugend

Ein grundlegendes Interesse an Musik und Kirchenmusik habe er schon seit seiner Schulzeit. So sei er auch zur Theologie gekommen. Mit Indien kam er bereits vor eben mehr als 30 Jahren in Berührung, über eine Partnerschaft seines Kirchenbezirks mit einem solchen in Südindien. In den 90er-Jahren arbeitete Hocke mit an einer fünfsprachigen Liedersammlung fürs 50-jährige Bestehen der christlichen Kirche Südindien.

Lebt für die Musik: Rolf Hocke am Flügel.

Später wurde er dann gefragt, ob er für die Pfarrerausbildung am Karnataka Theological College in der indischen Stadt Mangaluru eine Sammlung indischer Kirchenmusik in Muttersprache und mit Noten anfertigen kann. Daran arbeitet er seitdem. „Das ist nicht so einfach, weil die Melodien fast in jedem kleinen Ort unterschiedlich gesungen werden. Niemand kann Noten lesen, das Wissen wurde einfachen Leuten von höher gestellten Menschen oft nicht zugänglich gemacht“, erklärt Hocke.

So hat er es sich zur Aufgabe gemacht, durch Indien zu reisen, Kirchen und Gemeinden zu besuchen, um sich dort die Lieder vorsingen zu lassen. „Ich war dann mal in einem kleinen Dorf und wurde mit allen Bewohnern im Bus zur Kirche gefahren. Da lernt man die Kultur schon intensiv kennen, das sind tolle Erfahrungen.“ In manchen Orten trällert einer das Lied zum Beispiel mit einer Filmmelodie vor, die Gemeinde singt es nach. „Eine ,richtige’ Fassung gibt es gar nicht, schön klingt das meistens auch nicht, aber urig und kreativ“, sagt Hocke.

Eine Gesangbuch-App gibt es bereits

Er schreibt die Noten auf und den Text in der betreffenden indischen Sprache Kannada (Anm.: In ganz Indien gibt es über 100 Sprachen). Inder aus Fritzlar lesen Korrektur. Drei Ordner sind schon gesammelt, als Buch in Gänze sollen die irgendwann gefasst werden. Auch eine Gesangbuch-App gibt es. „Ich habe noch ein paar Jahre bis zum Ruhestand, da will ich das dann zu Ende führen. Einzelne Melodien können aber natürlich schon jetzt von der Uni angefordert werden“, so Hocke, der in bislang zehn Indien-Aufenthalten auch die Sprache intensiv gelernt hat.

Aber wieso das alles? „Es macht mir Spaß, das Wissen für die Menschen dort einzuholen. Und als Mann von außerhalb stelle ich einfach die richtigen Fragen.“

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