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Lothar Rehbein: Waldkappeler der alten Schule

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Von: Harald Triller

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Vor seinem großen Hobby: Lothar Rehbein pflegt seit dem Eintritt in den Ruhestand seine Modelleisenbahn, die ihm nach Stress viel Ruhe beschert.
Vor seinem großen Hobby: Lothar Rehbein pflegt seit dem Eintritt in den Ruhestand seine Modelleisenbahn, die ihm nach Stress viel Ruhe beschert. © Harald Triller

PORTRÄT: Lothar Rehbein ist mit 68 Jahren Triebfeder im Vereinsleben der Stadt Waldkappel.

Waldkappel – Die Modelleisenbahnen drehen ihre Runden durch die von Lothar Rehbein wunderschön angelegten Landschaften, die er auf einer knapp sieben Quadratmeter großen Holzplatte installiert hat. Es ist sein unbezahlbares Hobby, das ihm speziell nach stressigen Tagen im Vereinsleben von Waldkappel beruhigenden Ausgleich beschert.

„Ja, es ist ein Ort, an dem ich viele Stunden verbringe, um einerseits gedanklich auszuspannen, aber andererseits bin ich auch ständig damit beschäftigt, meine Trix-Express-Anlage weiter auszubauen“, so Lothar Rehbein, der nicht nur zu den Gründern des Geschichtsvereins in Waldkappel gehört und dort die vielen gesammelten Exponate pflegt, sondern auch in seinem Haus zieren unschätzbare ideelle Werte in Form von alten Bildern mit historischen Hintergründen die Wände.

Der Lebensretter

Lothar Rehbein ist ein waschechter Uhlenfänger, der 1954 in Waldkappel geboren wurde. Er ist dort zur Schule gegangen, lernte dort den Beruf des Kfz-Mechanikers und erwarb den Meisterbrief während seiner achtjährigen Bundeswehrzeit. Danach zog es ihn zum Lichtenauer Bohrunternehmen Angers & Söhne, wo er 1988 beim Grubenunglück von Stolzenbach bei Borken zum Rettungstrupp gehörte. „Wir waren alle voller Freude, dass wir die sechs Bergmänner lebend geborgen haben“, erinnert sich der heute 68-Jährige an das dramatische Ereignis. Von 1998 bis zur Rente war er dann bei der Stadt Waldkappel beschäftigt.

Lothar Rehbein darf sprichwörtlich als Waldkappeler der alten Schule bezeichnet werden, weil sein ehrenamtliches Wirken allseits anerkannt wird. 1997 hat er, wie beschrieben, den Geschichtsverein mitgegründet: „Wir haben uns bereits seit 1990 in größeren Zeitabständen – ungezwungen, aber regelmäßig – mit einigen Männern getroffen und an der Idee gebastelt, als Geschichtsverein ein Heimatmuseum einzurichten, um die vielen historischen Schätze zu erhalten. Antreiber war unser damaliger Bürgermeister Huth“, erklärt Rehbein, dass er nach zwei Jahren als zweiter Vorsitzender 2018 das Amt des Vorsitzenden übernahm.

Räumung für Arzthaus

„Wir hätten natürlich das Domizil unseres Heimatmuseums nicht verlassen müssen, aber vor dem Hintergrund, dass das Gebäude als Arzthaus umgestaltet werden soll, konnten wir uns im Sinne der Bürger nicht verschließen“, sagt der Vorsitzende, dass auch die Pandemie die Aktivitäten des Geschichtsvereins gewaltig gebremst hat und auch die Mitgliederzahl von 50 auf 30 geschrumpft ist. „Dazu kommt noch, dass mein engagierter zweiter Vorsitzender Peter Haunschick Waldkappel verlässt. So hoffe ich, dass wir vielleicht bei der Jahreshauptversammlung unseren Kulturexperten Maximilian Balken gewinnen können.“

49 Jahre Feuerwehr

Lothar Rehbein ist auch ein Feuerwehrmann vom Scheitel bis zur Sohle, war 49 Jahre lang, von 1970 bis 2019, ein Eckpfeiler, stand davon 13 Jahre als Zugführer des Katastrophenschutzlöschzuges aller Waldkappeler Brandschützer in der Verantwortung. Auch die legitime Verlängerung der Aktivenzeit bis zum 65. Lebensjahr wurde ihm zuteil, nicht zuletzt wegen der Führerscheine, die ihn berechtigten, alle Fahrzeuge zu steuern.

„Und bis zu meinem 70. Geburtstag bleibe ich noch als Kampfrichter bei den Feuerwehrwettkämpfen im Amt“, geht Lothar Rehbein auf zwei Dinge besonders ein: „Eine schlimme Zeit war von 1990 bis 2000, weil wir nach der Grenzöffnung permanent zu furchtbaren Unfällen auf die B7 ausrücken mussten“. Der 68-Jährige kann aber auch eine lustige Anekdote einstreuen: Wer als Erster die Jahreshauptversammlung verlassen habe, der sah sich einem Streich ausgesetzt: „Bei mir haben sie das Bundeswehr-Wachhäuschen vor meiner Haustür, das ich von meinem Stammtisch zum 50. Geburtstag geschenkt bekommen habe, mit Toilettenpapier umwickelt. Und beim Entsorgen musste ich auch noch eine Kiste Bier spendieren“, schmunzelt Lothar Rehbein, der sehr gerne mit Kumpel Horst Haberland große Radtouren unternimmt.

Feiern mit Partnern

Als Fußballer beim TSV Waldkappel kann er voller Stolz auf den ersten Meistertitel auf Kleinfeld blicken. „An meiner Seite stand bei der Kreispremiere der spätere Zweitbundesligaspieler Horst Prantschke. Er ist ein feiner Kerl geblieben“, schwärmt Rehbein, der bis 48 beim Altherrenteam aktiv war. Auch der „Europäischen Vereinigung Waldkappel“ gehört er an. „Die Pandemie stoppte die Feier 50 Jahre Partnerschaft mit Carhaix in Frankreich und Hazerswoude in Holland, die wir nun vom 25. bis 27. August nachholen wollen“, schwenkt er zu den Stammtischsängern.

Diesem Verein gehört Lothar Rehbein zwar nur passiv an, aber, wenn Arbeit nötig ist, lässt er sich nicht zweimal bitten: „Beim traditionellen Aufstellen des Maibaums oder beim Fällen bin ich aktiv dabei, auch beim Weihnachtskonzert unterstütze ich die Sänger am Grill oder bei der Bewirtung der Gäste“, geht er abschließend noch auf ein Ereignis ein, das sein Leben bestimmen sollte.

Dank an die Ehefrau

„Rund ums Maibaumfest habe ich meine Ehefrau Petra kennen und später lieben gelernt“, nutzt der Vater eines Sohnes das Forum, um sich bei ihr für die stete Unterstützung zu bedanken: „Gerade bei dem vielen Schriftkram, der mich Zeit meines Lebens gefordert hat, stand sie mir tatkräftig zur Seite.“ (Harald Triller)

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