Herzinfarkt mit Anfang 30

Manuel Ebel ist froh über seine zweite Chance im Leben

Froh über seinen „zweiten Geburtstag“: Manuel Ebel aus Burghofen.
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Froh über seinen „zweiten Geburtstag“: Manuel Ebel aus Burghofen.

Den 28. März 2015 wird Manuel Ebel aus dem Waldkappeler Stadtteil Burghofen wohl bis an sein Lebensende nicht vergessen: Mit gerade einmal Anfang 30 erlitt der bis dahin kerngesunde zweifache Vater einen Herzinfarkt.

Waldkappel - Dabei lief der Frühlingstag für den Fußballer eigentlich perfekt: „Wir hatten mit der zweiten Mannschaft des TSV Waldkappel ein Serienspiel gegen den SV Hasselbach. Es war schönes Wetter, wir haben 4:2 gewonnen, ich habe zwei Tore geschossen und mich blendend gefühlt“, sagt der heute 39-Jährige.

Als Ebel allerdings nach dem Duschen im Vereinsheim in Waldkappel zur Ruhe kommt, klagte er von jetzt auf gleich über extreme Brustschmerzen und ein beklemmendes Engegefühl. „Im Vereinsheim waren aber glücklicherweise mehrere Leute, die sofort reagiert haben. Auch der Rettungswagen und die Notärztin waren sofort da“, sagt Ebel.

Diagnose Herzinfarkt

Im Klinikum Werra-Meißner in Eschwege dann die niederschmetternde Diagnose: Herzinfarkt. „Es haben sich mehrere Thromben in den Herzgefäßen festgesetzt“, erklärt der Burghofener. Was folgte, war eine wahre Odyssee: Sieben Behandlungen im Herz-Katheter-Labor, drei gesetzte Stents und eine Bypass-Operation musste er im Jahr 2015 insgesamt über sich ergehen lassen. Die Operation und die anschließende Reha erfolgten im Herzkreislaufzentrum in Rotenburg an der Fulda. „Vor der Operation hatte ich ein ungutes Gefühl und immer kleine Begleiterscheinungen, mein Herz hat ab und zu extrem gestochen“, sagt der in Erfurt stationierte Berufssoldat.

18 Tabletten am Tag

Zu verkraften, mit gerade einmal Anfang 30 einen Herzinfarkt erlitten zu haben, war durchaus ein langer Weg. Auch mental, wie er selbst sagt: „Durch meine Auslandseinsätze mit der Bundeswehr habe ich Situationen erlebt, die sehr schlimm waren – etwa in Afghanistan. Aber diese Situationen waren erträglich, weil ich sie im Griff hatte und bewältigen konnte“, sagt der 39-Jährige. Mit dem Herzinfarkt sei er das erste Mal in ein Szenario geraten, welches er nicht habe kontrollieren können. „Ich war wie ein Häufchen Elend und auf die Ärzte sowie die Pfleger angewiesen“, sagt er. 18 Tabletten musste er die ersten beide Jahre nach seinem Herzinfarkt pro Tag zu sich nehmen. Darunter Cholesterinsenker, Blutdrucksenker und Blutverdünner. Das Positive: Seit seiner Bypass-Operation ging es für ihn stetig bergauf. „Nur die Blutverdünnung werde ich laut meiner Ärzte wohl bis zum Ende meines Lebens nehmen müssen“, sagt er. Mittlerweile kann der Berufssoldat die meisten Dinge, die er vor dem Infarkt machte, wieder problemlos ohne Einschränkungen machen: auch das geliebte Fußballspielen. „Beim Sport ist mittlerweile wirklich alles wieder wie vorher. Nur Fallschirmspringen, das dürfte ich bei der Bundeswehr nun vielleicht nicht mehr machen“, scherzt er.

Dank an Ärzte und Pfleger im Eschweger Klinikum

Spricht man mit dem Burghofener, dann spürt man vor allem eines: seine große Dankbarkeit für die Arbeit medizinischer Fachkräfte. „Ich finde es schade, dass über viele Krankenhäuser immer nur gemeckert wird. Das Personal hat eine höhere Anerkennung verdient“, sagt er.

Wie extrem dankbar er dafür ist, dass die Mediziner sein Leben retteten, ist auch aus einem Brief zu lesen, den er dem Klinikum Werra-Meißner anlässlich des sechsten Jahrestages des Infarktes zukommen ließ: Den Ärzten, Pflegern, Krankenschwestern und Sanitätern habe er es zu verdanken, dass er heute fast unbeschwert weitermachen könne wie bisher.

Die Hilflosigkeit, mit Anfang 30 einen Herzinfarkt zu haben, sei durch diese „tollen Menschen in Zuversicht umgewandelt“ worden. Er führe ein gutes Leben und habe die zweite Chance ihnen zu verdanken. Die Politik solle sich seiner Meinung nach für eine fairere Entlohnung des Personals einsetzen und mehr Anreize zum Lernen dieser Berufe schaffen.

Eines will Manuel Ebel dann aber doch nicht so schnell wiedersehen: „das Krankenhauspersonal“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Von Maurice Morth

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