Das Andenken stets bewahren

Mit zehn Stolpersteinen wird in Harmuthsachsen an die Mitglieder dreier jüdischer Familien erinnert

Initiator der Stolperstein-Verlegungen: Aktionskünstler Gunter Demnig. Er zeigt die drei Bronzequader, welche an die Familie Kron erinnern sollen. Das Ehepaar Gustav und Selma Kron wurde von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager Chelmo ermordet. Foto: Junghans

Harmuthsachsen. „Wir stehen hier, um an Menschen zu erinnern, die in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur ermordet oder zur Flucht getrieben wurden, weil sie Juden waren oder Kommunisten oder beides zusammen“, sagt Pfarrer Rolf Hocke. Vergangenen Freitag nahmen rund 30 Interessierte an der zweiten Verlegung von Stolpersteinen in Harmuthsachsen teil.

„Früher hatte das Dorf eine starke jüdische Gemeinde, deren Mitglieder während dieser Zeit alle aufgrund von Anfeindungen das Dorf verlassen mussten“, sagt Andreas Heine, der Kassierer des Förderkreises ehemalige Synagoge Harmuthsachsen ist. Die Verlegungen sind dabei immer begrenzt, weil die Steine erst finanziert werden müssen.

Es wurde insgesamt an drei Familien, die einst in der Bilsteinstraße wohnten, mit zehn Stolpersteinen erinnert. Dabei wurden die Steine von Gunter Demnig verlegt, der die Initiative ins Leben gerufen hat, und währenddessen wurde über die ehemaligen Bewohner ein kurzer Vortrag gehalten.

Zuerst wurde der Familie Kron gedacht. Gustav Kron kämpfte im Ersten Weltkrieg und heiratete 1921 Selma Kron, mit der er ein Jahr später einen gemeinsamen Sohn bekam. 1941 wurde das Ehepaar Kron ins Konzentrationslager Lodz deportiert und wahrscheinlich im Mai 1942 im KZ Chelmo ermordet. Ihr Sohn überlebte, da es dem Ehepaar gelang, ihn 1937 mit einem Kindertransport in die USA zu schicken.

Für die zweite Familie wurden drei Stolpersteine verlegt. Das jüdische Ehepaar wurde im September 1942 nach Theresienstadt deportiert, wobei Berthold Haller vermutlich bereits während des Transports starb. Seine Frau Emma wurde 1944 von dort nach Ausschwitz gebracht und nach ihrer Ankunft ermordet. Ihre Tochter Ruth war nicht nur Jüdin, sondern auch politisch als Befürworterin für den Kommunismus aktiv. Sie wurde mehrmals in Schutzhaft genommen und schaffte es, 1936/37 nach Argentinien zu fliehen.

An die dritte Familie wurde von den Konfirmanden zusammen mit Pfarrer Hocke erinnert. Das Ehepaar Hedwig und Adolf Hammerschlag hatte zwei Kinder. Die Familie hatte einen Kolonialwarenladen in Harmuthsachsen, den sie aufgrund von Anfeindungen aufgeben mussten und sie veranlasste, nach Reichensachsen zu ziehen. Im Zuge der Reichskristallnacht wurde Adolf Hammerschlag im KZ Buchenwald inhaftiert, jedoch einen Monat später wieder entlassen. Daraufhin wanderte das Ehepaar 1939 nach Südafrika aus. Ihre Tochter Gretel war bereits in 1935 nach Südafrika geflohen und auch ihr Sohn Max folgte seiner Schwester 1936.

Nach den einzelnen Vorträgen wurde der Familien musikalisch von Stefan Fydrich mit einer Obertonimprovisation gedacht.

Von Esther Junghans

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