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Die weite Welt und wir: Patrick Meister fährt mit Fregatte zur See

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Von: Stefanie Salzmann

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Manchmal Monate unterwegs: Patrick Meister ist Marinesoldat und mit einer Fregatte auf See. Der 26-Jährige ist Schiffstechniker.
Manchmal Monate unterwegs: Patrick Meister ist Marinesoldat und mit einer Fregatte auf See. Der 26-Jährige ist Schiffstechniker. © privat/nh

Als echtes nordhessisches Landei auf hoher See: Der Bischhäuser Patrick Meister tut als Marinesoldat und Schiffstechniker Dienst auf einer Fregatte.

Bischhausen/Wilhelmshaven – Sein zweites Zuhause ist 146 Meter lang, 18 Meter breit und bietet Platz für 120 Menschen. Es ist die neueste Fregatte der Marine (F125), auf der der Bischhäuser Patrick Meister Dienst tut.

Auf See ist der 26-Jährige manchmal drei bis vier Monate am Stück, ist die Fregatte aber gerade nicht zu Übungseinsätzen auf den Ozeanen unterwegs, kommt er jedes Wochenende nach Hause, nach Bischhausen, wo er bis heute seine Freunde hat, seine Eltern leben und er seine Hobbys wie Motocross und Mountainbike pflegt.

Gelernt hat Patrick Meister eigentlich Verfahrensmechaniker bei Fridola, später wechselte er zu Junghans nach Fürstenhagen. Aber irgendwie habe er damals noch Lust auf was anderes gehabt. Er ließ sich 2016 beim Karrierecenter der Bundeswehr beraten, absolvierte sämtliche Tests und wurde dann in einem neunmonatigen Lehrgang zum Schiffsbetriebsmeister ausgebildet. „Damit war klar, dass ich zur See fahre“, sagt er.

Als echtes nordhessisches Landei habe er zum Glück weder Angst vor dem offenen Meer noch werde er seekrank. Das sei ihm nur einmal passiert. „Dann hilft es, rauszugehen und auf den Horizont zu schauen – oder der Schiffsarzt gibt einem Pflaster und Kaugummi.“

Neben Technik zuständig für Brand- und Leckbekämpfung an Bord

Nach einer dreimonatigen Grundausbildung in Wilhelmshaven startete er gleich 2017 in sein Bordpraktikum. Und los ging die Reise. „Wir überwachen den Seeraum, sind in der Flüchtlingshilfe im Mittelmeer als Unterstützungsfregatte unterwegs“, beschreibt er die Aufgaben der Fregatte. Die Einsätze reichen von der Zwölf-Meilen-Zone der deutschen Hoheitsgewässer in Nord- und Ostsee bis zu Übungen in Norwegen und Großbritannien und dem Mittelmeer. Zuständig ist Patrick Meister nicht nur für die Schiffstechnik wie Frischwasser, Lüftung und Toiletten. Sein Spezialgebiet sind darüber hinaus die Brandbekämpfung an Bord, zum Beispiel nach einem Raketeneinschlag oder Wassereinbrüchen.

Nervöse Stimmung seit Ukraine-Krieg

Und die Stimmung bei der Truppe, als der Ukraine-Konflikt begonnen hat? „Man wird schon ein bisschen nervös“, sagt er. Am ersten Tag des Angriffs habe er das noch gar nicht ganz ernst genommen, dann aber N-TV geschaut und sich gefragt, was das heißt. Seitdem gibt es in der Truppe jeden Morgen ein ausführliches Lage-Update zur Ukraine. „Das Personal wurde auf den Schiffen auf hundert Prozent hochgefahren“, berichtet er. Und ausgebildet sei man genau für solche Fälle.

Seine Eltern seien stolz auf ihn, sein Vater war selbst mit der Bundeswehr in Afghanistan. Das habe auch ihn geprägt. Für Patrick Meister heißt es immer wieder Adé sagen. „Aber jeder Abschied ist auch schön“, weiß er. Als die Fregatte 2020 für drei Monate ausgelaufen ist, stand die gesamte Mannschaft an Deck, seine Eltern auf der Pier und haben zum Abschied gewunken. „Und es ist genauso schön, wenn das Schiff wieder in den Heimathafen einläuft und man an Land begrüßt wird.“

Als Marinesoldat schon einiges von der Welt gesehen

Als Marinesoldat hat der Bischhäuser inzwischen einiges von der Welt gesehen. „Wir können ja in jedem Hafen auch an Land gehen“, erzählt er, wobei gerade die Schiffstechniker oft auch, wenn das Schiff im Hafen liegt, zu tun hätten. Aber für die Mannschaft organisiert der Schiffsarzt Ausflüge und Touren. Besonders gefallen haben ihm die norwegischen Fjorde, aber auch England und Schottland hätten so ihren Charme.

In den Wochen auf See geben es oft keine Verbindung zum Land – sprich keine Internetverbindung. „Das hört man auch mal neun Tage lang nichts, was auf der Welt passiert“, sagt er. Das sei manchmal auch ganz gut Und zur Not gebe es ein Satellitentelefon. (Stefanie Salzmann)

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