Tier kommt gegenüber Geschwistern zu kurz 

Pfarrer als Vogelvater: In Bischhausen zieht André Lecke einen Turmfalken auf 

Der kleine Turmfalke ist der jüngste der siebenköpfigen Jungenschar eines Turmfalkenpaares, das auf dem Bischhäuser Kirchturm gebrütet hat. Weil der Kleine immer zu kurz kommt, füttert ihn nun der Pfarrer. 
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Der kleine Turmfalke ist der jüngste der siebenköpfigen Jungenschar eines Turmfalkenpaares, das auf dem Bischhäuser Kirchturm gebrütet hat. Weil der Kleine immer zu kurz kommt, füttert ihn nun der Pfarrer. 

Bischhausens Gemeindepfarrer André Lecke ist nicht nur Hirte seiner Gemeinde, sondern sorgt auch für Gottes tierische Geschöpfe.

Seit drei Wochen steigt der Pfarrer mindestens dreimal täglich in den Turm der Bischhäuser Kirche, im Gepäck ein Einmachglas mit einer ausgewachsenen, toten weißen Maus drin. Dass „Fleischerei Beck“ draufsteht, hat nichts zu sagen. 

Im Vorraum zum Turm legt der Pastor Gummihandschuhe an, greift zur OP-Schere und zerlegt den Nager in mundgerechte Stücke. Anschließend wechselt er Gummi- gegen Feuerwehrhandschuhe, durchquert den Fledermausboden des Turms, wo zirka tausend der kleinen Vampire von der Decke hängen und nähert sich dann mit waghalsigen Sprüngen einem der Turmfenster.

Das 7. Turmfalkenkind hat Hunger

Dort hockt auf dem staubigen Sims Turmfalkenkind Nummer sieben und hat Hunger. Mit einer Pinzette angelt Lecke die Mäusefilets aus dem Glas und füttert damit den kleinen Raubvogel, der gierig seinen kleinen scharfen Schnabel aufreißt.

Als der Pfarrer Mitte Mai auf den Turm stieg, um seine Gemeinde wie jeden Abend seit Corona ab 18 Uhr für eine halbe Stunde mit Musik vom Turm zu vergnügen, bemerkte er die Schar frisch geschlüpfter Turmfalken. Er beobachtet die Tiere, hängte eine Wildkamera auf. 

„Ich habe gesehen, dass der Kleinste nie was abbekommt“, erzählt Lecke. „Wenn die Mutter mit einer Maus kam, haben die größeren Geschwister einen auf dicke Hosen gemacht und dem Kleinen nichts abgegeben.“

In zwei Wochen soll der Falke stark genug sein

Lecke nimmt Kontakt zu der Tierärztin Michaela Seifert aus Weidenhausen auf und fragt um Rat. Die sagt zunächst: „Natürliche Auslese“ und gibt ihm aber den Tipp mit den Mäusen. Seither bezieht der Pfarrer die Mäuse aus dem Tierfutterladen, jede kostet einen Euro. „Meine Katze jagt nicht zuverlässig genug“, lacht der Pfarrer.

Weiße Maus zum Mittag: Pfarrer Lecke bei der Fütterung des kleinen Turmfalken.

Noch zirka zwei Wochen will Lecke den kleinen Falken weiter füttern.

„Dann ist er stark genug, um zu fliegen und wird es schaffen“, ist er sich sicher. Er kommt dem Tier nie nahe, obwohl der Kleine Vertrauen zu ihm hat. Lecke will, dass er ein ordentlicher Falke wird. „Ich will ihn auf keinen Fall zähmen.“

Die anderen sechs Jungen sind bereits flügge. Nach ihren zahlreichen ersten Übungsrunden im Inneren des Turmes fliegen sie jetzt bereits vom Turm auf die umliegenden Dächer und Bäume und wieder zurück. „Manchmal kann man sie auch beim Pausemachen beobachten“, sagt der Pfarrer, „dann hocken sie wie die Orgelpfeifen auf dem steinernen Dachsims.“

Der Turmfalke - einer der häufigsten Greifvögel in der Region

Der Turmfalke (Falco tinnunculus) ist der kleinste und neben dem Mäusebussard häufigste Greifvögel hierzulande. Die Männchen mit ihren blaugrauen Köpfen und Oberschwanzgefiedern sind von den eher gleichförmig erdbraunen Weibchen gut zu unterscheiden. 

Auf der Speisekarte stehen vor allem Mäuse, aber auch Eidechsen oder Kleinvögel. Bei ihren Beuteflügen stehen sie oft rüttelnd in der Luft.

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