Bus nach vierter Stunde ersatzlos gestrichen

Schüler aus Bischhausen müssen täglich von der Schule abgeholt werden

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Traurige Gesichter: (von links) Marie Wielert, Pia Kölsch, Mirko Brendl und Jonah Lecke besuchen die erste Klasse der Karlheinz-Böhm Grundschule in Waldkappel. Mittags kommen sie nur schlecht nach Hause.

Waldkappel. Weil ihr Bus nach der Fahrplanänderung gestrichen wurde, kommen Schüler aus Bischhausen nicht mehr frühzeitig nach Hause.

Jonah Lecke hat an vier Tagen in der Woche um 11.40 Uhr Schulschluss. Zuhause ist der siebenjährige Erstklässler oft aber erst viel später – gegen 13.30 Uhr. Die Fahrplanänderung des NVV sorgt auch im Waldkappeler Ortsteil Bischhausen für Unmut. „Ich möchte endlich wieder mit dem Bus fahren“, sagt der Schüler der Karlheinz-Böhm-Grundschule traurig. Das aber ist im Moment nur mit großen Zeitverlusten möglich. Denn der Bus, der Jonah und seine Mitschüler noch bis Mitte Dezember nach der vierten Schulstunde aus Waldkappel nach Hause brachte, wurde ersatzlos gestrichen. Erst nach der fünften Schulstunde, um 12.45 Uhr, fährt der nächste.

Auch Zweitklässler betroffen 

Jonahs Mutter, Claudia Lecke, ist unzufrieden: „Die Schüler, gerade als Erstklässler, sind nach vier Schulstunden total erschöpft. Es ist wichtig, dass sie dann schnell nach Hause kommen.“ Hinzu komme außerdem, dass der Bus am Morgen früher losfahre. Von dem Schulbus-Debakel seien auch die Schüler der zweiten Klassen.

Betreuungsangebot erweitert 

An der Karlheinz-Böhm-Grundschule wurde durch die Neuregelung des Fahrplans das Angebot der Nachmittagsbetreuung ausgeweitet. Schulleiter Joachim Thannheuser erklärt auf Nachfrage: „Durch den neuen Fahrplan haben wir Einschränkungen hinnehmen müssen. Seit etwa Mitte Dezember besuchen bis zu 30 zusätzliche Kinder unsere Nachmittagsbetreuung.“ Um sich auf die neue Lage einzustellen, wurde ein weiterer Raum für die Kinder hergerichtet, drei Personen betreuen jetzt die jungen Schüler. Schon mehrfach hätten sich Eltern bei dem Schulleiter beschwert.

Thannheuser weiter: „Weil so viele Eltern ihre Kinder nach der vierten Stunde abholen, staut sich der Verkehr manchmal sogar.“ Jonahs Mutter Claudia Lecke sagt: „Aber das kann ja nicht die Lösung des Problems sein.“ Mittlerweile haben mehrere Eltern Fahrgemeinschaften gebildet, um die Kinder direkt nach dem Unterricht abzuholen.

Am Morgen keine Sitzplätze frei

Leckes zweiter Sohn Tom macht auf ein weiteres Problem aufmerksam: Der zierliche Fünftklässler fährt täglich mit der Buslinie 221 von Bischhausen nach Eschwege zur Schule und wieder zurück. Im Moment ist das kein Vergnügen: Schon morgens sei der Bus derart überfüllt, dass Sitzplätze nie, Stehplätze nur bedingt frei wären. Tom sagt: „Manchmal habe ich nicht mal richtig Platz, mich umzudrehen.“ Selbst die Stehplätze an Haltestangen oder -schlaufen seien oftmals besetzt.

Das sagt der NVV: "Problem bleibt vorerst bestehen"

Dass sich an der Situation so schnell nichts ändern wird, bestätigt NVV-Pressesprecherin Sabine Herms gegenüber unserer Zeitung. Sie sagt: „Die Problematik besteht nicht nur an der Grundschule in Waldkappel. Im ganzen Kreis wurden die Rückfahrten von Schulen nach der vierten Stunde gestrichen.“ Durch mögliche Anbindungen nach der fünften und sechsten Stunde sei die Situation an der Karlheinz-Böhm-Schule in Waldkappel noch vergleichsweise komfortabel. Man versuche trotz eventueller Behinderungen dennoch, das Angebot an Busfahrten bestmöglich aufrecht zu erhalten.

Hintergedanke der europaweiten Umstrukturierungen der Fahrpläne ist, dass vor allem Geld gespart werden soll. Die neuen Busfahrpläne werden aufgrund vertraglicher Regelungen voraussichtlich für die nächsten acht bis zehn Jahre gelten. Punktuelle Anpassungen seien aber möglich, sagt Sabine Herms.

Von Pelle Faust

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