Fünfzehnjähriger hatte seine Fahrkarte zuhause vergessen

Schüler ohne Ticket muss Bus verlassen

Zurückgewiesen: Hannes Bommhardt (13) durfte mitfahren, sein Bruder Paul (15) musste den Bus wieder verlassen, weil er seine Jahresfahrkarte nicht dabei hatte. Foto:  Sagawe

Bischhausen. Als der fünfzehnjährige Paul Bommhardt am Freitagmorgen in Bischhausen in den Bus nach Eschwege einstieg, war die Fahr beendet, bevor sie begonnen hatte. Der Schüler hatte seine Fahrkarte samt Portmonee zuhause vergessen.

Und weil auch sein zwei Jahre jüngerer Bruder Hannes die vier Euro für die Einzelfahrkarte nicht mehr zusammen bekam, musste Paul wieder aussteigen. Der Busfahrer „verweigerte die Beförderung weil kein gültiger Fahrausweis vorlag“ wie das im Amtsdeutsch heißt.

Paul versteht das nicht. Er besitzt eine Jahreskarte, die der Werra-Meißner-Kreis als Schulträger bezahlt. Und er fährt jeden Morgen mit diesem Bus nach Eschwege, wo er die neunte Klasse der Friedrich-Wilhelm-Schule besucht. „Der Fahrer muss mich doch kennen“, so Paul.

Alles Bitten half nichts. Er solle seine Fahrkarte holen und dann eben den nächsten Bus nehmen, blieb der Fahrer hart. Pauls Mutter Claudia hat dafür keinerlei Verständnis. „Ich finde das ungeheuerlich“, sagt sie, „von Kundenfreundlichkeit keine Spur“. Hätte Paul den nächsten Bus genommen, hätte er zweimal umsteigen müssen und die Schule erst nach 9 Uhr erreicht. Claudia Bommhardt fuhr ihren Sohn mit dem Auto zur Schule und fragt nachdenklich: „Was wäre gewesen, wenn niemand zu Hause gewesen wäre und um 8 Uhr eine Klassenarbeit angestanden hätte?“

Björn Eberhardt vom Busunternehmen Frölich entgegnet: „Der Fahrer hätte sicherlich mehr Fingerspitzengefühl zeigen können, die Schuld liegt aber bei dem Schüler, der seine Fahrkarte nicht dabei hatte.“ Das sieht auch Horst Pipper vom Verkehrsverbund Werra-Meißner so. Zwar gelte der Grundsatz, dass niemand stehen gelassen werden solle, aber natürlich sei der Schüler verantwortlich dafür, seine Fahrkarte dabei zu haben. Pipper: „Das ist ein Fünfzehnjähriger, kein Grundschüler, da ist dem Busfahrer kein Vorwurf zu machen.“

Von Harald Sagawe

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