Uhlenfänger durch und durch

Seit zehn Jahren ist Horst Böttner Waldkappels Symbolfigur

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Für Horst Böttner immer wieder ein Jahreshöhepunkt: der Empfang in Wiesbaden durch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (rechts) und dessen Ehefrau Ursula. 

Waldkappel – „Nicht lange gefragt werden“ musste Horst Böttner laut eigenem Bekunden, als der ehemalige Waldkappeler Bürgermeister Reiner Adam (SPD) ihn vor mittlerweile zehn Jahren darum bat, den „Uhlenfänger“ – die Symbolfigur der Stadt Waldkappel – zu verkörpern.

Das Amt war nach dem Tod von Karl Koch vakant geworden, er stellte die Figur mit dem markanten weinroten Umhang, passender Mütze samt Käfig mit Eule 15 Jahre lang dar.

15 bis 20 Auftritte hat der 82-jährige Horst Böttner als ehrenamtlicher Repräsentant der Stadt Waldkappel pro Jahr. Er ist beim Hessentag, Stadtfesten und Seniorennachmittagen mit dabei, läuft in Festumzügen auch in Orten weit über den Werra-Meißner-Kreis hinaus mit.

Zu den absoluten Jahreshöhepunkten zählt der Empfang bei Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und dessen Frau Ursula im Schloss Biebrich in Wiesbaden, wo Hunderte hessische „Hoheiten“ zusammenkommen. „Leider konnte das Treffen im vergangenen Jahr wegen der Erkrankung des Ministerpräsidenten nicht stattfinden“, sagt Böttner – auch der Zusammenkunft in diesem Jahr schiebt die Corona-Pandemie wohl einen Riegel vor.

Vielfältig ehrenamtlich engagiert 

In Waldkappel kennt man Horst Böttner, der mit seiner Ehefrau in der Kernstadt lebt, als bodenständigen und vielfältig ehrenamtlich engagierten Mann. Er wirkt und wirkte bislang unter anderem in der Theatergruppe, in der örtlichen Feuerwehr und im Männergesangsverein. „Ich repräsentiere die Stadt sehr gerne und liebe es, dabei mit vielen fremden Menschen in Kontakt zu kommen“, sagt Böttner. Wenn ihm bei solchen Veranstaltungen die Leute schon aus der Ferne „Uhlenfänger, Uhlenfänger“ zurufen würden, freue ihn das besonders.

Dass Böttner nicht einmal gebürtiger Waldkappeler ist, das stört niemanden. 1938 wurde er ein paar Kilometer weiter westlich in Hessisch Lichtenau geboren, zog aber bereits 1950 nach Waldkappel. Er absolvierte eine Ausbildung zum Metzger, legte die Meisterprüfung ab und arbeitete beruflich schließlich 30 Jahre bei der Lebensmittelüberwachung des Werra-Meißner-Kreises.

Innerhalb der zehn Jahre als Uhlenfänger hat sich eine Sache für Horst Böttner nicht geändert: Als Symbolfigur legt er im Jahr viele, viele Kilometer zu Fuß zurück – zum Leidwesen seiner Schuhe. Wie ernst es ihm mit der Repräsentation der Stadt ist, zeigte sich 2018: Nur kurz nach einer schweren Operation lief er bereits wieder mit Kostüm im Festumzug beim Hessentag in Korbach mit. Wenn man mit Böttner über den Uhlenfänger ins Gespräch kommt, dann wird eine Sache deutlich: So schnell denkt der 82-Jährige nicht ans Aufhören. 

Die Uhlenfänger-Sage

„Es traf sich einst, dass auf dem Kirchturme zu Waldkappel eine Eule ihr Nest baute, und da der große Vogel, der sich nur abends in der Dämmerung sehen ließ, den Einwohnern unbekannt war, so wandten sie alle List und Schlauheit an, das merkwürdige Tier in ihre Gewalt zu bekommen. Nach vielen vergeblichen Versuchen gelang es indessen wirklich einem Bürger, die Eule zu fangen. Die ganze Stadt lief ob dieses Ergeinisses zusammen, jedermann staunte über die großen Augen und Ohren des wunderbaren Geschöpfes, und sie beschlossen endlich, dasselbe nach Kassel in das Museum zu schicken, weil man gewiss dort noch kein solch seltenes Tier besäße. Es wurde daher eine Deputation nach der Residenz abgeordnet, und auf dem ganzen Wege dahin erregte diese wegen der Eule das größte Aufsehen. Als sie aber nach Kassel kamen, wurden sie tüchtig ausgelacht und mit der Eule nebst Schimpf und Spott wieder heimgeschickt. Seitdem heißen sie die ‘Uhlenfänger’.“ 

Nach Philipp Hoffmeister

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