Bier und Schnaps zum Frühstück 

Montagsinterview: Fiona Söhngen aus Waldkappel startet ins Studentenleben

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Schnell eingelebt in Göttingen: Fiona Söhngen aus Waldkappel hat gerade ihr Studium in Biochemie begonnen, die erste eigene Wohnung bezogen und fühlt sich wohl, obwohl das Klopapier nicht von allein aufs WC wandert.

Heute beginnen die Semestervorlesungen. Für viele Studenten ist es das erste Mal, dass sie Universitätsluft schnuppern. Fiona Söhngen (19) aus Waldkappel berichtet, wie sie den Neustart als Biochemie-Studentin in Göttingen erlebt.

Der Weg von der Schule in die Universität ist nicht immer einfach und individuell. Doch eins bleibt gleich: Der neue Lebensabschnitt sorgt für große Veränderungen.

Wie sah dein Weg aus vom letzten Schultag bis zum Studienstart?

Mir war von Anfang an klar, dass ich nicht direkt von der Schule in das Studium starten will. Ich war mit 17 Jahren ziemlich jung und wusste noch nicht, welche Studiengänge in Frage kommen. Daher nutzte ich das Jahr nach dem Abitur, um mich zu orientieren. Ich habe bei verschiedenen Unternehmen gearbeitet und habe mich zusätzlich „interkulturell weitergebildet“ – kurz, ich bin um die Welt gereist.

Wie ist es dir ergangen bei der Suche nach dem richtigen Studiengang?

Da ich vorerst nicht von der Heimat wegwollte, kamen für mich nur Kassel und Göttingen als Studienorte in Frage. Außerdem wollte ich einen naturwissenschaftlichen Studiengang belegen. Mir haben die Fächer Chemie, Mathe, Physik und Biologie in der Schule schon immer Spaß gemacht. Ich durchstöberte mit diesen Vorgaben das Studienangebot und traf auf Biochemie, die perfekte Verbindung.

Hast du dich vorbereitet auf den universitären Alltag?

Im Vorfeld habe ich den ganzen Abitur-Stoff in den Fächern Mathematik, Chemie und Biologie wiederholt, da ich nach einem Jahr eine Menge vergessen hatte. Zur Vorbereitung zählte definitiv auch die Wohnungssuche, mit der ich zirka drei Monate vorher begonnen habe und das anschließende Einrichten der Wohnung.

Die ersten Nächte in der eigenen Wohnung. Wie hast du dich gefühlt?

Es war tatsächlich ein komisches Gefühl, ganz ruhig und allein. Aber ich habe mich sehr schnell daran gewöhnt und finde jetzt auch Gefallen daran. Keine Eltern, die einem sagen, was man zu tun und zu lassen hat, für die alltäglichen Dinge komplett alleinige Verantwortung übernehmen. Klopapier wandert nun nicht mehr automatisch ins Bad. Aber dennoch freue ich mich, regelmäßig in die Heimat zu fahren. Der Weg ist ja zum Glück nicht so weit.

Wie war die Einführungswoche?

Die O-Woche wurde organisiert von den Studenten des dritten Semesters und die haben definitiv dafür gesorgt, dass uns nicht langweilig wurde. Von Informationsveranstaltungen über Stadtrallyes durch Göttingen bis hin zum Kneipenabend. Außerdem sorgten sich die älteren Studenten gut um unser leibliches Wohl. So wurden wir nach dem ersten Vortrag von einem Drittsemester-Studenten herzlich eingeladen, an dem aufwendig vorbereiteten Frühstück teilzunehmen. Das Frühstück bestand aus einer Flasche Bier und Schnaps.

Konntest du bereits Unterschiede zum Schulalltag feststellen?

Ich bin definitiv mehr auf mich gestellt. So muss man sich zu den Veranstaltungen eigenständig anmelden und keiner erinnert an Abgabefristen. Darum muss man sich selbst kümmern und darf den Rundumblick nicht verlieren. Wie in der Schule haben wir einen Stundenplan bekommen. Das erste Jahr dient dazu, die notwendigen Grundlagen in den Fächern Chemie, Biologie, Physik und Mathe zu lernen. Ab dem dritten Semester können wir uns mit speziellen Modulen genauer spezialisieren.

Hast du schon Kontakte geknüpft?

Auf jeden Fall, besonders in der Orientierungswoche lernt man sehr viele Leute kennen. Durch die Spiele in zusammengewürfelten Gruppen kommt man mit vielen Leuten in Kontakt. Da wir ein sehr kleiner Studiengang sind, hatten wir in dieser Phase auch einige Aktivitäten mit Studenten anderer Fakultäten.

Wieso hast du dich in Göttingen beworben?

Schon als wir früher mit der Schule Klassenausflüge nach Göttingen machten und ich die ganzen Studenten auf ihren Fahrrädern sah, war ich mir sicher: Hier kann ich mir gut vorstellen, später auch zu studieren. Die Stadt ist nicht zu groß, man erreicht alles mit seinem Fahrrad und zudem studieren hier auch viele meiner Freunde, was das Einleben noch mal einfacher macht.

Wie finanzierst du dein Studium?

Ich gebe wöchentlich Nachhilfe in einem Nachhilfeinstitut. Dort habe ich jeden Freitag Kurse. Das kann ich sehr gut mit meinem Studium kombinieren. Außerdem werde ich versuchen, in den Semesterferien einen Studentenjob auszuüben, was ich vor dem Studium bereits gemacht habe. Ergänzend bekomme ich Unterstützung durch meine Eltern, wofür ich unheimlich dankbar bin.

Was wünschst du dir für deinen neuen Lebensabschnitt?

Ich hoffe, dass ich mich in den studentischen Alltag sehr schnell einlebe, neue Freunde kennenlerne und einfach Spaß habe an meinem Studiengang.

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