Er greift nach den Sternen

Serie zu besonderen Hobbys: Dieter Sandrock aus Waldkappel und die Astronomie

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In seinem Element: Dieter Sandrock in der Dachluke, aus der heraus er mit seinen Instrumenten den Weltraum beobachtet und Fotos von Planeten, Kometen oder Sternen macht.

Waldkappel. In unserer Region leben Tausende Menschen mit einem außergewöhnlichen Hobby. Viele pflegen ihre besonderen Freizeitbeschäftigungen nur im Verborgenen. Wir möchten die Talente ans Licht bringen. Heute: Hobby-Astronom Dieter Sandrock.

Los ging alles mit dem Weihnachtsmärchen Peterchens Mondfahrt. Da wurde Mitte der 1960er-Jahre das Interesse an der Astronomie geweckt beim damaligen Grundschüler Dieter Sandrock aus Waldkappel. Der geht er noch heute mit viel Leidenschaft nach, wenn er aus seiner Dachluke heraus Sterne, Planeten und Kometen beobachten oder fotografiert.

Damals fuhr Sandrock mit seiner Klasse im Dampfzug zu der Aufführung von Peterchens Mondfahrt nach Kassel. „Da hat mich der Virus gepackt“, erinnert sich der heute 62-Jährige. Dann bekam er noch Wind von der ihn faszinierenden Raumfahrt der damaligen Zeit und verfolgte natürlich die erste Mondlandung 1969 live im Fernsehen seiner Schwester. „Da war mein Interesse endgültig geweckt.“

Sandrock verschrieb sich neben seinem Hobby Nummer eins – der Feuerwehr –, das er aber eher als Berufung bezeichnet, der Astronomie.

1986 kam der Halleysche Komet an der Erde vorbei. „Den wollte ich live sehen, denn 76 Jahre bis zur nächsten Begegnung war mir ein wenig zu lang“, scherzt Sandrock. Zwei Jahre vorher schaffte er sich ein Fernrohr mit Sechs-Zoll-Newton-Spiegel samt parallaktischer Montierung an. Ein ehemaliger Kollege seines damaligen Arbeitgebers in Kassel, der die Sternwarte Rothwesten betreute, gab dem Waldkappeler wichtige Tipps.

Mit seinem Vater hat Dieter Sandrock in seinem Haus an der Wehrgasse in Waldkappel eine kleine Sternwarte mit Stahldachluke, die aus einem alten Steuerschrank umgebaut wurde, gebastelt. Den Kometen Halley konnte Sandrock sehen, auch wenn er damals nicht so spektakulär gewesen sei. „Zehn Jahre später kam der Hayakutake, von ihm konnte ich ein sehr schönes Foto machen. Aber mein bestes stammt von Hale-Bopp aus dem Jahr 1997 (siehe unten).“

Seine Lieblingsaufnahme: das Foto vom Kometen Hale-Bopp aus dem Jahr 1997. Foto: Dieter Sandrock/nh

Für die totale Sonnenfinsternis 1999 reiste Sandrock mit Tochter und Patenkind nach Süddeutschland. Zu sehen gab es nichts. Es war zu bewölkt. „Pech gehabt, aber dabei gewesen“, sagt er heute.

2008 erfüllte sich der Waldkappeler, der vielen als ehemaliger langjähriger Stadtbrandinspektor bekannt ist, einen lang gehegten Traum dank Ebay. Er erstand einen gebrauchten Acht-Zoll-Schmidt-Spiegel mit durch einen Computer nachgesteuerter Führung sowie automatischer Anwahl von 60 000 Objekten am Sternenhimmel. „Ein Quantensprung, obwohl auch dieses Instrument schon zehn Jahre alt war“, berichtet er.

Denn nun musste er keine Stundenwinkel mehr berechnen, um dunkle Objekte am Himmel zu finden. „Mit dem Laptop verbunden kann ich in einer Nacht so viel beobachten wie früher in Wochen“, freut sich Sandrock. Die Sternwarte hat er inzwischen mit einer größeren Dachluke aus Aluminium versehen – ohne Podest. Der Sicherheit wegen.

„In der heutigen Zeit gibt es Apps für die Astronomie. Aber glauben Sie mir eins: Wenn man die Ringe des Saturns oder die Monde des Jupiters live sieht, ist das völlig anders“, sagt Sandrock. Genau das fasziniere ihn noch heute. So auch Enkel Julius (8). „Wenn er hört, dass ich aufs Dach gehe, ist er nicht zu bremsen und will mit.“

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