Sorge in Bischhausen wegen möglichem Wolfsriss an Spazierweg

Wolfsriss bei Bischausen 
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Entnimmt Proben des Rehkadavers: Die Försterin Petra Walter war eigens aus dem Reinhardswald nach Bischhausen gekommen. 

Die Bewohner Bischhausens sind in Sorge, weil ein am Sonntag aufgefundener Rehkadaver in unmittelbarer Nähe des Ortes möglicherweise von einem Wolf stammt. 

Bischhausen. In Bischhausen geht die Angst um, nachdem am Sonntagmorgen nur 100 Meter vom Sportplatz entfernt ein totes Reh gefunden wurde, dessen Zustand zumindest den Verdacht nahe legte, dass es sich bei den Verletzungen um einen Wolfsriss handelt (wir berichteten). Ein junges Ehepaar, das gegenüber seine Pferdekoppel mit fünf Pferden hat, hatte den Rehkadaver an dem viel von Spaziergängern, Radfahrern und Hundehaltern frequentierten Weg gegen 9 Uhr morgens entdeckt.

Försterin aus Reinhardtswald nimmt Probe

Bis aus dem Reinhardswald die vom Wolfsmanagement im Regierungspräsidium Kassel angeforderte Försterin Petra Walter an den Fundort kam, um eine Genprobe zu nehmen, waren viereinhalb Stunden vergangen. Das Paar, das sein neun Monate altes Baby dabei hatte, wartete geduldig. „Wir wollten sichergehen, dass kein Hund an den Kadaver geht“, so die Finderin (name ist der redaktion bekannt) Deshalb seien sie geblieben, bis die Försterin eintraf, obwohl unterdessen auch der Jäger Karl-Heinz Eberth vor Ort war.

Als Bischhäuser, Pferdehalter und Eltern macht sich das Paar Sorgen. „Die Wohnbebauung ist nur hundert Meter Luftlinie entfernt, hier spielen im Sommer die Kinder in den Büschen und Hecken. Wir brauchen Klarheit, wie viele Tiere es hier gibt.“

Kein Kehlbiss an Rehkadaver

Nach Angaben von Jäger Eberth habe die Försterin Petra Walter an der Fundstelle erklärt, es sei eher unwahrscheinlich, dass eine Genprobe ein Ergebnis bringen würde, da das Tier keinen Kehlbiss aufweise. Nur dort könne Genmaterial vom Wolf gefunden werden. Allerdings gibt es im Bereich des Regierungspäsidiums Kassel bestätigte Wolfsrisse ohne Kehlbiss, weiß ein Experte. 

 „In der Nähe des Fundortes haben wir ein eindeutiges Trittsiegel eines Wolfs gefunden“, sagt Eberth. Der Kadaver sei frisch, also höchstens 24 Stunden alt gewesen. „Das Fleisch hat noch geglänzt.“

Wolfslosung bei Diemerode gefunden

Er weiß zudem zu berichten, dass in der vorigen Woche im Sontraer Ortsteil Diemerode eine Wolfslosung gefunden wurde, die zur Beprobung eingeschickt wurde. Wolfskot lasse sich vom Hundekot gut unterscheiden. „Er enthält meist Knochen- und Fellreste“, erklärt Eberth.

Wolf bei Angriff auf Schaf bei Sontra nicht bestätigt

Im Fall des möglichen Wolfsrisses an einem trächtigen Schaf auf einer Weide bei Sontra, der sich am 5. Februar ereignet hat, gibt es hingegen keine eindeutige Bestätigung. „An der Probe konnte nur Hunde-DNA festgestellt werden“, sagt Gerhard Scholz von Hessen-Forst, der die Probe seinerzeit bei dem verletzten Schaf genommen hatte und der gestern das Ergebnis der Testung erhielt. „Dass keine Wolfs-DNA gefunden wurde, heißt nicht, dass es kein Wolf war, aber es ist nicht nachzuweisen“, sagt Scholz. Auch der Pfotenabdruck, den andere Wolfssachverständige eindeutig einem Wolf zuordneten, sei nicht eindeutig. Für die schon mehrfach in der Region genetisch nachgewiesene Wölfin ist jetzt die sechsmonatige Frist abgelaufen. Sollte es noch eine weitere Bestätigung ihrer Anwesenheit geben, wird das Gebiet als Wolfsterritorium eingestuft. 

KOMMENTAR: 

Aufklären statt Panikmache

Von Tobias Stück 

Es gibt Menschen, die verstehen nicht, dass Meldungen über Wolfssichtungen und vermeintliche oder tatsächliche Wolfsrisse eine Berichterstattung wert sind. Schließlich sei der Wolf in deutschen Wäldern doch das Natürlichste überhaupt. Das mag sein. In den vergangenen 100 Jahren gehörte der Wolf aber eben nicht dazu. Und so natürlich sein Vorkommen sein mag: Für alle ist er ein unberechenbares Raubtier, das in den Wäldern umherstreift, die in den vergangenen Jahrzehnten auch zu Orten der Naherholung geworden sind. Die Welt hat sich ohne Wolf weitergedreht. Auch wenn Experten 100-mal beteuern, dass das scheue Tier dem Menschen nichts tut: ein mulmiges Gefühl bleibt – gerade, wenn sich ein Wolf bis auf 20 Meter an Menschen herantraut. Darüber zu berichten, wo ein Wolf aufgetaucht sein könnte, dient deshalb der Aufklärung und nicht der Panikmache. Zur aufklärenden Berichterstattung gehört auch, darüber zu berichten, wenn sich Verdachtsfälle nicht bestätigen. In der Bevölkerung hat sich eine Übersensibilisierung verbreitet. In der Nähe des Elfengrunds bei Wanfried wurde beispielsweise ein von Jägern für Wild an einem sogenannten Luderplatz vergrabener Wildschweinkopf für einen Wolfsriss gehalten. Der Irrtum konnte vom Jagdbeauftragten aufgeklärt werden. Am Ende können vor allem Wolfsgutachter dafür sorgen, Panik zu verhindern. 

ts@werra-rundschau.de

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