Hohe Greifvogeldichte

Stölzinger Gebirge: Beliebte Heimat für Rotmilan und andere Raubvögel

Geht gern an Windwurfflächen auf die Jagd: der Rotmilan. Auch er gilt als bedrohte Art. Die Naturschutzinitiative fordert deshalb, dass Teile des Stölzinger Gebirges als EU-Vogelschutzgebiet ausgewiesen werden.
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Geht gern an Windwurfflächen auf die Jagd: der Rotmilan. Auch er gilt als bedrohte Art. Die Naturschutzinitiative fordert deshalb, dass Teile des Stölzinger Gebirges als EU-Vogelschutzgebiet ausgewiesen werden. (Archivfoto)

Der weltweit bedrohte Rotmilan scheint sich, an einem Ort besonders wohl zu fühlen: im Stölzinger Gebirge. Dort werden nämlich extrem viele Rotmilane beobachtet.

Waldkappel – Das Stölzinger Gebirge ist ein bevorzugter Brut- und Lebensraum für Großvögel, ganz besonders für den gefährdeten Rotmilan. Das teilte jetzt der Ornithologe Arno Werner mit, der zum Länder- und Fachbeirat der Naturschutzinitiative (NI) gehört.

Dessen sogenanntes Rotmilanteam hat für das Stölzinger Gebirge eine „extrem hohe Greifvogeldichte“ ermitteln können. Daher fordert der NI jetzt, dass Teile des Stölzinger Gebirges als EU-Vogelschutzgebiet anerkannt werden.

Wie auch in den vergangenen Jahren seien von dem Team seit Januar dieses Jahres wieder Greif- und Großvögel im Stölzinger Gebirge kartiert worden. Schwerpunkt in diesem Jahr war das Gebiet zwischen Bebra und Stolzhausen und von Braunhausen bis Obergude.

Die Siedlungsdichte im Stölzinger Gebirge ist beim Rotmilan im Vergleich mit anderen Regionen in Hessen sehr hoch.

Arno Werner, Ornithologe

Neben dem weltweit bedrohten Rotmilan stünden auch weitere gefährdete Arten wie beispielsweise der Schwarzstorch, Uhu, Wespenbussard, Schwarzmilan und Baumfalke im Fokus des NI-Teams.

Alle genannten Arten seien durch Kollision an Windindustrieanlagen gefährdet. Deren Brutplätze und Flugbewegungen werden akribisch erhoben und in Karten übertragen. Seit 2014 fand das Team über 290 Horste von Großvögeln im Stölzinger Gebirge. „Die Siedlungsdichte im Stölzinger Gebirge ist beim Rotmilan im Vergleich mit anderen Regionen in Hessen sehr hoch“, so Werner.

„Die Freiflächen durch Sturm-, Trocken- und Käferschäden sind aktuell erheblich größer und umfangreicher als im Vergleich zu 2014“, so Werner. Ein Zwischenergebnis der Kartierung des Rotmilanteams zeige, dass unter unter anderem Rotmilane und Wespenbussarde die neuen Freiflächen regelmäßig als Jagdgebiete nutzten.

Die weitere Aufbereitung von Flächen mit noch tot stehenden Bäumen werde auf unabsehbare Zeit das Bild des Stölzinger Gebirges prägen. Dies sei allerdings keine ökologische Katastrophe, eher eine Bereicherung und Chance für die Natur, weil zusätzliche bedrohte Arten diesen neuen Lebensraum besiedeln werden.

Bereits 2014 wurde eine Bebauung des Windfeldes HEF 02 (Franzosenstraße), mit der Begründung, es gehe um eine Verschiebung des Projektes um zwei bis drei Jahre – solange, bis auf den Windbruchflächen Bäume und Büsche wieder eine solche Höhe erreicht hätten, dass Rotmilane dort nicht mehr auf die Jagd gehen, eingestellt.

Die NI fordert von der Landesregierung ein unabhängiges ornithologisches Gutachten für das Stölzinger Gebirge. Hier sollen alle bekannten relevanten Daten zu den gefährdeten Arten zusammengefasst werden.

Von Stefanie Salzmann

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