Ohne großen Plan: Mäckelsdorferin Jil Strieder reist mit dem Rucksack durch die Welt

Einmal um die Welt: Jil Amalia Strieder fuhr 4500 Kilometer mit diesem Bus durch Australien. Mit dabei: Annabelle Just aus Deutschland und Roosa Lohenoja aus Finnland.

In unserer Serie „Die weite Welt und wir“ stellen wir Menschen aus der Region vor, die weit weg von zu Hause spannende Geschichten erleben. Heute: Jil Amalia Strieder aus Mäckelsdorf.

Schon lange wünschte sich Jil Amalia Strieder (20) aus dem Waldkappler Ortsteil Mäckelsdorf nach dem Abitur, alleine loszuziehen und die Welt zu entdecken. Nach einem Freiwillig Sozialen Jahr und harter Arbeit auf einer Baustelle, zum Geldverdienen, konnte die Weltreise im Oktober 2018 losgehen. Bis Juni 2019 reiste Jil Strieder alleine mit einem Handgepäckrucksack durch Australien, Neuseeland, USA, Kolumbien, Peru, Bolivien, Chile, Mexiko und Kanada.

Das Besondere an ihrer Reise: Lediglich der Hinflug nach Australien und ein Hostel für die ersten drei Tage waren im Voraus geplant. Die restliche Zeit ließ sich die 20-Jährige durch die Welt treiben mit Menschen, die sie auf ihrer Route kennenlernte.

Einmal um die Welt: Jil Amalia Strieder fuhr 4500 Kilometer mit diesem Bus durch Australien. Mit dabei: Annabelle Just aus Deutschland und Roosa Lohenoja aus Finnland.

„Andere Länder als Australien waren auf meiner Reise gar nicht geplant. Das hat sich alles ergeben“, sagt sie. Nach 30 Stunden Flug landete sie in Perth, Australien, und checkte in ihrem Hostel ein. Mit 23 Menschen aus der ganzen Welt schlief sie in den ersten Tagen in einem Zimmer und machte sofort Bekanntschaften. Von Perth aus fuhr sie mit einem alten Bus und dort gekaufter Campingausrüstung bis nach Darwin, zirka 4500 Kilometer durch Australien. „Auf einer Hühner-Farm musste ich eine Nacht schlafen, da ich mein eigentliches Ziel nicht fand. Als ich neben meinem Zelt eine unglaublich dicke Schlange sah, konnte ich super schlafen“, schmunzelt sie. Mobilfunknetz hätte es schon lange nicht mehr gegeben im Outback, nur durch Satellitenempfang habe sie sich orten können.

Welches das schönste Reiseerlebnis gewesen sei, könne sie nicht festlegen. „Ich bin dankbar, dass ich einem Abenteuer in der Karibik nachging und dann im Dschungel in einem kleinen Dorf lebte und Kitesurfen lernte.“ Für sie sei es wichtig, die Kulturen kennenzulernen und sich nach deren Lebensstil zu richten. Doch ist auch manches schiefgegangen: „Beim Raften auf einem wilden Fluss ist ein schlimmer Unfall passiert. Die Strömung kippte unser Boot um, ich wurde weit mitgezogen und von Felsen zu Felsen geschleudert. Ich verlor jegliche Kontrolle.“ Letztendlich habe sie aber Glück gehabt, da ihr Kopf verschont blieb. „In Lima, Peru wurde ich im Taxi mit einer Waffe am Kopf überfallen, ich konnte nur noch meinen Reisepass aus der Tasche retten“. Letztlich sei aber alles gut ausgegangen.

Fürs Leben habe sie gelernt, dass Zu Hause kein Ort sein muss, vielmehr ein Gefühl von Liebe und Geborgenheit. Wer sich auch auf eine Weltreise begeben möchte, dem rät sie: Nicht verrückt machen, Ängste in bedachtes Handeln umwandeln, sich treiben lassen, aufgeschlossen sein und Vertrauen haben.

Im Juni dieses Jahres ist sie zurück nach Deutschland gekommen, allerdings zeitnah mit dem Auto durch Frankreich, Dänemark, Italien und der Schweiz gereist. Ein richtiger Alltag ging erst im August durch den Start ihrer Ausbildung als Grafikdesignerin los. Im Dezember 2019 wird sie durch Indien reisen.

Im nächsten Jahr will Jil Strieder ein Buch über ihre Weltreise rausbringen. Wessen Interesse geweckt wurde, der kann das Buch vorbestellen: jil.strieder@web.de

Von Carolin Eberth

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