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Tat gleich gestanden: 71-Jähriger aus Waldkappel erstickt demente Ehefrau

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Von: Ulrike Lange-Michael

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Symbolbild der Justizia mit verbundenen Augen
Das Gericht sah die Schuld als erwiesen an. © Symbolbild: Peter Steffen/dpa - Bildfunk

Vor dem Landgericht in Kassel wird gegen einen 71 Jahre alten Mann aus der Stadt Waldkappel verhandelt. Er soll seine pflegebedürftige Frau mit einem Kissen erstickt haben.

Kassel/Waldkappel – „Ick habe meine Frau umjebracht.“ Dafür müsse er jetzt bestraft werden. Schnörkellos gestand der 71-jährige Mann, ein gebürtiger Berliner, was ihm die Staatsanwaltschaft in Kassel vorwirft.

Laut Anklage soll er am Abend des 29. August 2021 in der gemeinsamen Wohnung seiner pflegebedürftigen Ehefrau so lange ein Kissen aufs Gesicht gedrückt haben, bis sie tot war. Was tatsächlich geschah und wie die Umstände der Ereignisse waren, soll die Verhandlung vor dem Landgericht in Kassel klären.

Zum Auftakt ermunterte der Vorsitzende Richter Christian Geisler den Angeklagten, von den Ereignissen im August vergangenen Jahres zu berichten. Der 71-Jährige, der zurzeit in Kassel in Untersuchungshaft sitzt, erzählte von der schwierigen Situation, nachdem seine Frau am 26. August nach einem Krankenhausaufenthalt wieder nach Hause gekommen war. Ein Pflegebett für sie stand im Wohnzimmer, er selbst schlief auf dem Sofa daneben.

Die Ärzte des Eschweger Krankenhauses, die die Frau am 26. August nach Hause entließen, hatten dem Angeklagten empfohlen, zumindest eine Kurzzeitpflege im Heim zu beantragen. Doch der Angeklagte betonte: „Wir haben uns versprochen, nicht ins Pflegeheim zu gehen.“ Unterstützt wurde er dann von einem Pflegedienst, der zweimal täglich für fünf bis zehn Minuten kam.

Die demente Frau, die auch an Diabetes litt, sei verwirrt gewesen, habe Tag und Nacht gerufen „Ich will zu meiner Mama“ und „der Kalle muss mit“. Kalle war der kleine Hund des Ehepaares. Dann sei bei ihm durch die permanenten Rufe seiner Frau, die ihn kaum schlafen ließen, „eine Sicherung durchgeknallt“. Er habe die Frau, mit der er seit 50 Jahren zusammen war und die er bis heute liebe, in den Arm genommen und sie mit dem Kissen erstickt. Auch den Hund habe er mit einer Plastiktüte getötet und ihn der Frau auf die Schulter gelegt. Der Entschluss, seine Frau zu ersticken, sei nicht geplant gewesen. Er habe ihr noch ein Küsschen gegeben und gesagt: „Mäuschen, ick komme mit“. Danach versuchte er vergeblich, sich selbst das Leben zu nehmen, erst mit einem Messer, dann mit den restlichen Insulinspritzen seiner Frau.

Die von einer Pflegekraft alarmierte Polizei fand am Abend des 30. August das Ehepaar: die tote Frau samt Hund im Bett, der Ehemann bewusstlos davor. Der Mann wurde ins Krankenhaus gebracht, wo ihn die Beamten noch in der Nacht befragten. Zu ihrer Überraschung sagte der Angeklagte sofort, er habe seine Frau erstickt. Bis zu diesem Zeitpunkt war man, so die Aussagen der Beamten, noch nicht von einem Tötungsdelikt ausgegangen.

An den nächsten Verhandlungstagen in dieser Woche werden weitere Zeugen, zum Beispiel Nachbarn und Sachverständige, gehört. Mit einem Urteil der Strafkammer, der zwei weitere Richterinnen und zwei Beisitzer angehören, wird am kommenden Montag gerechnet.

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