Die teuren Billig-Welpen

Günstige Tiere aus dem Internet können für Besitzer teuer werden

Jack-Russel-Rüde Luk stammt aus einem Billigangebot im Internet: Seine Besitzerin Alexandra Czarnik hat tausende Euro für Tierärzte bezahlt, doch das Tier bleibt krank. Foto: privat

Waldkappel. Es war eine Bauchentscheidung, die die heute 21-jährige Alexandra Czarnik teuer zu stehen kam. Vor zwei Jahren entschied sie sich zum Kauf eines Hundes. Bei Ebay-Kleinanzeigen fand sie schnell einen Züchter in Thüringen, der Jack Russel-Welpen günstig anbot. 200 Euro sollte der sechs Wochen alte Welpe kosten.

Der übliche Preis für einen reinrassigen Russel-Terrier liegt aktuell bei über 500 Euro.

Heute, um einige tausend Euro ärmer und mehr als 20 Tierarztbesuche mit Terrier-Rüden Luk reicher, bereut sie, dass sie die Zustände auf dem Hof des Züchters nicht alarmiert hatten. „Die zehn Welpen des Wurfs hausten in einer kleinen Bretterscheune, waren völlig verschmutzt und stanken erbärmlich“, erzählt Alexandra Czarnik.

Der erste Besuch beim Tierarzt ergab: Der Welpe hatte Ohrmilben und einen Hautpilz. Beides konnte gut behandelt werden, doch der junge Hund kratzte sich unablässig am ganzen Körper blutig, er hatte Pusteln am Bauch und verliert Fell. Eine Odyssee von Tierarzt zu Tierarzt beginnt, der Hund bekommt Kortison und Medikamente gegen seine quälenden Hautprobleme - das alles kostet eine Menge Geld. Doch trotz aller Behandlungen treten die Probleme immer wieder auf. Später wird eine Nahrungsmittelallergie auf viele Fleischsorten diagnostiziert. „Dem Hund geht es immer wieder schlecht und ich weiß nicht mehr wie ich ihm helfen soll“, sagt Alexandra Czarnik jetzt. Jüngste Diagnose bei Luk ist eine Autoimmunerkrankung.

Neben seinen enormen gesundheitlichen Problemen, weist Luk, heute ein ausgewachsener Rüde, zahlreiche Verhaltensstörungen auf. Er ist trotz aller Sozialisationsversuche menschenscheu, hat besonders Angst vor Männern und Kindern und ist extrem schreckhaft. „Wir sind ständig am Üben, aber es ist sehr mühsam“, sagt Luks Frauchen. „Abend ausgehen oder shoppen geht nicht, weil ich das Tier nicht alleine lassen kann.“

Alexandra Czarnik liebt ihren Hund Luk dennoch über alles. Für sie steht ganz fest: „Ich werde Luk unbedingt behalten“. Doch sie warnt vor unüberlegten Welpen-Käufen, vor allem dann wenn die Tiere extrem günstig im Internet angeboten werden. „Ich war damals nicht vorsichtig und trage heute die Verantwortung dafür.“

Von Stefanie Salzmann

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