Sie trifft der Schlag

Kirchhosbacher sollen hohe Rechnung zahlen, obwohl sie selbst Strom erzeugen

Wohl die Wurzel allen Übels: Die Photovoltaikanlage auf dem Haus des Ehepaars Erika und Günter Gerlach. Fotos: Deppe

Kirchhosbach. „Das kann einfach nicht sein“, sagen Erika und Günter Gerlach aus Kirchhosbach unisono. Mehrfach haben sie in diesem Jahr vom Energiekonzern Eon Rechnungen über mehrere Tausend Euro erhalten.

Zwischenzeitlich mussten sie ihr Konto sperren lassen – bis der Energieriese sogar drohte, dem Ehepaar den Strom abzudrehen.

Rechnungen bis 2700 Euro

„Unser Stromverbrauch müsste eigentlich bei etwa 80 Euro im Monat liegen“, sagt Günter Gerlach. In Rechnung gestellt wurden in diesem Jahr aber mehrfach vierstellige Jahresbeiträge. Mal 2700 Euro, mal 1600 Euro und zuletzt vor wenigen Wochen 2300 Euro. Die erste Summe buchte das Unternehmen noch vom Konto der Gerlachs ab. Auf Nachfrage des Ehepaares gab das Unternehmen laut Erika Gerlach einen „Fehler im System“ als Ursache an. Beim zweiten Mal gab es schon keine Erklärung mehr – die Gerlachs sperrten ihr Konto und schalteten als ehemalige Landwirte über den Kreisbauernverband einen Anwalt an. „Ihm wurde aber ebenso wie uns nicht geantwortet“, sagen sie.

Die Eon verweist indes nach einer Anfrage unserer Zeitung auf den lokalen Energieversorger Energie-Netz-Mitte. „Unserer Kenntnis nach sind die an uns übermittelten Daten zum Zähler durch den Netzbetreiber vermutlich nicht richtig gewesen, so dass wir leider in der Folge fehlerhafte Rechnungen erstellt haben“, sagt Eon-Sprecher Stefan Moriße.

Ursache Doppeltarifzähler

Ursache: Der Stromzähler der Gerlachs könnte falsch geschaltet sein.

Er vermutet, dass die Stromzähler bei den Gerlachs falsch geschaltet seien. Ein so genannter Doppeltarifzähler messe dabei möglicherweise nicht nur den Stromverbrauch, sondern auch die mit Solarzellen produzierte Energie. Wäre das der Fall, würden die Gerlachs für den von ihnen erzeugten Strom bezahlen sollen, anstatt davon zu profitieren. Warum es erst jetzt Probleme mit den Rechnungen gibt, erklärt sich so aber nicht. Die Photovoltaikanlage gibt es immerhin schon seit 2010.

Bei der Energie-Netz-Mitte ist man sich aber keiner Schuld bewusst. Die Zählerstände seien immer korrekt übermittelt worden, sagt Sprecherin Sandra Hübner. Eine neue Abrechnung gegenüber der Eon erfolge immer Anfang des Jahres, das sei auch korrekt geschehen. Kurz vorher käme jeweils ein Mitarbeiter im Haushalt vorbei, um die Zählerstände abzulesen. Dass das in den vergangenen acht Wochen gleich dreimal geschehen sei, bestätigt Hübner. „Wenn jetzt nochmal jemand kommt, lasse ich mir unterschreiben, dass er da war“, sagt Günter Gerlach und seine Frau ergänzt: „Beim letzten Mal hat der Techniker selbst schon lachen müssen, weil er schon wieder geschickt wurde.“

Die Eon hat inzwischen eingelenkt und eine Mahnungssperre bei den Gerlachs verhängt bis die Situation geklärt ist.

Von Lasse Deppe

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare