Metallbau mit Tradition

Waldkappel: Firma Rehbein wurde vor 100 Jahren gegründet

Metallarbeit mit Amboss und am offenen Feuer: Heinrich Rehbein in den 1960er-Jahren in der alten Produktionsstätte in Waldkappel.
+
Metallarbeit mit Amboss und am offenen Feuer: Heinrich Rehbein in den 1960er-Jahren in der alten Produktionsstätte in Waldkappel.

Heuter feiert das Waldkappler Metallbauunternehmen den 100. Jahrestag seit seiner Firmengründung. Der Betrieb ist bis heute in Familienhand.

Waldkappel – Wer in der Stadt Waldkappel und der Umgebung mit Metallbau in Berührung kommt, der stolpert automatisch über den Namen Rehbein. Am heutigen 1. April feiert das Familienunternehmen seinen 100. Geburtstag. Wir blicken zurück auf zehn Jahrzehnte Firmengeschichte, die vom Hufbeschlag über den Wagenbau bis hin zur modernen Bauschlosserei führte.

Die Anfänge

Der Gründer der Firma, Heinrich Karl Rehbein, wurde am 5. Mai 1882 in Waldkappel geboren. Aus einer von der Landwirtschaft geprägten Familie kommend, erlernte er vom 14. bis zum 17. Lebensjahr das Schmiedehandwerk in Bischhausen. Heute vollkommen unvorstellbar, betrug die Arbeitszeit pro Tag damals zwölf Stunden. Nur am Sonntagnachmittag hatte er vier Stunden frei und durfte zu Fuß seine Eltern in Waldkappel besuchen.

Nach seiner Lehre ging er auf Wanderschaft, die er bei einem renommierten Schmiedebetrieb in der damaligen Stahlstadt Dortmund im Ruhrgebiete beendete. Von 1902 bis 1904 diente er in Kassel beim Infanterieregiment 167, ehe er noch einmal zurück nach Dortmund ging. Noch vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges bewarb er sich bei der Bahn, wo er bis 1919 als Lokführer arbeitete.

Nach den Wirren des Ersten Weltkrieges gründete Heinrich Karl Rehbein auf den Tag genau vor 100 Jahren in Waldkappel den eigenen Betrieb, der zunächst eine klassische Schmiede war, wie es sie zur damaligen Zeit in fast jedem Ort gab. Unter einfachen Verhältnissen zählten der Hufbeschlag und der Wagenbau zu den größten Verdienstposten. Begonnen wurde die Arbeit mit einem alten Amboss und einer Feldschmiede.

Schon drei Jahre später wurde die erste Schmiedewerkstatt mit überdachtem Beschlagstand gebaut – schräg gegenüber des heutigen Bürgerhauses in Waldkappel.

Vor allem mit dem Bau von Kutschenwagen, Bäckerwagen und Wagen für die Landwirtschaft machte sich der Gründer rund um Waldkappel einen Namen. Heinrich Karl Rehbein profitierte dabei vor allem von seinen Erfahrungen, die er in Dortmund gesammelt hatte.

Elektrizität hält Einzug

Im Jahr 1937 wurde die erste Werkstatt aus Platzgründen abgerissen. Alles wurde fortan mit einem elektrischen Antrieb versehen – damals hochmodern. Erstmals wurde nun mittels Strom mit Gebläse, Bohrmaschine, Schleifblock und Schweißgerät gearbeitet.

Der Firma ermöglichte die neue Technik auch, mit den ersten Bauschmiedearbeiten zu beginnen. Wie so viele Unternehmen in der Region wurden auch die Rehbeins durch den Zweiten Weltkrieg zurückgeworfen. Wirtschaftsgebäude brannten vollständig nieder, die Dächer von Werkstatt und Wohnhaus in der Waldkappeler Altstadt wurden fast abgedeckt.

Im Betrieb kündigte sich auch ein erster Generationenwechsel an: Heinrich Rehbein, geboren 1921 als erster Sohn, legte 1939 seine Gesellenprüfung ab. Nachdem er 1945 aus der US-amerikanischen Gefangenschaft nach dem Zweiten Weltkrieg zurückkehrte, folgte 1947 die Meisterprüfung im Schmiedehandwerk. Nur zwei Jahre später übernahm er den väterlichen Betrieb.

Nach Jahren der Rezession – Pferde und Wagen wurden wegen der Modernisierung schlicht nicht mehr benötigt – stellte er den Betrieb auf Bauschmiedearbeiten um. Weil die Werkstatt dafür erneut zu klein war, erfolgte 1962 der Abriss und ein Neubau. Auch die nebenbei betriebene Landwirtschaft wurde endgültig aufgegeben.

Die Gegenwart

Die dritte Familiengeneration stand bald in den Startlöchern: Horst Rehbein, 1954 geboren, stieg nach seiner Ausbildung zum Schmiedemeister 1978 in den väterlichen Betrieb ein und leitete ihn ab 1986. Ende des Jahrzehnts stieg die Firma bei Serienproduktionen wie Paletten und Tresoren ein. Als die innerdeutsche Grenze fiel, wurden diese Produkte allerdings im Osten gefertigt – das Unternehmen konzentrierte sich fortan auf die moderne Bauschlosserei.

2015 folgte aus dem ehemals kleinen Betrieb die Umfirmierung in Metallbau Rehbein GmbH. Die Geschwister Carsten und Carina übernahmen zusammen mit Vater Horst die Geschäftsführung. Vor drei Jahren ging Horst Rehbein dann in den Ruhestand. In der Geschichte des Betriebes wurden über 50 Lehrlinge ausgebildet, an die 20 Mitarbeiter zählt das Familienunternehmen heute.

Um die Arbeit der Rehbeins zu sehen, muss man nur mit offenen Augen durch Nordhessen laufen: Arbeiten finden sich an der Löwenburg, auf Schloss Wilhelmshöhe und am Staatstheater in Kassel sowie auf Schloss Spangenberg. Übrigens: Die Kaskaden am Kasseler Herkules laufen ebenfalls über Bleche aus Waldkappel. Von Maurice Morth

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare