Vor der Wahl

Waldkappel: Kreative Ideen müssen her - Entwickeln mit wenig Handlungsspielraum

Die Uhle (Eule) vor dem Waldkappeler Rathaus in der Kernstadt: Sie ist als die Symbolfigur der Stadt weithin bekannt.
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Die Uhle (Eule) vor dem Waldkappeler Rathaus in der Kernstadt: Sie ist als die Symbolfigur der Stadt weithin bekannt.

Vor der Kommunalwahl am 14. März porträtieren wir alle elf Kommunen unseres Verbreitungsgebiets und den Werra-Meißner-Kreis. Heute: die Stadt Waldkappel.

Waldkappel - Zwischen Hessisch Lichtenau und Eschwege gelegen, zählt die Kommune knapp über 4000 Einwohner. Die Weitläufigkeit der auf fast 100 Quadratkilometer verteilten kleinen Stadtteile macht viel vom Charme Waldkappels aus. 15 Stadtteile inklusive der Kernstadt hat Waldkappel – was nach einer großen Stadt klingt, ist allerdings das Ergebnis einer Eingemeindungswelle im Zuge der Gebietsreform in Hessen Anfang der 1970er-Jahre. Für die Kommune sind Ideen gefragt.

Teilstück A 44 führt an Waldkappel vorbei

Ein Stück durchbrochen wird diese Ruhe seit einigen Jahren durch das fertiggestellte A44-Teilstück zwischen Hessisch Lichtenau und Waldkappel-Bischhausen. Die schnelle Anbindung durch die Auffahrt bei Bischhausen könnte das manchmal etwas verschlafen wirkende Waldkappel in den kommenden Jahren verändern.

Bauplätze sind großes Thema

Um wirklich nachhaltig davon zu profitieren, sind in der Stadt allerdings noch einige Hausaufgaben zu erledigen. Bauplätze sind in der Kommune gerade für junge Familien ein sehr großes Thema. Hinzu kommt, dass die beiden Kindertagesstätten in der Kernstadt und in Bischhausen sukzessive an die Gegebenheiten der heutigen Arbeitswelt angepasst werden müssen. Gerade vor dem Hintergrund, dass Waldkappels Einwohnerzahl bis zum Jahr 2035 um 14 Prozent auf rund 3600 zurückgehen könnte, muss die Kommune hier noch wesentlich attraktiver werden, um dem Trend entgegenzuwirken.

Gewerbeflächen sind am Limit

„Im Hinblick auf die Ausschreibung von Gewerbeflächen sind wir fast am Limit“, sagte Bürgermeister Frank Koch Anfang des Jahres. Zwar gebe es noch die eine oder andere Gewerbefläche, aber von einem neuen Gewerbegebiet, von der die ganze Stadt profitieren würde, ist man zum gegenwärtigen Zeitpunkt weit entfernt.

Ideen sind gefragt

Kreative Lösungen sind in Waldkappel sowieso gefragt, denn der finanzielle Handlungsspielraum ist eingeschränkt: In 2015 erwirtschaftete die Stadt, in der der Geldbeutel traditionell nicht so locker sitzt, erstmals seit 1998 wieder einen Überschuss im Haushalt. Die Auswirkungen der Coronaviruspandemie und der damit verbundene dramatische Wirtschaftseinbruch treffen auch die Stadt Waldkappel. Hier wird sich zeigen, was machbar ist und was nicht. Maurice Morth

Das wollen die Spitzenkandidaten in Waldkappel:

Corinna Müller, SPD, Listenplatz 1, Waldkappel

Corinna Müller, SPD, Listenplatz 1: „Waldkappel noch liebens- und lebenswerter für alle und attraktiv für Unternehmer gestalten: Wir richten unser Augenmerk auf die städtischen Kindergärten und Spielplätze, unser Freibad sowie die Ausweisung bedarfsgerechter Bau- und Gewerbegebiete. Wir möchten uns für eine nachhaltige Aufforstung einsetzen, damit Waldkappel auch in der Zukunft die Stadt am Walde bleibt.“

Alexander Frank, CDU, Listenplatz 2, Waldkappel

Alexander Frank, CDU, Listenplatz 2: „In den nächsten Jahren kommen verantwortungsvolle Aufgaben auf die Kommunalpolitik hier zu. Uns ist wichtig, die Balance zwischen nötigen Ausgaben, wie attraktive Neubaugebiete, Einsatzbereitschaft der Feuerwehr und Familienfreundlichkeit herzustellen, ohne dabei die Kontrolle über die Finanzen zu verlieren. Wir wollen keine Schulden an unsere Kinder vererben.“

Holger Schiller, ÜWG Spitzenkandidat Waldkappel

Holger Schiller, ÜWG, Listenplatz 1: „Als größte Herausforderung sehen wir die negative Bevölkerungsentwicklung zu stoppen. Das Leben muss attraktiver werden. Der Ausbau der Infrastruktur, Schaffung von Bauplätzen und Gewerbegebieten haben Priorität. Unsere Gemeinde muss als Alternative zum Stadtleben bekannt werden. Parteipolitisches Denken ist fehl am Platz. Deshalb liegt uns viel an der Zusammenarbeit mit anderen Fraktionen.“

Ingrid Braunbarth, Die Grünen, Listenplatz 1, Waldkappel

Ingrid Braunbarth, Die Grünen, Listenplatz 1: „Wir sprechen mit den Bürgern und den anderen Gewählten darüber, wie wir unsere Gemeinde für die Zukunft umweltschonender und familienfreundlicher gestalten können. Wir wollen die Stadt Waldkappel zur Klimakommune machen, in Kinder- und Jugendförderung investieren, Tourismus und gute Verkehrsanbindung mit Bus und Fahrrad auch für Nichtautofahrer ausbauen.“

ANALYSE

Die Chance nicht verschlafen

Von Maurice Morth

Die A 44 kann Waldkappel voranbringen: Die Attraktivität als Gewerbestandort steigt durch die Anbindung massiv, hinzu kommt die zentrale Lage mitten im Herzen von Europa. Bislang hat man allerdings nicht den Eindruck, als bringe man sich dafür aktiv genug in Stellung. Ein Logistiker wird beispielsweise dort ansiedeln, wo es möglich ist. Die A44-Anrainer Hessisch Lichtenau, Wehretal und Sontra reiben sich angesichts steigender Nachfrage bereits jetzt die Hände.

Die riesige Chance, mehr Geld in die Stadtkasse zu spülen, darf unter keinen Umständen verpasst werden, denn dadurch entspringen direkt weitere Entwicklungsmöglichkeiten: Freizeitangebote wie das Schwimmbad – das als eines der schönsten im Landkreis gilt – könnten erhalten, Naherholungsmöglichkeiten wie Wander- und Fahrradwege erweitert werden, ein größeres Tourismusangebot entstehen. Das könnte auch die Gastronomie, von der es längst nicht mehr so viel gibt, beleben und letztlich ganz Waldkappel attraktiver machen.

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