Vom Baum zum Brett

Waldkappeler Sägewerk Holz-Otto: Matschige Verhältnisse brachten Produktion fast zum Stillstand

Waldkappel. Bis zu 125.000 Festmeter bearbeitet das Waldkappler Sägewerk Holz-Otto im Einschichtbetrieb. Für Probleme aber sorgten nun das Sturmtief Friederike - und der wilde Winter. 

Etwa 30 Lastkraftwagen fahren täglich auf das Gelände des Unternehmens, um den Betrieb mit Rundholz – hauptsächlich Fichten, manchmal aber auch Kiefern und Lärchen – zu versorgen oder Ware von dort aus an die Kunden auszuliefern. „Als PEFC-zertifiziertes Sägewerk kaufen wir ausschließlich Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern in Hessen, Thüringen und Niedersachsen“, erklärt Geschäftsführerin Nicole Dölle-Otto.

Aufgrund vermehrter Regenfälle, des Sturmtiefs Friederike und des milden Winters sorgt der extrem aufgeweichte Waldboden dafür, dass Holzeinschnittarbeiten in hessischen Forstbetrieben eingestellt oder woandershin verlagert werden mussten, weil die Maschinen unter diesen Bedingungen nicht arbeiten konnten. Dadurch kam der Holz-Abtransport ins Stocken und brachte die Produktion im Werk der Familie Otto fast zum Erliegen. „Kurzfristig mussten wir auf Holz aus anderen Bundesländern zurückgreifen“, berichtete Senior-Chef Henner Otto gegenüber dem Hessischen Rundfunk. Nun habe sich die Lage allerdings ein wenig beruhigt, da man einige Waldwege wieder befahren dürfe.

Vor 130 Jahren gründete Jakob Otto einen Zimmereibetrieb in Reichensachsen. Es folgte die Angliederung eines Sägewerks und der Umzug nach Waldkappel. Mittlerweile wird das Holzwerk mit Weiterverarbeitung in fünfter Generation von Nicole Dölle-Otto und Christian Otto geführt. Die Folgen des Sturmtiefs Friederike, welches am 18. Januar über das ganze Land zog und unzählige Bäume zu Fall brachte, gingen auch an dem Waldkappler Sägewerk nicht spurlos vorbei.

Gemeinsam mit ihrem Vater Henner Otto leitet die Diplom Betriebswirtin in der Fachrichtung Holz seit 2003 zusammen mit ihrem Bruder und Holzbearbeitungs- sowie Zimmermeister Christian Otto das Unternehmen.

1888 entstand der einstige Zimmereibetrieb in Reichensachsen, zu welchem einige Jahre später ein Sägewerk angegliedert wurde. Von Zeit zu Zeit wurden alte Maschinen durch neue ersetzt. Im Jahr 1984 erfolgte der Anbau eines Holzfachmarktes, der fortan den regionalen Heimwerkerbedarf abdeckte. Weil es dem Betrieb an Platz mangelte, zog dieser 1991 auf ein sechs Hektar großes Grundstück in Waldkappel. Neben dem neuen Holzverarbeitungswerk wurde dort zudem eine Holzverbrennung erbaut. „Somit ist es möglich, mit eigenen Brennstoffen zu heizen“, berichtet die Geschäftsführerin, „sowie unsere Trockenkammer zu betreiben.“ Weitere Investitionen in eine vollautomatische Lattenstraße, eine Rundholzkappstation und einen Solarpark folgten. Insgesamt 20 Millionen Euro steckten die Inhaber in das Sägewerk, in dem sie je nach Saison bis zu 50 Mitarbeiter beschäftigen.

Bevor das gelieferte Rundholz passgenau zugeschnitten wird, sortieren Mitarbeiter dieses nach Länge, Stärke und Qualität. Nach Entfernen der Rinde kann das Holz anschließend elektronisch vermessen werden. „Abfälle entstehen bei uns quasi nicht, weil Rinde, Sägespäne und Hackschnitzel zu hundert Prozent wiederverwendet werden“, sagt Nicole Dölle-Otto. Beispielsweise werden die Späne verkauft, um später Pellets daraus zu fertigen.

In Form von Brettschichtholz, Konstruktionsvollholz, abgebundenen Dachstühlen und Nagelbinderplatten gelangt das Rundholz dann zu den Abnehmern: „Der Verkauf erfolgt ausschließlich an gewerbliche Kunden, nicht mehr an Privatpersonen“, betont Dölle-Otto, da sich das Unternehmen über die Zeit mehr zu dem Großhandel hin orientiert habe. Nicht nur in Deutschland, sondern auch im benachbarten Ausland sind die Produkte des Waldkapplers Sägewerk gefragt. „Teilweise wird die Ware sogar bis nach Grönland ausgeliefert.“

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