Kadaver im Dorf entdeckt

In Hasselbach: Wolf reißt Reh in Hausgarten

Eine Wiese ist zu sehen.
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Wolfsmahlzeit im Hausgarten: Auf diesem Grundstück im Waldkappeler Stadtteil Hasselbach wurde am Samstag der Kadaver eines gerissenen Rehbockes gefunden. 200 Meter entfernt ist der Spielplatz des Dorfes.

In einem umzäunten Gartengrundstück mitten im Waldkappeler Stadtteil Hasselbach hat vermutlich ein Wolf einen etwa 20 Kilo schweren Rehbock gerissen und gefressen.

Hasselbach – Der Kadaver des Bocks war am Samstagmorgen vom Nachbarn Jens Ludwig in dem Garten entdeckt worden. Der Fundort des Risses befindet sich nur 200 Meter vom Spielplatz des Dorfes und dem ehemaligen DGH entfernt, höchstens 100 Meter sind es bis zur Dorfstraße. Der Hasselbacher Revierpächter Christoph Dippel geht aufgrund des Zustandes des Kadavers mit großer Sicherheit von einem Wolfsriss aus. „Ein Luchs würde den Hals aufreißen und das Muskelfleisch der Keulen fressen, doch an dem Rehbock fehlen die gesamten Vorderläufe und das Haupt. Das kann ein Luchs gar nicht.“

Dem Rehbock fehlen Läufe und Haupt.

Das Grundstück auf dem der Riss gefunden wurde grenzt an einen steilen bewaldeten Hang, in dem sich häufig vertraute Rehe aufhalten. Doch oberhalb auf einer Weide hat ein Schäfer seine Schafe, die er allerdings nachts in den Stall holt. „Ich gehe davon aus, dass der Wolf ein Schaf gesucht und ein Reh gefunden hat“, sagt Dippel. Noch am vorigen Samstagnachmittag hat der Witzenhäuser Wolfsrissgutachter Gerhard Scholz eine Gen-Probe des Risses genommen, deren Ergebnis aber noch aussteht.

Sorgen um Weidetiere

Sorgen macht sich Christoph Dippel nicht nur um die Weidetiere, deren Auftrieb mit den Jungtieren kurz bevorsteht – sondern auch um einen der wenigen vorhanden Muffelwildbestände in Deutschland, die in seinem Revier am Fuß des Hohen Meißners heimisch sind. Um die 80 Tiere leben dort. Doch allein in den vergangenen 14 Tagen wurden nach Dippels Auskunft in dem Gebiet vier Muffelschafe gerissen gefunden – zuletzt ebenfalls am vorigen Samstag bei Lichtenau- Küchen ein trächtiges Muffelschaf.

„Wir haben die Risse bisher nicht an die große Glocke gehängt, aber es häuft sich“, sagt Dippel. Gerade Muffelwild komme mit einem großen Raubtier wie dem Wolf überhaupt nicht klar. „Die Tiere leben in großen Rudeln. Nährt sich der Wolf, laufen sie hundert Meter weiter und bleiben dann wieder stehen. Und dann greift der Wolf zu.“

Häufige Sichtungen

Neben häufigen Sichtungen von Wölfen deute auch das extrem heimlich gewordene Wild auf die Anwesenheit mehrerer Wölfe hin. „Wir haben im vergangenen Jahr nicht ein einziges weibliches Stück Rotwild gesehen, obwohl das Revier einen hohen Wildbestand hat.“ Und auch die Landschaft gerade am Meißner drohe sich zu verändern, so Dippel. Für einige Wiesenflächen am Berg, die aufgrund ihrer Lage und Beschaffenheit nicht gemäht werden können, finden sich kaum noch Schäfer, die ihre Tiere dort der Gefahr durch den Wolf aussetzen wollen. Stefanie Salzmann

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