Im Heimatmuseum Waldkappel sind jetzt die Reste einer Fliegerbombe zu sehen

Ein Zeugnis der Zerstörung

Freuen sich, ein weiteres Stück Geschichte im Heimatmuseum Waldkappel zeigen zu können: Eschweges Stadtarchivar Dr. Karl Kollmann und Robert Richter vom Geschichtsverein Waldkappel. Foto: Deppe

Waldkappel. Ein Stück Waldkappeler Stadtgeschichte ist seit gestern im Heimat-museum zu bestaunen. Ein Stück, auf dessen Ursprung man auch gut hätte verzichten können, denn es handelt sich um Teile einer Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Diese hatte der Waldkappeler Forstarbeiter Andreas Struthmann im März vergangenen Jahres bei Waldarbeiten gefunden – mehr als 70 Jahre nach ihrer schrecklichen Detonation.

Die Bombe

In der Woche vor Ostern des Jahres 1945 beschossen feindliche Flieger täglich den Bahnhof und abgestellte Züge in Waldkappel. Sie waren die Vorboten der von Westen her anrückenden US-Panzereinheiten. Trotz dieses andauernden Beschusses fiel den Angriffen bis zum Ostersamstag nur ein Mensch zum Opfer.

Die große Katastrophe ereignete sich dann am späten Nachmittag des 31. März. Um 16.55 Uhr trafen Geschosse einen Munitionszug, der als Ergebnis einer Verkettung unglücklicher Umstände seit dem Vorabend auf dem Gelände geparkt war. Er detonierte mit einem weit hörbaren Explosionsschlag. Das mehrgeschossige Empfangsgebäude mit Wartesälen und Wohnungen, zwei Güterschuppen, Drehscheibe und anliegenden Wirtschaftsgebäuden waren von einem Moment zum nächsten nicht mehr existent. 25 000 Kubikmeter Erdmasse waren fortgerissen, ebenso knapp vier Kilometer Gleise und 14 Weichen. Die Teile der Bombe, die Eschweges Stadtarchivar Dr. Karl Kollmann jetzt dem Museum übergeben hat, lagen dementsprechend mehr als anderthalb Kilometer vom Bahnhof entfernt.

Das Museum

Das Museum zeigt deutlich auf, wie Waldkappel im Laufe der Jahrhunderte gleich mehrfach vom Schicksal hart getroffen wurde. Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg oder durch den großen Brand 1854, bei dem der Großteil der Stadt niederbrannte, prägen die Geschichte des Ortes. Im zum Heimatmuseum umgenutzten ehemaligen Wohnhaus von Elise Roth wird aber auch das Handwerk präsentiert, in dem einst gearbeitet wurde. Zigarrenwerkstatt, Schuhmacherei und historisches Friseurgerät sind nur ein Teil der Ausstellung.

Im Laufe des Jahres wird die Fläche des Museums vergrößert. Derzeit wird ein großer Raum im zweiten Obergeschoss renoviert. Geöffnet ist das Museum an der Friemer Straße 10 jeweils am dritten Sonntag im Monat von 14 bis 16 Uhr.

Von Lasse Deppe

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