Großer Schaden und einige Verletzte

Als ein Zug in Waldkappel in die Wehre stürzte - Glück im Unglück im Jahr 1898

Zahlreiche Zuschauer fanden sich kurz nach dem Zugunglück 1898 in Waldkappel ein.
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Zahlreiche Zuschauer fanden sich kurz nach dem Zugunglück 1898 in Waldkappel ein.

Wird über ein Zugunglück in Waldkappel gesprochen, kommt sofort die verheerende Explosion eines Munitionszuges mit 17 Toten im Jahr 1945 in den Sinn. Doch es gab noch ein Zugunglück.

Waldkappel - Fast vergessen ist der Vorfall, der sich zur Zeit des Kaiserreiches 1898 in Waldkappel ereignete. .

Gegen 6 Uhr am Sonntagmorgen des 6. Februars entgleiste auf der Zugstrecke zwischen Waldkappel und Kassel – auf Kilometer 48,7 – der Personenzug 451. Verletzt wurden dabei der Lokomotivführer, der Heizer, ein Schaffner sowie sieben Bahnreisende. Als wahrscheinliche Ursache benannte die Eisenbahndirektion Kassel damals einen Schienenbruch.

Laut dem Eschweger Tageblatt, das über den Vorfall berichtete, hatte der Personenzug den Bahnhof Waldkappel in Richtung Kassel verlassen und kaum einen Kilometer zurückgelegt, als die Insassen an der Brücke über die Wehre durch einen mächtigen Ruck aufgeschreckt wurden. Sowohl die Lokomotive als auch zwei Personenwagen stürzten den rund sieben Meter hohen Bahndamm hinunter.

„Es war ein großes Glück, dass die Wagen-Kupplungen rissen“

Die Zugmaschine überschlug sich und kam am Fuß der Böschung wieder auf den Rädern zu stehen. Ein dritter Personenwagen stürzte von der Brücke direkt in die Wehre. Der am Ende des Zuges fahrende Packwagen blieb auf dem Gleis stehen.

„Es war ein großes Glück, dass der Zug nur 30 Kilometer pro Stunde fuhr, und dass die Wagen-Kupplungen rissen“, schrieb das Eschweger Tageblatt damals nach dem Vorfall. Auch war der Zug am Sonntagmorgen nur mit wenigen Fahrgästen besetzt.

In dem Personenwagen dritter Klasse, der in die Wehre stürzte, hielten sich gar keine Reisenden auf. Von den sieben verletzten Fahrgästen waren sechs in Eschwege und einer in Bischhausen zugestiegen.

Erste Hilfe kam durch Sanitätsrat Dr. Hermann Hempel und Barbier Philipp Caselitz sofort aus Waldkappel. Von den Verletzten mussten der Lokführer, der Heizer sowie zwei der Reisenden ins Eschweger Landkrankenhaus gebracht werden.

Großer Materialschaden durch den Unfall

Ging der Unfall für die Zug-Besatzung und die Reisenden vergleichsweise glimpflich aus, war der Materialschaden groß: Der in die Wehre gestürzte Personenwagen war völlig zertrümmert und musste für den Abtransport in seine Einzelteile zerlegt werden.

Vom Bahnübergang zwischen Waldkappel und Harmuthsachsen wurden entlang des Eisenbahndammes bis zum Unfallort Schienen verlegt, über die die abgestürzte Lokomotive und die beiden restlichen Wagen befördert werden konnten.

Ein großer Schaden war ebenfalls am Bahndamm und der Brücke über die Wehre entstanden. Da die Querung einen neuen Belag erhalten musste, konnte der Verkehr über den Unglücksort erst am 12. Februar 1898 wieder gänzlich aufgenommen werden. (Maurice Morth)

Hinweis: Dieser Artikel ist mit freundlicher Unterstützung des Geschichtsvereins Waldkappel entstanden.

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